Symbolische Aktion

Guerilla-Aktion in Essen: Linksjugend will Politik-Legende zum Einsturz bringen

Die Bismarckstraße in Essen - hier ein Symbolbild aus Berlin - soll nach Wunsch der Linksjugend umbenannt werden.
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Die Bismarckstraße in Essen - hier ein Symbolbild aus Berlin - soll nach Wunsch der Linksjugend umbenannt werden.

Das Thema Rassismus ist derzeit in aller Munde. In Essen wollen jugendliche Linke nun ganze Orte umbenennen. Es geht um Otto von Bismarck.

  • In Essen gibt es derzeit Aufregung um eine Straße und eine U-Bahn-Station.
  • Die Orte sind benannt nach Otto von Bismarck.
  • Die Linksjugend in Essen verurteilt die Kolonialvergangenheit des ersten deutschen Reichskanzlers.

Essen - Allerspätestens seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd und den anschließenden "Black Lives Matter"-Protesten in vielen deutschen Städten ist das Thema Rassismus und Unterdrückung in aller Munde.

Name

Otto von Bismarck

Geboren

1. April 1815

Gestorben

30. Juli 1898

Essen: Linke wollen Otto von Bismarck verbannen

Die Linksjugend in Essen, der Jugendorganisation der Partei "Die Linke", nutzt die aktuelle Aufmerksamkeit für das Thema und fordert nun die Umbenennung einer Straße und einer U-Bahn-Station in Essen, die den Namen von einem der bekanntesten deutschen Politiker tragen: Otto von Bismarck.

Der ehemalige Reichskanzler, so die Kritik der Linksjugend, sei mitverantwortlich für die rücksichtslose Grenzziehung der afrikanischen Länder durch die Kolonialmächte. "Die Folge war die Ausbeutung der Ressourcen und die Entrechtung der dort lebenden Menschen", schreiben die Linken in einem aktuellen Facebook-Beitrag.

Bismarck hatte sich ursprünglich gegen jede Form von Kolonialismus ausgesprochen, 1882 dann aber doch dem Kolonialbesitz zugestimmt und damit den Startschuss für eine deutsche Kolonialpolitik gegeben. Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Neuguinea zählten in der Folge zu Schutzgebieten des Deutschen Reiches.

Otto von Bismarck bei Linksjugend in Essen unerwünscht

Bismarck ist jedoch auch für drei aus preußischer Sicht erfolgreiche Einigungskriege und die daraus resultierende Reichsgründung des Deutschen Reiches verantwortlich. Zudem ist er auch für eine Sozialgesetzgebung und eine europäische Friedensordnung eingetreten. Das lässt die Linksjugend außen vor, konzentriert sich nur auf die Kolonialvergangenheit Bismarcks - die in Deutschland durchaus kritisch gesehen wird.

Eine Statue von Otto von Bismarck wurde im Schleepark in Hamburg-Altona mit Farbe beworfen. In Essen hat man dagegen Straßen- und U-Bahnschilder "nur" überklebt.

"Eine Erhaltung des Namens 'Bismarckstraße' ehrt nicht nur einen Befürworter des Kolonialismus und steht damit für Ungerechtigkeit und Unterdrückung des afrikanischen Kontinents und schwarzer Menschen, er ehrt auch einen Anhänger der Monarchie, Antiliberalen und Feind der Sozialdemokratie", sind sich die Aktivisten sicher.

Linksjugend in Essen: Bismarckstraße und U-Bahn-Station soll umbenannt werden

Um dem Ganzen mehr Nachdruck zu verleihen, setzten die Linken am Montag (13. Juli) symbolisch ein Zeichen und benannten die Bismarckstraße, sowie die U-Bahn-Station "Bismarckplatz" in "Maharerostraße" um. Samuel Maharero führte den Aufstand in Namibia gegen die deutsche Schutztruppe.

Neu ist die Kritik an Bismarckstraßen oder entsprechenden Denkmälern nicht. In der aktuellen Debatte über Deutschlands historische Rolle als Kolonialmacht werden immer wieder Stimmen laut, die den Sturz der Bismarckdenkmäler und die Umbenennung von Bismarckstraßen fordern.

Aktuell wird ein großes Bismarck-Denkmal am Hamburger Hafen kontrovers diskutiert - soll es wirklich für Millionen saniert oder lieber gleich abgerissen werden? 

Ein Kommentar zur Rassismus-Debatte rund um die Mohren-Apotheke in Dortmund - den schwachsinnigen Argumenten fehlt es vor allen Dingen an einem. 

Video: Reinigung der Hamburger Bismarck-Statue in vollem Gange

Experten wie Jürgen Zimmer, Professor für Geschichte Afrikas an der Universität Hamburg, fordern einen Mittelweg: Die Erhaltung von Bismarckdenkmälern und Straßen als "Gedenkmäler".