Bergbau im Ruhrgebiet

Erdbeben häufen sich: Uni Bochum ist der Ursache für Erschütterungen in Hamm auf der Spur

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Ursache für Erdbeben: Bergbau im Ruhrgebiet

In Hamm könnten der Bergbau für die sich häufenden Erdbeben verantwortlich sein - obwohl die meisten Bergwerke im Ruhrgebiet längst geschlossen sind.

  • Forscher ergründen derzeit, wie Spätfolgen des Bergbaus im Ruhrgebiet für Erdbeben verantwortlich sind.
  • Die Ruhr-Uni Bochum überwacht Erschütterungen, die im Zusammenhang mit dem Steinkohlenbergbau stehen könnten.
  • Seit Mitte Oktober stellen die Forscher eine Zunahme der Erschütterungen im Raum Hamm fest.

Hamm/Ruhrgebiet - Immer wieder bebt die Erde im Ruhrgebiet - mal mehr, mal weniger. Das bisher stärkste Erdbeben in Hamm seit Betriebsende des dortigen Bergwerks registrierten Forscher und Bewohner am 13. November 2019 gegen 7.20 Uhr.  

Erdbeben im Ruhrgebiet: In Hamm ist der Bergbau verantwortlich

Es war das heftigste Erdbeben seit 2015. Eine seismische Station nahe Hamm verzeichnete an diesem Tag ein Beben der Magnitude 2.6. Für viele Anwohner in der Region dürfte das bereits für einen ordentlichen Schrecken gereicht haben.

An elf Standorten im Ruhrgebiet betreibt die Ruhr-Universität Bochum (RUB) seismische Messstationen. Dort werden Erschütterungen überwacht und gemessen, die im Zusammenhang mit dem Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet stehen. Eine davon ist die Messstation in Hamm - rund 1,5 Kilometer entfernt vom Epizentrum des Bebens am 13. November. 

Erdbeben häufen sich in Hamm

Seit Oktober 2019 fällt den Forschern eine Häufung der Erschütterungen auf: "Seit Mitte Oktober zeigt sich eine Zunahme der festgestellten Ereignisse. Die meisten davon waren allerdings sehr schwach und nicht spürbar", so Kasper Fischer, Leiter des Seismologischen Observatoriums an der Ruhr-Universität Bochum, gegenüber RUHR24.

Immer wieder werden in Hamm einzelne Erbeben registriert, die wohl dem Bergbau geschuldet sind - und das, obwohl das Bergwerk-Ost bereits seit 2010 die Produktion eingestellt hat. Die Beben scheinen eine Spätfolge des Steinkohlebergbaus zu sein. 

Ruhrgebiet: Erdbeben häufen sich

Wie genau der Zusammenhang zwischen früheren Bergbau und den derzeitigen Beben ist, wird aktuell von den Wissenschaftlern des Erdbebenzentrums an der Uni Bochum ergründet. Sicher ist bislang, dass es sich nicht um tektonische, also "natürliche" Erdbeben,  wie dieses Erdbeben der Stärke 4 in Italien, handelt, erklärt Fischer weiter. Was genau die Erdbeben jedoch auslöst, ist noch Gegenstand der Forschung.

Ob es an einem Anstieg des Grubenwassers liegt, dass sich die Erschütterungen in den vergangenen Wochen häuften? Zuletzt hatte der WDR berichtet, dass Experten der Ruhr-Uni Bochum den Anstieg des Grubenwassers als Ursache für die vermehrten Erdbeben in Betracht ziehen. Doch dieser Zusammenhang muss erst noch weiter erforscht werden. "An einer Spekulation über den Einfluss des Grubenwassers möchte ich mich nicht beteiligen", erklärt Kasper Fischer daher gegenüber RUHR24. 

Auch ob ähnliche Auswirkungen in anderen Ruhrgebietsstädten, zu erwarten sind, in denen in den früheren Jahrzehnten Bergbau betrieben wurde, ist noch nicht klar. Seit Betriebsschluss des letzten Bergwerks im Ruhrgebiet im vergangenen Jahr, plant die RAG das Grubenwasser ansteigen zu lassen. Durch die geplante Anhebung des Grubenwasserspiegels könnte es vermehrt zu Erdbeben im Ruhrgebiet kommen. Zumindest ist das eine Vermutung. 

Ein letztes Glückauf beim Schlussakt für den Steinkohlebergbau

Gegenüber der WAZ erklärte der Experte im vergangenen Jahr: "Durch den Anstieg des Wassers in den Schächten ändert sich der Porendruck im Gestein, da es in alle Hohlräume und Risse einsickert. Dadurch sind Bewegungen möglich."

Erdbeben im Ruhrgebiet durch steigendes Grubenwasser?

Kleine Bewegungen im Erdreich? Mikrobeben nennen sie die Wissenschaft. Und die gibt es im Ruhrgebiet bereits zu Genüge. Allein ein Blick auf die von der RUB aufgezeichneten Erschütterungen in 2019 lassen das erahnen. Die reichen von Beben mit der Magnitude 1.3 in Bergkamen im Juni 2019 bis hin zu dem heftigeren Erdbeben der Magnitude 2.6 in Hamm im November. Dazwischen liegen zahlreiche andere Beben in Dorsten, Bottrop und - immer wieder - Hamm.

Dabei sind Erdbeben zwischen einer Magnitude von 2 bis 3 für den Menschen eigentlich kaum spürbar. Allerdings würde das nicht für so flache Erdbeben gelten wie die, die durch die Spätfolgen des Bergbaus ausgelöst werden, erklärt Geowissenschaftler Jens Skapski auf seiner Homepage erdbebennews.de. 

Diese Erdbeben, die so geringen Tiefen entspringen, seien mitunter sogar unter einer Magnitude von 2 zu spüren. Auch Skapski studierte sein Fach an der RUB.

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