"Wir kennen dich nicht"

Kuriose Todesanzeige von Schülern aus Hagen: Nachruf für Unbekannte erhält tausende bewegte Reaktionen

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
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Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Mit einer bewegenden Todesanzeige für eine unbekannte Frau sorgten Schüler aus Hagen im Netz für große Begeisterung. Die Anzeige erhielt tausende Likes.

  • Schüler des Rahel-Varnhagen-Kolleg in Hagen veröffentlichten einen bewegenden Nachruf in der Westfalenpost.
  • In der Todesanzeige gedenken sie einer Unbekannten.
  • Auf Facebook erntete der Nachruf tausende Likes und viele bewegte Kommentare.

Hagen - Schon der erste Satz des Nachrufs ist bereits völlig anders, als in den meisten anderen, sehr persönlichen Todesanzeigen. "Wir kennen dich nicht" heißt es da. Und doch bewegt die Schüler eines Hagener Kollegs der Tod einer ihnen unbekannten Frau sehr. So sehr, dass sie in der Westfalenpost am 27. Januar eine Todesanzeige schalteten.

Nachruf in Hagen: Junge Frau starb nach Zwangs-OP

Die Umstände, wie die gerade einmal 17-Jährige ums Leben kam, scheinen furchtbar gewesen zu sein. Umstände, die man heute kaum mehr für möglich gehalten hätte. Und doch scheint es genau so passiert zu sein, wie in dem Nachruf beschrieben: "Du wurdest zwangssterilisiert, wie hunderte von Hagenern. Du starbst an den Folgen der OP", heißt es in der Anzeige weiter.

Video: Aus Nachlass von NS-Arzt: Überreste von Opfern beigesetzt

Spätestens wer sich die Geburtsdaten der Verstorbenen genauer anschaut, ahnt, wer für den furchtbaren Tod der jungen Frau verantwortlich sein könnte. Gerda Oberbeck, der der Nachruf gilt, starb bereits am 24. Juni 1939 im Alter von 17 Jahren. Sechs Jahre nachdem die Nationalsozialisten am 14. Juli 1933 das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" verabschiedet hatten. 

Wie es in dem Nachruf weiter heißt, wurde sie von der Polizei von der Arbeit abgeholt und ins allgemeine Krankenhaus Hagen gebracht. Die Sterilisation erfolgte gegen den Willen der damals 17-Jährigen. Rund 400.000 Menschen wurde im Nationalsozialismus zwangsweise sterilisiert. Nach einem Bericht des mdr waren es bereits Kleinigkeiten, weshalb Menschen während des NS-Regimes gezwungenermaßen sterilisiert wurden.

Allein in Hagen Hunderttausende unter Nazi-Regime Zwangssterilisiert 

Als "erbkrank" galt jeder, der zum Beispiel psychische Auffälligkeiten aufwies. Depressionen, Schizophrenie oder geistige Behinderungen gehörten dazu. Selbst wer schlechte Noten in der Schule bekam, galt als "Idiot" oder litt nach Auslegung der Nazis an "angeborenem Schwachsinn" - für die Nazis alles Gründe, um die Menschen daran zu hindern, Nachwuchs zu bekommen.

Wer sich weigerte der Sterilisation zuzustimmen, wurde gewaltsam von der Polizei dazu gezwungen. So wie Gerda Oberbeck. Ihr haben die Schüler des Projektkurses Geschichte des Rahel-Varnhagen-Koleg nun mit dem bewegenden Nachruf gedacht - und bekamen dafür viel positives Feedback.

Nachruf in Hagen sorgt für emotionale Kommentare bei Facebook

"Traurig und Gänsehaut, eine sehr berührende Idee", schreibt eine Userin unter den Post. Viele anderen warnen: "Das muss zum Nachdenken anregen!"und "Niemand darf vergessen sein". Neben vielen bewegten Kommentaren, die der Post erhielt, wurde der Nachruf inzwischen über 1000 mal geliked und über 3300 mal geteilt.

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