Ruhestörung hat Nachspiel

Gelsenkirchen: Brüllender Polizist aus Taktik ohne Maske im Einsatz – Video sorgt für Furore

Ein Video zeigt einen rüden Polizeieinsatz nach Ruhestörung in Gelsenkirchen.
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Ein rüder Polizist wird nach einem Einsatz in Gelsenkirchen heftig kritisiert.

Ein Einsatz der Polizei Gelsenkirchen sorgt in den sozialen Medien für heftige Kritik. Im Video brüllt ein Polizist eine Familie an.

Update, Dienstag (27. Oktober), 10.15 Uhr: Nach dem umstrittenen Polizeieinsatz in Gelsenkirchen, weist die Polizei in einer Pressemitteilung erneut darauf hin, das Polizisten im Dienst nicht der generellen Maskenpflicht unterliegen. Zwar sollten Polizisten ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und - wenn möglich - eine Maske tragen, eine Verpflichtung gebe es aber nicht.

Weiter heißt es, dass jeder Polizist aufgrund „einsatztaktischer Überlegungen“ darauf verzichten kann, einen Mund-Nasen-Schutz anzulegen. Entsprechende Überlegungen seien bei der Ruhestörung in Gelsenkirchen offenbar auch zum Tragen gekommen. In dem Schreiben der Polizei wird außerdem festgehalten, dass keine dienstrechtlichen Verstöße der Beamten in dem Video festzustellen seien.

Gelsenkirchen: Ruhrstörung sorgt für heftigen Polizeieinsatz

Erstmeldung, Montag (26. Oktober), 20 Uhr: Gelsenkirchen - Nach dem Derby Schalke 04 gegen BVB am Samstag (24. Oktober) wollte eine Familie aus Gelsenkirchen den Abend noch ausklingen lassen. Nachbarn fühlten sich jedoch vom Lärm gestört und riefen die Polizei. Die griff durch, wie ein privates Video zeigt. Zu hart, finden einige in den sozialen Medien. Die Polizei untersucht den Fall nun.

StadtGelsenkirchen
Fläche104,8 km²
Bevölkerung259.645 (2019)

Polizist brüllt auf Familie ein: Einsatz in Gelsenkirchen sorgt auf Facebook für Kritik

Das Video, das mittlerweile mehr als 1.600-mal geteilt wurde, beginnt mit einem Dauerklingeln an der Tür. Dann wird es schnell laut: „Guten Morgen, die Polizei ist da. Warum schon wieder?“, fragt einer der Beamten. „Weiß ich doch nicht“, sagt die Frau, die das Video hochgeladen hat. Nach ihren Angaben war die Polizei bereits zuvor wegen Ruhestörung gerufen worden, weil es Nachbarn zu laut war. Was bei dem ersten Einsatz passierte, ist bislang unklar. Kaum eine Stunde später folgt dann der zweite Einsatz an dem Haus in der Feldmark, der auch im Video zu sehen ist.

Der Polizist an der Tür ruft: „Hört das jetzt endlich auf? Wir wollen das jetzt nicht diskutieren. Entweder ihr kommt mit, oder ihr seid jetzt leise.“ „Wir spielen Karten“, sagt die Wohnungsbesitzerin hörbar irritiert. „Das interessiert mich nicht, was ihr tut, verstanden?“, brüllt der Polizist weiter. Die Frau bittet ihn mehrfach, nicht so zu schreien - erfolglos. „Ihr geht mir voll auf den Sack. Und zwar extremst auf den Sack“, ruft der Polizist im Wohnzimmer, nachdem er höflich hereingebeten wurde.

Einsatz in Gelsenkirchen: Polizisten werfen Freund und Vater aus der Wohnung

Dort wollen der rüde Beamte und seine zwei Kollegen anschließend den Mann und den Vater der Frau der Wohnung verweisen: „Wenn ihr nicht sofort verschwindet, pennt ihr bei uns!“, warnt der Beamte in dem Video. Während der Mann freiwillig zur Tür geht, schubst ein weiterer Beamter den Vater mit Zwang zur Tür. Er habe sich angeblich in der Küche bedienen wollen.

Im Gegensatz zu den Beamten tragen alle anderen Beteiligten Mundschutzmasken. Auch das kritisiert die von dem Einsatz betroffene Frau auf Facebook. Das skurrile: In NRW sind Einsatzkräfte in der Corona-Pandemie tatsächlich von der Maskenpflicht entbunden. Sie können also im Einsatz Masken tragen, sind dazu aber nicht verpflichtet. Eine Empfehlung der Polizei NRW zum Tragen von Masken gibt es jedoch.

Ein Mann wird bei einem Einsatz der Polizei Gelsenkirchen aus der Wohnung geschoben.

„Sollten sie noch einmal wiederkommen, dann gehts ins Gewahrsam“, droht der Polizist den Männern. Anschließend hört man ein Kind weinen, das offenbar durch den Einsatz der Polizisten geweckt wurde. Auch bei der Erklärung wird der Polizist noch mal laut. Beim nächsten Mal würde auch die Frau im Gewahrsam landen, droht der Beamte. Um die Kinder würde sich dann das Jugendamt kümmern. Mit der Bitte um Ruhe und einer knappen Entschuldigung verabschiedet sich der Beamte.

Polizei Gelsenkirchen bestätigt Einsätze und will den Fall untersuchen

Die Polizei Gelsenkirchen bestätigt beide Einsätze um Mitternacht und gegen kurz vor 1 Uhr. Auch das Video ist den Beamten bekannt. Der Einsatz werde nun nachbereitet, schrieb die Pressestelle am Montag (26. Oktober) dazu. „Das Video wird überprüft und auch, in welchem Zusammenhang man das einzuordnen hat“, sagte eine Sprecherin gegenüber RUHR24.de.

Dass die beiden Männer die Wohnung verlassen müssen, gehört hingegen zum Repertoire dessen, was die Polizei bei Einsätzen zur Ruhestörung anwenden darf. „Das waren Platzverweise“, sagt die Polizeisprecherin. Mehr könne die Polizei derzeit zu den Einsätzen nicht sagen. In den kommenden Tagen könnte es jedoch eine weitere Stellungnahme dazu geben. Generell gelte aber, dass polizeiliches Handeln einer rechtlichen Prüfung standhalten müssen (mehr aktuelle Nachrichten aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24.de).

Video: Wann ist Schluss? Lärm in der Wohnung

Video von Polizeieinsatz in Gelsenkirchen sorgt auf Facebook für Empörung

Das Video des Einsatzes hat am Montag in den sozialen Netzwerken schnell die Runde gemacht. Viele Kommentatoren zeigen sich schockiert und schlagen sich auf die Seite der Familie. Die Betroffene, die das Video öffentlich gemacht hat, sagte gegenüber der WAZ, dass sie jetzt einen Anwalt einschalten wolle.