NRW-Politiker sagen Clans den Kampf an: "Jetzt räumen wir auf!"

+
104 kriminelle Clans gibt es in NRW. Foto: dpa

Im NRW-Landtag haben die Parteien am Freitag (24. Mai) zum Kampf gegen Clankriminalität geblasen. In NRW soll es rund 100 kriminelle Clan-Familien geben.

Es ist nicht weniger als eine Kampfansage: Im NRW-Landtag haben die Parteien am Freitag (24. Mai) zum Kampf gegen Clankriminalität geblasen. In NRW soll es rund 100 kriminelle Clan-Familien geben.

  • Der NRW-Landtag will Clankriminalität stärker bekämpfen
  • Parteien uneins über Ursachen und Lösung
  • In NRW gibt es rund 100 kriminelle Clans

In einer aktuellen Stunde haben sich am Freitag alle fünf Fraktionen im Landtag dafür ausgesprochen, kriminelle Clans stärker zu verfolgen. Sie treiben seit Jahren ihr Unwesen und sind etwa für Raub, Erpressung und Tötungsdelikte verantwortlich.

"Jetzt ist genug, jetzt räumen wir auf, jetzt machen wir Schluss mit diesen Strukturen, mit dieser Gewalt, mit diesen Verbrechen!", rief der CDU-Abgeordnete Dietmar Panske unter Beifall.

Reul: Problem sei nicht "hoppla hopp" zu erledigen

So richtig einig waren sich die Fraktionen bei den Ursachen und der Lösung des Problems aber nicht: Während die AfD forderte, kriminelle Ausländer auszuweisen, setzten die Grünen auf Integration. Laut einem jüngst veröffentlichten Lagebericht haben mehr als ein Drittel der verdächtigen Clan-Mitglieder einen deutschen Pass.

Klar sei jedoch laut Innenminister Herbert Reul, dass das Problem lange verschlafen wurde - ein Seitenhieb gegen die rot-grüne Vorgängerregierung. "Glaube keiner, dass das hoppla hopp zu erledigen ist. Dafür braucht man einen langen Atem und konsequentes Handeln", sagte er.

Clan-Bosse fassen statt Laufbuschen abgreifen

Die SPD schlug deshalb vor, auch gegen die Clan-Bosse vorzugehen. Es reiche nicht aus, "nur Laufburschen in Shisha-Bars abzugreifen" und Reul bei medienwirksamen Razzien in ein möglichst gutes Licht zu rücken, sagte Fraktionsvize Sven Wolf. Stattdessen müsse Reul "an den Türen der Clan-Bosse klingeln".

Laut Verena Schäffer von den Grünen würden viele Migranten in teuren Immobilien ausgenommen. Das entschuldige Kriminalität nicht, müsse aber zur Kenntnis genommen werden.

Die Clans in NRW sollen in den Jahren 2016 bis 2018 für mehr als 14.000 Straftaten verantwortlich gewesen sein. Die Polizei in NRW schätzt, dass es in der Szene rund 6.500 Verdächtige gibt. (Mit dpa-Material)