Pilotprojekt startet

Kohlmeisen sollen die Plage der Eichenprozessionspinner im Jahr 2020 bekämpfen - so funktioniert die Falle

Nistkästen sollen Kohlmeisen anlocken - die wiederum die Larven des Eichenprozessionsspinners fressen könnten.
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Nistkästen sollen Kohlmeisen anlocken - die wiederum die Larven des Eichenprozessionsspinners fressen könnten.

Im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner startet im Ruhrgebiet ein Pilotprojekt: Kohlmeisen sollen 2020 die Plage bekämpfen. Erste Tests machen Hoffnung.

  • Im Ruhrgebiet bereitet man sich vorzeitig auf den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner vor.
  • An einer Landesstraße startet ein Pilotprojekt mit Kohlmeisen.
  • Doch das ist nicht die einzige Maßnahme, die im Kampf gegen die gefährlichen Raupen ergriffen wird.

Bochum - Das Coronavirus hat die Erinnerungen an den Eichenprozessionsspinner und die Leiden des vergangenen Jahres bei vielen Menschen in NRW vielleicht verdrängt - doch die Raupen mit den brennenden Haaren sind natürlich nicht ausgestorben. 

Der Kampf gegen das Insekt geht natürlich auch in 2020 weiter - schlimmstenfalls erwartet uns erneut eine Eichenprozessionsspinner-Plage*. Im Ruhrgebiet will man das mit einer kreativen Idee verhindern: Kohlmeisen als "Eichenprozessionsspinner-Polizei".

Ruhrgebiet: Straßen.NRW startet Pilotprojekt gegen Eichenprozessionsspinner

Ab Montag (20. April) etwa beginnt die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Ruhr laut Informationen von RUHR24.de* mit Maßnahmen gegen die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners. Die Raupen der Mottenart sind bereits geschlüpft. Die für den Menschen gefährlichen Brennhaare sind allerdings noch nicht entwickelt worden. Diesen Zeitpunkt wollen die Insektenbekämpfer ausnutzen.

Eine zentrale Rolle wird in diesem Jahr der Kohlmeise und weiteren kleinen Meisenarten zugewiesen. Die possierlichen, einheimischen Vögel sollen den Menschen dabei helfen, die Plage zu verringern. 

NRW: Kohlmeisen sollen Raupen des Eichenprozessionsspinners fressen

So startet an einer Landesstraße im Ruhrgebiet - der Bottroper Straße/L623 - zwischen Herten und Recklinghausen ein Pilotprojekt für den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner. 300 spechtsichere Nistkästen für Kohlmeisen sollen dort an Eichen gehängt werden. Sie sollen die Vögel anlocken, weil sie als natürliche Fressfeinde der Eichenprozessionsspinner gelten.

Nistkästen sollen Kohlmeisen anlocken - die wiederum die Larven des Eichenprozessionsspinners fressen könnten.

Hoffnung auf einen Erfolg der Maßnahme ist nicht unbegründet. "Erste derartige Versuche in der niederländischen Kleinstadt Groesbeek im vergangenen Jahr waren sehr erfolgsversprechend", heißt es von Straßen.NRW.

Ruhrgebiet: Biozid soll Entwicklung des Eichenprozessionsspinners verhindern

Neben den Kohlmeisen setzen die Insektenbekämpfer in den kommenden zwei Wochen entlang von Radwegen und an Mitfahrerparkplätzen auf ein Biozid. Dabei handelt es sich um das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis, das von den Raupen beim Fressen der Blätter aufgenommen wird. "Das Bakterium ist für Menschen sowie andere Säugetiere, Vögel, Amphibien und Bienen ungefährlich", versichert Straßen.NRW.

Umweltverbände wie der BUND dagegen sehen den Einsatz von Bioziden skeptisch. Er sei immer mit weiteren Umweltschäden verbunden, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands aus dem Jahr 2019. Möglich seien etwa indirekte Auswirkungen auf Vögel oder Fledermäuse, die Raupen fressen würden, die Biozide in sich hätten.

Durch den frühen Einsatz des Biozids soll verhindert werden, dass die Eichenprozessionsspinner auch in Dortmund* ihre gefährlichen Brennhaare entwickeln und an Orten verbreiten, an denen Menschen mit ihnen in Berührung kommen können. Die Brennhaare verursachen beim Menschen Reizungen der Haut sowie der Atemwege.

Zudem schone der frühe Einsatz des Spritzmittels andere Schmetterlings- und Falterarten, deren Raupen in der Regel erst einige Wochen später schlüpfen.

Video: Raupen-Alarm – Warum Eichenprozessionsspinner so gefährlich sind

Hintergrund für die vorzeitigen Maßnahmen ist die Belastung der Straßen.NRW-Mitarbeiter im vergangenen Jahr. Als Mittel der Wahl wurden die Raupen des Eichenprozessionsspinner in 2019 vorwiegend aufwendig abgesammelt und abgesaugt. "Dies war sehr zeit- und kostenintensiv und extrem belastend für die eingesetzten Mitarbeiter", erinnern sich die Straßen.NRW-Verantwortlichen an den stressigen Sommer 2019.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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