Tierschützer sind entsetzt

Tierquälerei in NRW: Schäfer lässt Lämmer bitterlich erfrieren – Polizei schaltet sich ein

Ein Schafhalter aus Castrop-Rauxel soll seine Tiere so schlecht behandelt haben, dass diese gestorben sind. Tierschützer aus Dortmund sind entsetzt. Jetzt ermittelt die Polizei Dortmund.

Update, Montag (15. Februar), 20.14 Uhr: Dortmund/Castrop-Rauxel – Die schlimme Befürchtung der Tierschützer aus Dortmund hat sich offenbar bewahrheitet: Am Wochenende fand ein Zeuge ein totes Schaf sowie zwei tote Lämmer in einem Stall des Schafhalters in Dortmund-Oespel. Jetzt ermittelt auch die Polizei in dem Fall.

StadtCastrop-Rauxel
Einwohner75.300 (2020)
BürgermeisterRajko Kravanja (SPD)

Tote Schafe im Ruhrgebiet: Polizei Dortmund ermittelt gegen Schafhalter

Der Anblick der Tiere sei grauenvoll gewesen, berichten Mitglieder von „Arche90“ aus Dortmund. Der Mann, dem das Muttertier und die zwei Lämmer gehören, soll sie wie Müll weggeworfen haben. Die Schafe seien bereits gefroren gewesen, als ein Zeuge sie fand. Nachdem die Tierschützer erneut das Veterinäramt informiert hatten, riefen sie auch die Polizei.

Die teilt am Montag mit, dass es den Verdacht gebe, dass die Tiere erfroren oder verhungert und anschließend in der Mülltonne entsorgt worden seien. „Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, schreibt die Polizei Dortmund in einer Pressemitteilung. Der Halter sei den Beamten bereits bekannt.

Wer in NRW Nutztiere wie Schafe halten will, muss diese laut dem Tierschutzgesetz artgerecht halten, füttern, pflegen und unterbringen. Verstößt jemand regelmäßig grob gegen das Tierschutzgesetz, kann ein Gericht nach Prüfung durch das Veterinäramt jedoch ein Tierhalteverbot aussprechen.

Drama um Lämmer in Castrop-Rauxel: Tierschützer aus Dortmund greifen ein

Erstmeldung, Donnerstag (11. Februar), 21 Uhr: Kleine Lämmer mit wenig Fell, die zitternd auf einer zugeschneiten Weide stehen: Es ist ein schlimmes Bild, das die Herde eines Schäfers aus Castrop-Rauxel laut Tierschützern derzeit abgibt. Der Verein „Arche90“ aus Dortmund versucht nun verzweifelt, die neugeborenen Tiere zu retten.

Bereits am Sonntag (6. Februar) berichten die Tierschützer von „Arche90“ aus Dortmund über „halb erfrorene und fast verhungerte“ Lämmer, die sie auf einer Weide in Castrop-Rauxel entdeckt haben. Weil sie dort bereits im Frühjahr 2020 tote und kranke Tiere gefunden hatten, behalten die Tierretter um Gaby Beyer die Situation weiter im Blick.

Die Tierschützer aus Dortmund haben die Lämmer gerettet.

Denn schon länger soll der Schafhalter seine rund 50 Tiere nicht artgerecht halten. Durch den Winter-Einbruch in NRW wird die Lage für die schutzlos auf der Weide gehaltenen Tiere zunehmende dramatisch. Denn wenn sie nicht in einen Stall gebracht werden, sind die neugeborenen Tiere dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Die Lämmer haben noch kein ausreichend dichtes Fell, das sie vor Minusgraden schützt.

Castrop-Rauxel: Schafhalter gibt Tierschützern aus Dortmund halbtote Lämmer

Trauriger Höhepunkt der Hilfsaktion: „Der Schäfer übergab uns zwei halbtote Lämmer, übereinander gestapelt in einem Eimer“, berichtet „Arche90“. „Mein erster Gedanke war: Die Tiere haben keine Überlebens-Chance“, sagt Gabi Bayer, die beim Einsatz am Sonntag (7. Februar) vor Ort war. Die Tiere seien abgemagert, stark dehydriert und völlig unterkühlt gewesen.

