Covid-19-Pandemie lässt Träume platzen

Corona-Aus für Cranger Kirmes: Sonderpläne für 2021? Wie es mit dem Mega-Volksfest jetzt weitergeht

Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda muss die Cranger Kirmes aufgrund des Coronavirus absagen.
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Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda muss die Cranger Kirmes aufgrund des Coronavirus absagen.

Die Cranger Kirmes, das größte Volksfest in NRW, ist abgesagt. Wie geht es nun weiter und wie realistisch sind Sonder-Pläne für 2021?

  • Die Cranger Kirmes fällt in diesem Jahr wegen des Coronavirus aus.
  • Für die Stadt Herne war die Absage eine schwere Entscheidung.
  • Jetzt geht der Blick auf das Volksfest im Jahr 2021 - gibt es etwa Pläne für eine Ausweitung des Rummels?

Herne - Cranger Kirmes, das ist für den gemeinen Wanne-Eickeler, wie für den Rheinländer der Karneval: eine fünfte Jahreszeit. Wer verstehen will, wie schwer der Ausfall des größten Volksfestes in NRW aufgrund der Coronavirus-Pandemie wiegt, der sollte in den Terminkalender der Menschen in Herne schauen. Nicht wenige haben die elf Tage im August rot markiert.

Cranger Kirmes 2020: Absage wegen des Coronavirus

Nicht ganz ungerechtfertigt spricht Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda (SPD) also von "einer der schwersten Entscheidungen, die ich bisher in meiner Amtszeit treffen musste". Immerhin ist die Cranger Kirmes das Aushängeschild der Stadt schlecht hin und eine wichtige Einnahmequelle. Rund vier Millionen Menschen strömen Jahr für Jahr auf das Kirmesgelände am Rhein-Herne-Kanal.

Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda muss die Cranger Kirmes aufgrund des Coronavirus absagen.

Dass es in 2020 nicht der Fall sein wird, können sich viele eingefleischte Kirmes-Fans kaum vorstellen. 1945 fand die Cranger Kirmes letztmals nicht statt.

Cranger Kirmes: Verschiebung wegen Coronavirus stand zur Debatte

Um das Horror-Szenario für die Ruhrgebietsstadt zu vermeiden, schmiedeten die Organisatoren in ihrer Verzweiflung wahnwitzige Pläne. Plötzlich stand eine Verschiebung der Cranger Kirmes in den Herbst im Raum.

Doch nach Gesprächen mit den Machern des Münchner Oktoberfests, der Cannstatter Wasen (Stuttgart) und der Rheinkirmes in Düsseldorf stand auch in Herne fest: Ein Mega-Volksfest wie die Cranger Kirmes kann es 2020 nicht geben.

"Auf der Cranger Kirmes sollen sich die Menschen unbeschwert und sicher vergnügen", lässt sich der Oberbürgermeister von Herne in einer Pressemitteilung von Montag zitieren. Das Risiko, das in Zeiten der Corona-Pandemie für Menschen Gesundheitsgefahren von der Kirmes ausgehen, könnten Schausteller, Ordnungsbehörden und Veranstalter nicht eingehen.

Video: Hinter den Kulissen: So hart müssen die Schausteller auf dem Rummel arbeiten

Beim Herner Stadtmarketing befürchte man sogar einen Image-Schaden für das bekannte Volksfest, würde man es "auf Biegen und Brechen" durchführen. "Eine solche Cranger Kirmes hätte den Menschen nur einen Bruchteil der Lebensfreude vermittelt und letztlich vielleicht sogar die starke Marke Cranger Kirmes beschädigen können", sagt Holger Wennrich, Geschäftsführer der Stadtmarketing Herne GmbH.

Cranger Kirmes 2021: "Umso unbeschwerter feiern"

Nun wolle die Stadt laut OB Frank Dudda "die Köpfe nicht hängen" lassen und die fünfte Herner Jahreszeit in 2021 "umso unbeschwerter feiern." Apropos 2021 - gibt es im kommenden Jahr etwa eine doppelt so großer Cranger Kirmes, um die Einnahmeausfälle der Schausteller zu kompensieren? Immerhin will die Stadt für Karussellbetreiber und Co. nicht näher benannte "Brückenprojekte" anbieten.

Auf Anfrage bei der Stadt Herne heißt es nur so viel: "Was eine Verlängerung der Cranger Kirmes betrifft, gibt es mehrere Faktoren, die man beachten muss", so eine Sprecherin gegenüber RUHR24. Da seien zum einen die Kalender der Schausteller, zum anderen aber auch mögliche Beschwerden von Anwohnern. "Für sie ist es auch eine schwere Zeit", sagt eine Sprecherin, die betont, dass für 2021 noch keine Entscheidung getroffen sei.

Nur so viel: Die Stadt Herne wolle den Schaustellern entgegenkommen, damit sie in diesem Jahr nicht völlig ohne Einnahmequelle dastehen und Pleite gehen.

Aus für Cranger Kirmes: Schausteller wollen wegen Corona Soforthilfen

Unterdessen macht sich Schausteller-Präsident Albert Ritter für Hilfen aus öffentlichen Geldern stark. 5000 Schaustellerfamilien, so heißt es vom Deutschen Schaustellerbund, seien von der Corona-Krise "ins Mark" getroffen worden. Ihre letzten Einnahmen konnten viele auf den Weihnachtsmärkten im Dezember vergangenen Jahres erzielen. Die Kassen sind also leer, die Existenzen von 55.000 Arbeitskräften in dem Sektor bedroht.

Der Bund indes hat auf einer Sonder-Wirtschaftskonferenz zu den Folgen der Corona-Krise bereits die Bereitschaft signalisiert, weitergehende Hilfen für Schausteller bereitzustellen.

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