"Ich antworte, wann es mir passt"

Essen: Eskalation im "Libanesen-Prozess" - Richterin lässt den Saal räumen

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Im Amtsgericht Essen eskalierte am Montag (6. Januar) der "Libanesen-Prozess"

Am dritten Verhandlungstag im "Libanesen-Prozess" in Essen hat es am Montag (6. Januar) einen Zwischenfall gegeben. Die Richterin ließ daraufhin den Saal räumen.

  • In Essen musste am Montag (6. Januar) das Amtsgericht von der Polizei geräumt werden.
  • Grund: Handgreiflichkeiten und Beleidigungen im sogenannten "Libanesen-Prozess".
  • Das pikante: Das Opfer sitzt derzeit selbst als Angeklagter in U-Haft.

Essen - Tumultartige Szenen spielten sich am Montag (6. Januar) vor dem Amtsgericht in Essen ab. Zu dem Zeitpunkt lief gerade der dritte Prozesstag im sogenannten "Libanesen-Prozess".

Essen: Richterin muss bei Prozessauftakt Saal räumen lassen

Der 18-jährige Mohamed R. wurde am 4. Juni vergangenen Jahres von acht Angreifern auf dem Schulhof einer Schule im Essener Stadtteil Altendorf verprügelt. Der mutmaßliche Grund für die Auseinandersetzung: Die Beziehung des 18-Jährigen zu einer jungen Frau aus der libanesisch-stämmigen Familie S. sollte geahndet werden.

Ob das Motiv jedoch stimmt, ist fraglich. Das Opfer soll am Montag (6. Januar) selbst angegeben haben, dass es nicht wisse, warum es verprügelt wurde. Vor dem Prozessauftakt am 6. Dezember hieß es noch, dass sich die beiden verfeindeten Familien außergerichtlich geeinigt hätten. Dabei soll auch Geld der Familie an das Opfer geflossen sein.

Mohamed R. zur Richterin: "Ich antworte dann, wenn es mir passt. Haben Sie Respekt!"

Aufgrund der undurchsichtigen Lage des Falls befragte Richterin auch das Prügelopfer Mohamed R. zu dem Vorfall und den Hintergründen der beiden Familien. Das Opfer habe auf die Fragen der Richterin jedoch eher respektlos reagiert.

So entgegnete Mohamed laut Der Westen auf eine harmlose Frage der Richterin: "Ich antworte dann, wenn es mir passt. Haben Sie das verstanden? Bleiben Sie am Boden. Haben Sie Respekt!" Auch in weiteren Gesprächen gab das Opfer patzige Antworten von sich.

Nach Handgreiflichkeiten und Beleidigungen: Richterin musste den Saal räumen lassen

Nur kurze Zeit später spitzte sich die Lage im Gerichtssaal offenbar zu. Worte wie "Lügner" und "Du Hund" warfen sich das Opfer und einem der Angeklagten um die Ohren. Einer der Zuschauer aus dem hinteren Teil des Raumes soll daraufhin den Angeklagten aufs übelste beleidigt haben. Die Worte sollen von dem Bruder des Opfers stammen.

Kurz darauf sei es zu tumultartigen Schubserien und Handgreiflichkeiten gekommen, berichtet Der Westen. Als Reaktion unterbrach die Richterin die Verhandlung, Wachtmeister führten den Bruder des Opfers in Handschellen nach draußen. Auch weitere Angehörige mussten das Gerichtsgebäude verlassen und wurden von der Polizei kontrolliert.

Trotz Video der Tat: Prügelopfer Mohamed R. soll bei der Polizei Essen gelogen haben 

Worauf Opfer Mohamed R. nicht eingehen wollte: Er hatte die Tat anfangs schlimmer dargestellt, als sie eigentlich war. Laut Notizen der Polizei soll das Opfer mit einem Seil stranguliert und mit einer Stange und einem Stein geschlagen worden sein.

Außerdem soll man ihm Geld aus der Tasche gestohlen haben. Die Aussagen stimmten aber offenbar nicht. Das Video der Tat und ein rechtsmedizinisches Gutachten zeigen demnach, dass es zu keiner Strangulation gekommen ist.

Im Mai 2020 beginnt der Prozess gegen einen Mann, der eine Person übel zugerichtet hat - ein Video zeigt die letzten Minuten des schrecklichen Verbrechens. Der Prozess findet am Landgericht in Bochum statt. Die Tat ereignete sich in Recklinghausen. 

Video: Schlägerei unter Clan-Mitgliedern in Essen

Das Opfer sitzt derzeit selbst in U-Haft: Er soll eine Frau zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben

Der 18-Jährige sitzt derzeit aber selbst in U-Haft. Ihm wird vorgeworfen, eine junge Frau mit Nacktbildern erpresst und so zu Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. Das soll auch das Motiv der Prügelei gewesen sein. Der Angeklagte soll zu der Schlägerei gerufen worden, weil "Mohamed R. wegen Nacktbildern eine Abreibung bekommen sollte". Am Donnerstag (9. Januar) wird der "Libanesen-Prozess" fortgesetzt.

In Dortmund kam es Anfang 2019 ebenfalls zu einer Eskalation mit einem Libanesen-Clan. Mitglieder der Bikergang Bandidos sollen einen 32-Jährigen aus dem Clan angegriffen haben. Daraufhin fielen in Dortmund-Eving Schüsse.

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