Präzedenzfall im Ruhrgebiet

Corona-Kuriosum in Gladbeck: Inzidenz steigt auf 72,2 - doch Stadt darf nicht reagieren

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In Gladbeck müssten eigentlich strengere Corona-Maßnahmen ergriffen werden. Doch die Rechtslage ist unklar

Das Coronavirus hält NRW in Atem. Immer mehr Städte übersteigen den Corona-Grenzwert. In Gladbeck im Ruhrgebiet entwickelte sich ein seltsamer Sonderfall.

Update (2. Oktober), 13.45 Uhr: NRW - Gladbeck darf nicht alleine reagieren. Das Land NRW hat der Stadt und dem Kreis Recklinghausen in Sachen Corona-Maßnahmen einen Riegel vorgeschoben. Und das, obwohl der Inzidenzwert heute (2. Oktober) auf 72,7 gestiegen ist.

Corona in NRW: Gladbeck darf nicht unabhängig vom Kreis reagieren

Verschärfte Corona-Maßnahmen dürfen erst vollzogen werden, wenn der Inzidenzwert des gesamten Kreises Recklinghausen die Werte 35 oder gar 50 überschreitet. Im gesamten Kreis Recklinghausen liegt der Wert aktuell bei 29,4.

Der scheidende Landrat Cay Süderkrüb (SPD) äußerte sich mit Bedauern: „Ich bin sicher, dass etwas getan werden muss. Der Kreis Recklinghausen mit seinen über 600.000 Einwohnern und seiner Lage an Ruhrgebiet und Münsterland kann in der aktuellen Situation und mit hohen Infektionszahlen in einzelnen Städten nicht wie alle anderen Flächenkreise mit geringerer Einwohnerzahl in NRW behandelt werden."

Corona in NRW: Kreis Recklinghausen will sich mit Städten beraten

Der Kreis Recklinghausen will sich in der kommenden Woche zusammen mit den Städten mit hohem Infektionsgeschehen - Gladbeck, Haltern und Castrop-Rauxel - zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen.

Die Corona-Zahlen in den verschiedenen Städten sind höchst unterschiedlich. Während Gladbeck mit einem Inzidenzwert von 72,7 gebeutelt ist, gibt es mit Waltrop (13,6) und Oer-Erkenschwick (3,2) auch Orte mit niedrigen Coronazahlen.

Erstmeldung (1. Oktober): Im Bundesland Nordrhein-Westfalen gibt genauso wie in Bayern die meisten Coronavirus-Fälle. In vier Städten ist der Corona-Grenzwert jetzt erreicht worden, sodass verschärfte Maßnahmen drohen. Eigentlich auch in Gladbeck. Doch in der Stadt im Ruhrgebiet, die zum Kreis Recklinghausen gehört, hat sich Sonderfall entwickelt.

Stadt Gladbeck
Kreis Kreis Recklinghausen
Bevölkerung76.500 Einwohner

Corona in NRW: Städte über Coronavirus-Grenzwert - auch Gladbeck

Wie das Robert-Koch-Institut meldet, haben Köln (36,4), Duisburg (36,9), Gelsenkirchen (49,7) und der Oberbergische Kreis (35,6) den Grenzwert von 35 erreicht. Andere Städte in NRW (alle Infos im Live-Ticker zu Corona) liegen knapp an der Grenze oder wie Remscheid oder Hamm weit drüber.

Derweil hat sich in der Ruhrgebietsstadt Gladbeck ein Sonderfall entwickelt. In den letzten sieben Tagen haben sich insgesamt 54 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Der Corona-Grenzwert (7-Tage-Inzidenzwert) lag somit am Mittwoch (30. September) bei 71,3. Gladbeck hat insgesamt 76.500 Einwohner.

Gladbeck reißt die Corona-7-Tage-Inzidenz - Kreis Recklinghausen aber nicht

Eigentlich müsste eine Stadt in einem solchen Fall Maßnahmen ergreifen. Doch es ist nicht klar, ob die Stadt das auch alleine entscheiden darf. Der Grund ist einfach: Gladbeck ist keine kreisfreie Stadt, sondern gehört zum Kreis Recklinghausen.

Coronavirus: Maskenpflicht an einer Schule (Symbolbild)

Der 7-Tage-Inzidenzwert im Kreis Recklinghausen liegt allerdings nur bei 25,3 und dementsprechend noch sehr weit von etwaigen Maßnahmen entfernt. Gegenüber der Bild äußerte sich Peter Breßler-Barnbeck, Stadtsprecher von Gladbeck: „Unsere Bürger haben viel mehr Kontakte zu Gelsenkirchen, Essen und Bottrop.“

Corona-Maßnahmen: Gladbeck würde Maskenpflicht einführen

Im Gegensatz zum Superspreaer-Event und Corona-Ausbruch in Hamm würde es in Gladbeck viele kleine Einzelfälle geben. Man würde generell in Gladbeck gegen geltendes Recht verstoßen, eine Maskenpflicht in Schulen einzuführen. Allerdings sei das aus Sicht der Stadt angebracht.

Video: RKI meldet heute (1. Oktober) 2.503 neue Coronavirus-Fälle

Die Stadt Gladbeck und auch der Kreis Recklinghausen haben sich an die Bezirksregierung Münster gewandt. Auf Anfrage von Bild hat sich das NRW-Gesundheitsministerium geäußert. Gladbeck könne „strengere Schutzmaßnahmen anordnen, auch wenn die Voraussetzungen des Paragrafen 15 der Corona-Schutzverordnung nicht vorliegen.“ Das gehe aus Paragraf 28 des Infektionsschutzgesetzes hervor.

Seit Freitag (25. September) gibt es von der Stadt die freiwillige Empfehlung des Tragens einer Maske in Schulen. Gladbeck könnte jetzt ein Präzedenzfall für andere kreisangehörige Städte sein.