Eine Tierärztin in Waltrop kümmerte sich sofort um die kleinen Schafe, päppelte sie mit Infusionen wieder auf. Ein befreundeter Schäfer wird sie jetzt groß ziehen. Doch die anderen Schafe stehen weiter auf Weiden in Castrop-Rauxel und in Dortmund-Mengede.

Lämmer in Castrop-Rauxel gerettet: „Arche 90“ spricht von „schrecklichem Bild“

Die Tierschützer aus Dortmund sprechen von einem „schrecklichen Bild“, das die Herde abgibt. Denn einige der Schafe sind bereits trächtig, können jederzeit Junge bekommen. „Kommt ein Lamm bei diesen Minusgraden auf die Welt, überlebt es nicht lang“, erklärt „Arche90“-Mitglied Gabi Bayer.

Die Tierretter haben bereits mehrfach das Veterinäramt eingeschaltet, auch eine Amtsärztin sei vor Ort gewesen. Sie habe den Schafhalter angewiesen, die Mutterschafe und die sechs Lämmer in einen Stall zu bringen. Ob der Schäfer das auch getan hat, ist unklar. Zumindest ein weiteres Neugeborenes und seine Mutter habe er abtransportiert.

Schafhalter aus Castrop-Rauxel ist bereits bekannt - Veterinäramt in Dortmund ist informiert

Bei der Stadt Castrop-Rauxel ist der Fall bekannt. „Wir haben Hinweise bekommen und diese an das Veterinäramt des Kreises Recklinghausen weitergegeben“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von RUHR24. Auch dort hat man den Schäfer im Blick, der in der Gegend einen Stall für die Tiere hat. Es habe bereits unangekündigte Kontrollen des Amtstierarztes gegeben, sagt Sprecherin Lena Heimers. „Auf Castrop-Rauxeler Gebiet konnten wir jedoch bislang keine Verstöße feststellen“, sagt sie.

Doch auch auf Weiden in Dortmund hält der Mann seine Tiere. Hier sieht man die Haltung der Schafe und Lämmer kritisch. „Es finden engmaschige Kontrollen statt“, sagt Maximilian Löchter, Sprecher der Stadt Dortmund. Der Schäfer sei per Ordnungsverfügung bereits im November dazu verpflichtet worden, „hochträchtige Schafe für die Lammzeit in einem Stall unterzubringen, oder für die Tiere draußen eine Schutzvorrichtung zur Geburt einzurichten“. Hält er sich nicht daran, müsse er mit einem Zwangsgeld rechnen.

Zudem muss der Schafhalter seine Herde mehrfach täglich kontrollieren und einzelne zu früh gebärende Mutterschafe und deren Lämmer innerhalb von drei Stunden in den Stall bringen. Einen solchen soll der Schäfer mittlerweile auch in Dortmund haben. Alle Schafe dort unterzubringen sei jedoch nicht verhältnismäßig, meint das Veterinäramt Dortmund. „Sofern die Schneedecke nur locker ist, können sich die Schafe noch mit Grünfutter unter der Schneedecke versorgen.“ Zudem habe der Schäfer am Montag (8. Februar) für Futter gesorgt.

Dortmund: Auch Hütehund des Schäfers soll untersucht werden

Bei den zwei Lämmern, die er der „Arche 90“ übergeben hatte, soll es sich laut der Stadt Dortmund um Tiere handeln, die von ihrer Mutter verstoßen wurden. Das könne passieren, wenn Schafe keine Milch geben können oder ihre Neugeborenen verstoßen. Auch der lahmende Hütehund soll noch vom Veterinäramt untersucht werden.

Die Tierschützer aus Dortmund wollen sich das Leid der Schafe jedoch nicht länger mitansehen. Sie planen jetzt unter anderem, Politiker über die Missstände zu informieren. Um zumindest den Hunger der rund 50 Schafe zu lindern, hatte eine Nachbarin bereits am Sonntag einen Heuballen spendiert. Lange reicht der jedoch nicht. Und beim Wetter ist eine schnelle Besserung nicht in Sicht: Die Minusgrade sollen noch bis zum Wochenende anhalten.

Rubriklistenbild: © Thomas Frey/dpa, Arche90; Collage: RUHR24