Notwehr oder Totschlag?

Nach tödlichen Schüssen auf bewaffneten Angreifer: Ermittlungen gegen jungen Polizisten eingeleitet

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Polizist erschießt Mann in Gelsenkirchen

Ein bewaffneter Mann griff im Januar zwei Polizisten in Gelsenkirchen an. Ein Beamter schoss - jetzt laufen gegen ihn Ermittlungen. War es Totschlag?

  • Ein 37-Jähriger soll Anfang Januar in Gelsenkirchen Polizisten angegriffen haben.
  • Einer der Beamten erschoss den Mann vor der Wache Süd.
  • Ein terroristisches Motiv der Tat konnte die Polizei bislang nicht finden, es laufen jetzt Ermittlungen gegen den Beamten, der die Schüsse abfeuerte.

Update, Donnerstag (16. Januar), 9.59 Uhr: Es ist weiterhin unklar, was genau am 5. Januar vor der Polizeiwache in Gelsenkirchen passierte. Ob es Notwehr oder doch Totschlag war, wird nun ermittelt. Das geht laut dpa aus einem vertraulichen Bericht an den Innenausschuss des NRW-Landtags hervor. Denn anders als zunächst berichtet, ist es nicht sicher, ob der Getötete tatsächlich "Alluh Akbar" rief.

Vorfall in Gelsenkirchen kein Anschlag

Nach aktuellem Ermittlungsstand hatte der 37-Jährige zunächst vor der Polizeiwache mit einem Stock auf einen geparkten Streifenwagen geschlagen. Der Polizeianwärter (23), gegen den nun ermittelt wird, und ein 41 Jahre alter Kollege sprachen den Mann an. Der Mann soll daraufhin mit dem Ast und einem Messer auf die Polizisten zugerannt sein. Der Polizeianwärter habe dann vier Schüsse abgegeben, die den Angreifer töteten.

Zunächst wurde der Angriff auf die Polizisten von den Ermittlern als Anschlag gewertet. Inzwischen scheint aber klar zu sein, dass der Getötete psychisch krank war. Zwar hätte bei dem Angreifer auch eine "islamische Grundhaltung" vorgelegen, Hinweise auf eine Radikalisierung oder Verbindungen zu islamistischen Gruppierungen gäbe es aber keine. Von einem Terroranschlag kann demnach nicht ausgegangen werden.

Update, Montag (6. Januar), 10.41 Uhr: In einem Pressestatement haben sich Staatsanwaltschaft und Polizei am Nachmittag zu den Geschehnissen in Gelsenkirchen geäußert. Vor der Polizeiwache Gelsenkirchen-Süd (Wildenbruchplatz) hatte ein Polizist am Sonntagabend (5. Januar) einen 37-jährigen Mann erschossen.

Gelsenkirchen: Mann schlägt auf Streifenwagen ein und bedroht Polizisten

Der soll laut Staatsanwaltschaft zuvor mit einem Knüppel auf einen geparkten Streifenwagen eingeschlagen haben. Danach habe er mit einem Messer bewaffnet zwei Polizisten bedroht. Dabei soll er "Allahu Akbar" ("Gott ist am größten") gerufen haben.

Wegen des Ausrufs des Mannes bewerteten die Polizisten den Angriff als Anschlag. Einer von ihnen schoss daraufhin viermal auf den 37-Jährigen und verletzte ihn tödlich. Ob der Mann die Beamten nur bedroht oder auch angegriffen hat, wird derzeit noch ermittelt.

Nach tödlichen Schüssen in Gelsenkirchen: Ermittlungen dauern an

Der Getötete ist polizeibekannt, unter anderem wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Außerdem liegen den Behörden laut Polizei Erkenntnisse über eine psychische Erkrankung des Mannes vor. Der Ermittlungen zu einem möglichen Motiv laufen noch.

Von einer terroristischen Tat wird trotz anders lautender Medienberichte derzeit nicht ausgegangen. Wegen des Ausrufs des Mannes sei solch ein Motiv zwar geprüft worden, der Verdachte habe sich aber nicht erhärtet.

Gelsenkirchen: Wenig Informationen nach tödlichen Schüssen

Update, Montag (6. Januar), 10.41 Uhr: Auch Stunden nach den Geschehnissen in Gelsenkirchen gibt es kaum offizielle Informationen. Fest steht bisher nur: Vor der Polizeiwache in Gelsenkirchen wurde am Sonntagabend (5. Januar) ein Mann von der Polizei erschossen. Er soll die Beamten zuvor mit einem Messer angegriffen haben. Derzeit werde geprüft, ob es sich um eine terroristische Tat handle, berichtet der WDR.

Die Ermittlungen in dem Fall hat die Polizei Münster übernommen. Diese wollte sich auf RUHR24-Anfrage nicht äußern und verweist auf die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Essen. Diese war auf Nachfrage aber ebenfalls nicht bereit, ein Statement abzugeben.

Gelsenkirchen: Polizist erschießt Mann vor Polizeiwache

Erstmeldung, Montag (6. Januar), 7.10 Uhr: In Gelsenkirchen hat am Sonntagabend ein Polizist einen 37-Jährigen erschossen. Dieser soll sich vor der Wache Süd den Beamten genähert haben. Zunächst habe der Mann mit einem Gegenstand auf einen Streifenwagen geschlagen, der vor der Wache geparkt war. Das sagte Christopher Grauwinkel, Sprecher der Polizei Gelsenkirchen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Anschließend sei der Mann nach ersten Erkenntnissen mit dem Gegenstand in der erhobenen Hand auf die Beamten zugegangen. Dabei sei den beiden Polizisten aufgefallen, dass der mutmaßliche Angreifer in der anderen Hand ein Messer getragen habe.

Polizei prüft nach Vorfall in Gelsenkirchen terroristischen Hintergrund

Nachdem der 37-Jährige auch nach mehreren Aufforderungen nicht stoppte, habe ein Kommissaranwärter (23) mindestens einmal auf den Mann geschossen. Dieser wurde tödlich getroffen.

Ermittler sicherten noch in der Nacht Spuren am Tatort. Nun ermittelt die Polizei Münster weiter in dem Fall. Laut Medienberichten wird auch ein terroristischer Hintergrund der Tat geprüft.

Zudem sucht die Polizei nun Zeugen, die den Mann vor der Tat beobachtet haben.

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