Kommentar

Wie frech! Oberbürgermeister aus Düsseldorf schießt gegen Ruhrgebietsstadt

Kultur in Essen: Grillo-Theater, Zeche Zollverein, Villa Hügel
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Kultur in Essen: Grillo-Theater, Zeche Zollverein, Villa Hügel.

Thomas Geisel fehlt Kultur und Kulinarik im Ruhrgebiet. Der Oberbürgermeister aus Düsseldorf schießt gegen Essen. Das ist Kokolores, findet unsere Redakteurin. 

  • Thomas Geisel ist seit 2014 Oberbürgermeister in Düsseldorf.
  • Bei den Wahlen im September 2020 will sich Geisel erneut zur Wahl für das Amt des Oberbürgermeisters stellen.
  • Vor seinem Umzug nach Düsseldorf lebte er viele Jahre in einer der größten Ruhrgebietsstädte.

Düsseldorf - Es sei eine "Liebeserklärung an Düsseldorf". So steht es zumindest hinten auf dem Einband des gerade erst erschienenen Buches von Thomas Geisel, "Düsseldorf persönlich". Für das Ruhrgebiet - oder seine zweitgrößte Stadt - hat der OB einer Passage in diesem Buch nach zu urteilen, aber nicht viel über.

Düsseldorf oder Essen: Eine Charakterfrage

Ein Oberbürgermeister, der seine eigene Stadt mag und gerne in ihr lebt? Keine Frage: Genau so sollte es sein. Doch die Spitze, die sich der OB gegen seine alte Wahlheimat Essen in dem Buch erlaubt, hätt' er sich auch einfach sparen können

Thomas Geisel (56) von der SPD ist Oberbürgermeister in Düsseldorf - und will es scheinbar um jeden Preis auch bleiben. 2020 stellt er sich zur Wiederwahl für das Amt. Da passt es gut, dass er wenige Monate vor der Wahl eine schöne Liebeserklärung an seine Stadt loswird. 

Aber kann er die nur Aufwerten, indem er eine andere Stadt abwertet? Um genau zu sein: Essen, die zweitgrößte Stadt des Ruhrgebiets soll nicht so viel zu bieten haben wie Düsseldorf?

Düsseldorf: Mehr Kultur als im Ruhrgebiet?

Doch ob Essen, Bochum oder Dortmund. Im ganzen Ruhrgebiet fragt man sich nun: wozu die Spitze gegen die Metropole des Ruhrgebiets? Oder auch. "Geisel, kannse Düsseldorf nich schön finden, ohne gegens Ruhrgebiet zu pöbeln?" Denn gegen seine alte Wahlheimat teilt der OB so ganz nebenbei ordentlich aus.

Dabei lebte Thomas Geisel ganze 13 Jahre in Essen. Von 2000 bis zu seinem Umzug nach Düsseldorf im Jahr 2013. Damals war er bei der Ruhrgas AG beschäftigt. Doch wie es scheint, hat er die Ruhrgebietsstadt trotz all der Jahre, die er dort lebte, nie schätzen gelernt. Zumindest kulturelle und kulinarische Infrastruktur fand er in Essen wohl nicht zu genüge.

Zumindest kann man beim Lesen einiger Zeilen in seinem nun erschienenen Buch geradezu hören, wie Thomas Geisel erleichtert aufatmete, als er nach Düsseldorf umzog. Düsseldorf! Endlich! Nach all dem tristen Grau im Kohlenpott, wo die Sonne noch verstaubt! 

Endlich Düsseldorf! Endlich raus aus dem Ruhrgebiet!

Wörtlich schildert er den Umzug von Essen nach Düsseldorf laut Bild in seinem Buch "Düsseldorf persönlich" so: "Was für ein Lebensgefühl, auf einmal wieder in einer Großstadt zu leben mit einer kulturellen und kulinarischen Infrastruktur, die es in der Tat rechtfertigt, von einer Metropole zu sprechen."

Essen ist also keine Stadt, bei der man von einer Metropole sprechen kann? Eine Stadt, der es womöglich sogar an Kultur und Kulinarik fehlt? Die Bild ließ dazu den Oberbürgermeister von Essen, Thomas Kufen (46, CDU) zu Wort kommen. Der gibt sich selbstbewusst: "Im Ruhrgebiet gibt es Kultur, Kulinarik und Kumpel. Diese Mischung gibt es nur an der Ruhr." Richtig so!

Erkannt hat Geisel diese einmalige Mischung aber wohl nicht. Schade eigentlich. 

Dieser Kommentar entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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