Antikörper-Studie

Coronavirus und Kinder: Ärztin aus Bochum macht Hoffnung – und gibt klare Empfehlung

Welche Rolle spielen Kinder bei der Ausbreitung des Coronavirus? Eine Kinderärztin aus Bochum arbeitet derzeit an einer Studie – und macht jetzt Hoffnung.

  • Im Ruhrgebiet läuft derzeit eine Studie zum Einfluss von Kindern auf die Ausbreitung des Coronavirus.
  • Die Leiterin der Studie ist Oberärztin am Universitätsklinikum Bochum.
  • Sie gibt eine Einschätzung zu ersten Ergebnissen und eine persönliche Empfehlung zum Thema Schule und Kitas.

Bochum – Welche Rolle spielen Kinder als Überträger des Coronavirus? Die Frage treibt Politiker, Eltern oder Arbeitgeber seit Monaten um. Eine bundesweit mit Sehnsucht erwartete Studie, an der eine Kinderärztin aus Bochum als Leiterin beteiligt ist, soll nun Erkenntnisse liefern. Erste Ergebnisse geben Grund zur Hoffnung.

Name der Studie

Corkid

Studiengebiet

Ruhrgebiet

Beteiligte

Bochumer Universitäts-Kinderklinik, Institut für Humangenetik, Institut für Virologie der Ruhr-Universität Bochum, u.a.

Leiterin

Dr. Folke Brinkmann

Coronavirus und Kinder: Studie soll Erkenntnisse bringen

Dr. Folke Brinkmann (44) heißt die Oberärztin an der Universitätskinderklinik Bochum, die die Studie namens "Corkid" leitet. Eine erste Erkenntnis nach sechs Wochen: Nur verschwindend wenige der untersuchten Kinder wiesen Antikörper gegen das Coronavirus auf, sagte Brinkmann nun der WAZ.

Das sei für die kommissarische Leiterin der Abteilung "Pädiatrische Pneumologie" am Uniklinikum Bochum eine "gewisse Beruhigung", da es zeige, dass sich wenige Kinder mit dem Coronavirus ansteckten und auch wenige das Virus weitergeben würden. Zu dieser Erkenntnis kamen auch schon Ärzte des Klinikums Dortmund.

Coronavirus: Sind Kinder Überträger? Studie liefert Antwort

Zum Hintergrund: Die Studie, an der Brinkmann mitarbeitet, ist eine Studie der Bochumer Universitäts-Kinderklinik in Zusammenarbeit mit mehreren kinderärztlichen Praxen in NRW, dem Institut für Humangenetik und dem Institut für Virologie der Ruhr-Universität Bochum. Sie wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Dr. Folke Brinkmann vom Uniklinikum Bochum leitet eine Studie, die die Auswirkung des Coronavirus auf Kinder beleuchten soll.

Ziel ist es, an über 3000 Kindern und Jugendlichen zwischen einem halben Jahr bis zu 18 Jahren (und ihren Familien) zu untersuchen, inwieweit sich in Bochum, Herne und Umgebung die Infektion mit SARS-CoV-2 – oder mit anderen verwandten Krankheiten – bereits unter Kindern verbreitet hat.

Haben Kinder Antikörper gegen das Coronavirus im Blut?

Die Ärzte prüfen dabei bei routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen, die sowieso stattfinden würden, ob Kinder Antikörper gegen SARS-CoV-2 in ihrem Blut haben. Das Ganze ist freiwillig. Hätten sie welche in sich, würde es darauf hindeuten, dass die Kinder (vielleicht unbemerkt) bereits eine Infektion durchgemacht hätten. Ist der Test negativ, kann es sechs Monate später einen weiteren geben.

Wichtig auch für sie – die Corona-Studie mit Fokus auf Kindern dürfte für NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer von großer Bedeutung sein.

In der Folge schicken die Ärzte Eltern nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten per Mail einen Fragebogen zu, mit dem die Ärzte Eltern nach der Gesundheit des Kindes fragen und ob noch weiter Beschwerden bestehen. Möglich ist es auch, dass im Verlauf der Studie auch Eltern oder Geschwister auf Antikörper getestet werden.

Studie über Kinder und Corona soll Empfehlungen für Politik liefern

Am Ende soll die Studie Empfehlungen für die Politik geben, etwa was das Thema Schule betrifft. Schon jetzt steht nach der ersten Kita-Studie des Bonner Virologen Hendrik Streek fest, dass nicht Kinder das Virus weitergeben, sondern in erster Linie die Erzieher. Folke Brinkmann zur WAZ: "Als Kinderärztin freue ich mich, dass Kinder wahrscheinlich nicht die Virenschleudern sind."

Gleichzeitig gibt die Kinderärztin eine erste, vorsichtige Empfehlung, wie es in Sachen Schule nach den Sommerferien weitergehen könnte. Brinkmann sei der Meinung, dass man Schulen und Kindergärten nach den Ferien uneingeschränkt öffnen sollte. Voraussetzung sei eine gute Hygiene und das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes an weiterführenden Schulen: "Das Risiko können wir momentan verantworten, müssen es aber eingrenzen und beherrschbar machen."

Rubriklistenbild: © Uniklinikum Bochum

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