Covid-19-Zahlen steigen

Gleich mehrere Gründe: Warum das Ruhrgebiet zum neuen Corona-Hotspot wurde

Die Covid-19-Zahlen steigen stark an. Das Ruhrgebiet ist im August plötzlich zum Coronavirus-Hotspot in Deutschland geworden. Aber warum eigentlich?

  • Mehrere Städte im Ruhrgebiet haben im August plötzlich deutschlandweit die höchsten Corona-Zahlen.
  • Allein vier Städte, darunter Bochum, waren Mitte August zwischenzeitlich unter den Top 5.
  • Für die steigenden Zahlen gibt es eine mögliche Erklärung.

Bochum - Das Ruhrgebiet scheint im August ein Hotspo t für Corona-Neuinfektionen zu sein. Gleich vier Städte befanden sich im deutschlandweiten Ranking Mitte des Monats (Stand: 14. August) zwischenzeitlich unter den Top 5. Nur Dingolfing-Landau in Bayern hatte zu diesem Zeitpunkt mehr Neuinfizierte je 100.000 Einwohner in sieben Tagen (90,4) als diese vier Städte im Pott:

Stadt

Neuinfektionen je 100.000 Einwohner (7 Tage)

Bochum

30,4

Hagen

28,6

Unna

27,4

Duisburg

26,7

Corona-Hotspot Ruhrgebiet: Viele Neuinfektionen auch in Herne, Dortmund und Gelsenkirchen

Die Zahlen beruhen auf Angaben der Wochenzeitung Die Zeit, die ihren Daten mehrmals am Tag bei den entsprechenden Gesundheitsämtern abruft und aktualisiert. Etwas verzögert übermittelt das Robert Koch-Institut (RKI) seine Zahlen. Hier tauchte am Donnerstag (13. August) auch die Stadt Herne mit 30,7 Corona-Fällen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen auf. 

Unter den Top 15 in Deutschland befanden sich in selbiger Kategorie zudem mit Dortmund (20,4) – immer mehr junge Menschen erkranken am Coronavirus – und Gelsenkirchen (19,6) zwei weitere Revier-Städte.

Corona-Hotspot Ruhrgebiet: Viele Neuinfizierte in Bochum

In Bochum hat man am Mittwoch (12. August) aufgrund der alarmierenden Zahlen sogar eine Krisensitzung einberufen. Zur Erinnerung: Ab 50 Neuinfizierten je 100.000 Einwohnern in sieben Tagen würde wahrscheinlich ein Lockdown folgen.

Unter den am Mittwoch 29 Neuinfizierten seien allein zehn Reiserückkehrer, teilte die Stadt Bochum mit. 15 der 29 Corona-Infizierten seien innerhalb mehrerer Familien aufgeteilt.

Die Stadt Bochum zeigt sich aufgrund der steigenden Corona-Zahlen alarmiert und appelliert an die Bürger, die Hygieneregeln einzuhalten. "Verzichten Sie darauf, an Veranstaltungen mit vielen Menschen teilzunehmen. Selbst die Gartenparty mit Freunden kann schon zu einer Verbreitung des Virus führen", wird Krisenstabsleiter Sebastian Kopietz in einer Pressemitteilung zitiert.

Coronavirus: Anstieg der Zahlen im Ruhrgebiet 

Anders als im bayrischen Landkreis Dingolfing-Landau, wo es zuletzt in einer Konservenfabrik einen Corona-Ausbruch gab, gibt es im Ruhrgebiet aktuell keine nennenswerten Großausbrüche. Woran liegt es also, dass die Zahlen gerade in Bochum, Duisburg und Co. aktuell hochschnellen?

Das Robert Koch-Institut um Lothar Wieler ist besorgt um die aktuellen Corona-Zahlen - die gerade im Ruhrgebiet drastisch steigen.

Ein möglicher Erklärungsansatz könnte in den aktuell vermehrt aus dem Urlaub zurückkehrenden Menschen im Ruhrgebiet liegen. Auch das Robert Koch-Institut stellte in seinem Lagebericht am Donnerstag (13. August) fest, "dass COVID-19-Fälle zunehmend unter Einreisenden identifiziert werden."

Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, kommt aktuell in den "Genuss" eines Gratis-Coronatests - etwa direkt am Flughafen. Das Besondere am Revier: Gerade im Ruhrgebiet leben überdurchschnittlich viele Menschen, die Wurzeln in Risikogebieten haben - etwa in der Türkei, in Rumänien oder Bulgarien.

Coronavirus im Ruhrgebiet: Reiserückkehrer können sich testen lassen

Auch Reiserückkehrer aus Nichtrisikogebieten können sich derzeit auf das Coronavirus testen lassen, müssen aber selbst zahlen. Es finden also zumindest an den Flughäfen rund um das Ruhrgebiet mehr Tests statt als noch vor ein paar Wochen. 

Duisburg hat sogar zwei weitere "Corona-Test-Straßen" eröffnet, weil es eine erhöhte Nachfrage vieler Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten gab. 

Corona-Hotspot Ruhrgebiet: Ende der Sommerferien könnte Grund für Anstieg der Infektionen sein

Anders als in anderen Bundesländern sind in NRW kürzlich die Sommerferien zu Ende gegangen. Das trifft auch auf Berlin, Hamburg und Hessen zu, wo es, wie im Ruhrgebiet, große Ballungsräume gibt und wo das RKI zuletzt einen starken Anstieg der Coronazahlen feststellte.

Gut möglich also, dass die Zahlen zum Ende der Sommerferien in Bayern oder Baden-Württemberg ebenso steigen wie im Ruhrgebiet. Dort enden die Sommerferien erst Mitte beziehungsweise Anfang September.

NRW: Lehrer und Erzieher dürfen sich gratis auf Corona testen lassen

Auch Lehrer und Erzieher in NRW dürfen sich seit dem 3. August gratis auf das Coronavirus testen lassen. Sie  sollen sich im 14-Tages-Rhythmus testen lassen. Auch hier kommen daher mehr Infizierte ans Tageslicht als noch während der Sommerferien und in anderen Bundesländern, wo die Ferien noch laufen.

Die höhere Test-Zahl gepaart mit den vielen Reiserückkehrern könnte also eine Begründung für den Anstieg der Infiziertenzahlen im Ruhrgebiet sein - aber nicht die Einzige. Das RKI hatte Anfang August bereits weitere Faktoren für den Anstieg der Coronazahlen genannt - allerdings galten die für ganz Deutschland:

  • Feiern im Familien- und Freundeskreis, 
  • Freizeitaktivitäten, 
  • Arbeitsplätze und
  • Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen.

Es gibt also nicht den einen Grund, warum die Corona-Fallzahlen im Ruhrgebiet aktuell steigen. Es ist eine Summe vieler Faktoren, die durch unvorsichtiges Verhalten verstärkt wird. Die vielen Reiserückkehrer durch die beendeten Sommerferien in NRW könnten nur eine mögliche Erklärung sein.

Das Robert Koch-Institut fordert daher dazu auf, Abstands- und Hygieneregeln weiterhin konsequent einzuhalten – auch im Freien, Innenräume lüften und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung korrekt zu tragen.

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