Restaurants in der Krise

Bermudadreieck in Bochum: Kult-Kneipe kämpft ums Überleben - und geht drastischen Schritt

Das Bermudadreieck in Bochum in Zeiten des Coronavirus - nicht alle Bars haben wieder geöffnet.
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Das Bermudadreieck in Bochum in Zeiten des Coronavirus - nicht alle Bars haben wieder geöffnet.

Im Bermudadreieck in Bochum kämpft die Kult-Kneipe "Freibeuter" aufgrund der Coronavirus-Krise ums Überleben. Jetzt sendet sie eine traurige Botschaft.

  • Obwohl die Öffnung der Gastronomie in NRW trotz Coronavirus wieder erlaubt ist, öffnen nicht alle Bars und Kneipen.
  • Eine davon ist das Freibeuter im Bermudadreieck von Bochum.
  • Die Bar nennt einen bestimmten Grund, warum sie derzeit nicht aufmacht.

Bochum - Seit ein paar Wochen darf die Gastronomie in NRW wieder unter strengen Corona-Auflagen öffnen. Seitdem füllen sich Bars, Cafés und Restaurants im Ruhrgebiet mit den Ausgehhungrigen. 

Doch längst nicht alle Gastronomen wollen unter den aktuellen Umständen wieder aufmachen - etwa eine Kult-Bar im Bermudadreieck in Bochum,* wie RUHR24.de* erfuhr.

Name

Bermudadreieck

Adresse

Kortumstraße 2, 44787 Bochum

Ungefähre Entstehung

1980

"Wir könnten es nicht gut aushalten, einen neuen Sticker an unsere Tür kleben zu müssen, auf dem 'Superspreader' stünde", schreibt das "Freibeuter" in seinem Facebook-Auftritt am Sonntag (31. Mai).

Coronavirus/Bochum: Nicht alle Bars im Bermudadreieck öffnen

Für die Kneipe im Herzen des Bermudadreiecks zählt Nähe und das ein oder andere Promillchen zu viel im Blut der Besucher schlicht zum Geschäftsmodell. Da ist das Feiern mit Abstand und das Nüchternbleiben kontraproduktiv.

Erst kürzlich musste der Geschäftsführer des "Jago", nur wenige hundert Meter vom Bermudadreieck entfernt, entsprechende Erfahrungen machen. Nur zwei Tage nach Wiedereröffnung machte die Gaststätte ihre Pforten wieder dicht*. Das Fazit: Die Regeln sind ohne finanziellen Ruin nicht einzuhalten, die alkoholisierten Gäste nur schwer zu kontrollieren.

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Und weil das "Freibeuter" nicht in dieselbe Falle tappen möchte wie das "Jago", "haben wir schweren Herzens beschlossen, den Laden weiterhin vorerst nicht zu öffnen. Wir fahren weiter auf Sicht und hoffen mit euch auf dauerhaft stabile Zahlen und Zustände!", schreiben die Betreiber bei Facebook.

Trotz Coronavirus: Bis auf wenige Gastronomen haben viele Bars und Kneipen im Bermudadreieck in Bochum wieder geöffnet.

Unterdessen schrumpfen die finanziellen Reserven der Kult-Bar, die "Dublonen vom Staatsschatz", so das "Freibeuter", seien längst aufgebraucht. Jetzt ist also die Unterstützung der Gäste gefragt. Sie sollen sich mit Merchandise-Artikeln der Kneipe eindecken, um wieder Geld in die Kasse zu spülen. Spenden seien auch gerne gesehen.

Zuletzt nannte Christian Bickelbacher, einer der Gründer der Interessengemeinschaft Bermuda3Eck und Chef mehrerer Gaststätten im Dreieck, die Soforthilfen des Landes NRW "einen Tropfen auf den heißen Stein". Viele der Förderungen seien zudem noch gar nicht angekommen. Und wenn doch, seien sie ohnehin nur für kleine oder inhabergeführte Betriebe eine Hilfe.

Die Forderung von Bickelbacher: ein ernsthaftes Hilfspaket für die Gastronomen, etwa in Form von Zuschüssen in Höhe von zehn Prozent des letztjährigen Jahresumsatzes. Dann könnten die Betreiber wenigstens Miete und Versicherung zahlen.

Das Kurzarbeitergeld müsste zudem früher gezahlt und aufgestockt werden. Außerdem müsste es auch für Aushilfen wie Studenten gelten. "Und eigentlich müssten auch Mieten nachgelassen werden", sagt Bickelbacher.

Ganz ohne Einnahmen ist das "Freibeuter" derzeit allerdings nicht. Auch die Kneipe ist in der Not erfinderisch geworden und hat das "Freibüdchen" im Bermudadreieck eröffnet. Dort gibt es unter anderem Bier-Sixpacks "to go" zu kaufen oder "Mexikaner". Die Kosten für Miete und Co. dürfte aber auch dieser Notnagel nicht decken.

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Während das "Freibeuer" noch dicht hat, scheint sich das Bermudadreieck in den vergangenen warmen Tagen aber gut gefüllt zu haben. An manchen lauen Abenden wirkte die Partymeile fast so, wie in alten Zeiten - nur halt mit einem Hauch von Desinfektionsmittel.

Das Three Sixty etwa hat seine Außengastronomie erweitert, die Keimzelle des Bermudadreiecks, das Mandragora, hat vor wenigen Tagen ebenfalls seinen Biergarten wieder geöffnet.

Und was gibt es sonst Neues aus dem Bermudadreieck? Etwa eine Aktion von der Interessenvertretung, die jetzt das Parken günstiger macht. Erfreulicher Nebeneffekt trotz aller Klimadebatten wäre hier wohl: Zumindest der Fahrer bliebe nüchtern und würde die Corona-Abstände einhalten.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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