Neue Corona-Verordnung

Verwirrung um Corona-Regeln in Essen: Warum es keine Maskenpflicht in der City gibt

In Essen gilt auch nach den neuen Corona-Regeln für Dezember keine Maskenpflicht in der City. Doch warum geht die Ruhrgebietsstadt einen Sonderweg?

Essen - In Dortmund gibt es sie und auch in Bochum. Selbst in kleineren und weniger belebten Innenstädten wie in Witten gilt die Maskenpflicht. In Essen geht man jedoch einen anderen Weg: Selbst in der Fußgängerzone der Innenstadt besteht keine Maskenpflicht. Auch nicht nach Verabschiedung der neuen Coronaschutzverordnung vom 1. Dezember. Geht das gut?

StadtEssen
Einwohnerca. 590.000
OberbürgermeisterThomas Kufen

Corona-Regeln in NRW: Keine Maskenpflicht in der City von Essen

Essen und Dortmund – beide Ruhrgebietsstädte zählen rund um die 600.000 Einwohner. Sie sind also etwa gleich groß. Doch während in Essen aktuell knapp über 1200 Menschen (Stand 2. Dezember) mit dem Coronavirus infiziert sind, sind es in Dortmund rund 2.100 Fälle.

Tatsächlich sind in Essen also rund 1000 Menschen weniger positiv auf das Virus getestet, als in Dortmund. Reicht das, um auf eine Maskenpflicht in der Essener City zu verzichten? (Mehr News zur Corona-Pandemie in NRW)

Ob die geringeren Fallzahlen tatsächlich zu der Entscheidung beigetragen haben oder nicht, bleibt unklar. Fest steht allerdings: In Essen gibt es keine kompletten Zonen, in der die Maskenpflicht gilt.

Sie gilt nicht in der Innenstadt und auch in keinem anderen Stadtteil. Und auch nicht, nachdem zum 1. Dezember NRW eine neue Coronaschutzverordnung auferlegt wurde, die eine Maskenpflicht an belebten Stellen unter freiem Himmel vorsieht.

Mit der Regelung gehe die Stadt Essen schlicht „nicht über die in der Coronaschutzverordnung NRW vorgesehene Maskenpflicht hinaus“, heißt es auf Nachfrage von RUHR24.de.

Corona-Regeln in Essen: Freiwilligkeit statt Maskenpflicht

Stattdessen setzt die Stadt Essen in Sachen Maskenpflicht darauf, dass die Menschen in der Innenstadt freiwillig eine Maske tragen. Verpflichtend wird der Mund-Nasen-Schutz erst im direkten Umfeld der Geschäfte. Dort gilt, wie überall in NRW, eine Maskenpflicht.

Sobald man sich also im Eingangsbereich der Geschäfte aufhält, heißt es also auch in Essen: Maske auf. Das gilt auch für alle, die vor den Eingängen Schlange stehen. Denn die aktuelle Corona-Schutzverordnung sieht eine Maskenpflicht dort vor, wo Menschen zusammenstehen, wie beispielsweise in der Warteschlange vor Geschäften.

Doch so ganz vertraut auch Essen offenbar nicht auf den gesunden Menschenverstand. Und darauf, dass bei allen Passanten in Essen die Einsicht da ist, dass es zum Schutz aller Sinn ergibt, überall dort, wo im öffentlichen Raum viele Menschen aufeinander treffen, eine Maske zu tragen.

Und so stehen ab sofort auch in der City von Essen Schilder mit dem Hinweis, doch bitte eine Maske zu tragen. Auch auf dem Weg von Geschäft zu Geschäft. Denn in den Geschäften – wie auch im Nahverkehr – gilt in Essen wie auch in Dortmund und im Rest von NRW die Maskenpflicht.

Essen: Keine Maskenpflicht - doch NRW-Corona-Regeln gelten auch hier

Nur: Die Hinweise in Essen seien eine „dringende Empfehlung“, so der Oberbürgermeister Thomas Kufen in einer Pressemitteilung der Stadt. Kein Hinweis auf eine Verpflichtung. Doch warum sieht die Stadt Essen keine Notwendigkeit, aufgrund der Corona-Pandemie eine Maskenpflicht in der City wie in anderen Ruhrgebietsstädten auszusprechen?

„Bei einem Blick in unsere Fußgängerzone in der Innenstadt oder auch auf einigen Einkaufsstraßen in den Stadtteilen zeigt sich, dass viele Bürgerinnen und Bürger bereits während des gesamten Aufenthalts einen Mund-Nasen-Schutz tragen“, so Oberbürgermeister Thomas Kufen.

Kommentar

Sind die Essener tatsächlich umsichtiger, als die Menschen in anderen Ruhrgebietsstädten? Und tragen sie deshalb völlig freiwillig da eine Maske, wo es sein muss? Das wäre in einer Krise, wie wir sie derzeit erleben, ein gutes Zeichen – für Gemeinsinn und für Solidarität. Immerhin sprechen auch die Corona-Infektionszahlen der Stadt – im Vergleich zu anderen Städten wie Dortmund – für eine gewisse Umsicht der Essener. Wenngleich auch Essen weit von einer entspannten Corona-Lage entfernt ist.

Möglicherweise ist den meisten Passanten aber auch gar nicht bewusst, dass in Essen keine Maskenpflicht in der gesamten Fußgängerzone besteht. Vielleicht profitiert die Stadt davon, dass in den meisten Nachbarstädten eine Maskenpflicht gilt und die Menschen längst verinnerlicht haben, eine Maske zu tragen.

Zumindest einigen Besuchern, so wie den Dortmundern und Bochumern, dürfte das Tragen der Maske in der Fußgängerzone bereits als ein „Muss“ eingeprägt sein. Wahrscheinlich hat Essen also auch einfach ein wenig Glück. Glück, dass die Menschen das Tragen der Maske schon in anderen Städten und Situationen „gelernt“ haben. Und weil viele das „Maske-Tragen“ in der Öffentlichkeit längst verinnerlicht haben, kann sich auch eine Stadt wie Essen ohne Maskenpflicht-Zonen darauf verlassen, dass die Menschen trotzdem eine tragen.

Vielleicht ist es aber auch ganz einfach lästig, beim Shopping die Maske ständig auf und ab zusetzen, wenn in den Geschäften sowieso eine Maskenpflicht besteht.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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