Technik aus den USA

Coronavirus: NRW-Firma nutzt Killer-Technologie – Einsatz in Stadtbahnen fraglich

Ein Reisebus-Unternehmen sagt Ausbreitung des Coronavirus den Kampf an.
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Ein Reisebus-Unternehmen sagt Ausbreitung des Coronavirus den Kampf an.

Reisen im Bus sind wieder erlaubt. Doch das Risiko, sich dabei mit Corona anzustecken, bleibt. Eine Firma aus NRW setzt jetzt auf einen "Virenkiller".

  • Auf engem Raum, wie zum Beispiel in Bussen, können sich Corona-Viren leicht ausbreiten.
  • Ein Busreise-Unternehmen aus Witten in NRW setzt deshalb auf UV-Licht, um Viren abzutöten.
  • Die Verkehrsbetriebe in Dortmund sind bei der Umsetzung jedoch skeptisch.

Witten - Busreiseveranstalter suchen derzeit dringend nach Lösungen, wie sie ihre Gäste sicher befördern können. Auch, um die durch die Corona-Krise schwer angeschlagene Bustouristik-Branche zu retten. Denn gerade, wenn viele Menschen, wie in Bussen und Flugzeugen, auf engem Raum zusammenkommen, steigt das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Ein Wittener Reiseunternehmen setzt jetzt UV-Licht im Kampf gegen das Virus ein.

Reiseunternehmen

Hafermann Reisen

Angebot

Busreisen, Rundreisen, Kreuzfahrten, Städtereisen

Sitz

Witten, Nordrhein-Westfalen

Busreisen: Veranstalter setzt auf Belüftungstechnik, die das Coronavirus abtötet

Im Bereich der Bustouristik ist das Unternehmen Hafermann Reisen aus Witten, wo vor kurzem ein Mann seiner Frau Schlafmittel in den Wein gegeben haben soll, damit offenbar Vorreiter. Doch Meinhold Hafermann ist sich seiner Sache sicher und hofft, dass bald die gesamte Branche auf die Technologie zur Virentötung setzt. 

Gegenüber dem WDR, der zuerst berichtete, erklärt der Reiseunternehmer auch warum: Er wolle das Vertrauen der Kunden in Busreisen wiedergewinnen. Und das könne man nur auf breiter Front machen, alle müssten dahinter stehen.

UV-Licht gegen das Coronavirus: Luft in Bussen virenfrei machen

Doch wie genau soll das gehen, 99 Prozent aller Viren mit UV-Licht, welches sonst eher für seinen Hautalterungseffekt an sonnigen Sommertagen bekannt ist, abtöten? Das erklärt der Geschäftsführer selbst ganz genau. In einem Video zeigt Hafermann das Gerät, was das Busreisen wieder sicher machen soll. Eine UV-Lampe, die von einem Kasten aus Lochblech ummantelt ist. Doch das Metall der Ummantelung hat es scheinbar in sich. 

Denn nicht nur das UV-Licht selbst geht den Viren an den Kragen. Titan, Silber, Rhodium und Kupfer sollen dafür sorgen, dass die Luft in den Reisebussen zu nahezu 100 Prozent virenfrei wird. Das Gerät ließ der Unternehmer in die Belüftungssysteme seiner Busse einbauen. In Krankenhäusern, Kreuzfahrtschiffen und auch in Regierungsgebäuden wurde die Technologie bereits erprobt - und den Testergebnissen der Firma RGF nach, die die Raumluftfilter herstellt, für gut befunden. 

Busreisen sicher machen: UV-Licht tötet Coronavirus ab

Und so funktioniert es: Die Luft durchquert das Metallgehäuse des Gerätes und trifft dort zunächst auf das keimtötende UV-Licht. Gleichzeitig wird mithilfe der Metalle ein Oxidationsprozess in Gang gesetzt. 

Anschließend bewegen sich die Oxidanten "aus eigener Kraft durch den Raum, auf der Suche nach Molekülen wie Bakterien und Viren, mit denen sie sich verbinden, diese spalten und damit abtöten können", heißt es auf der Homepage des Busunternehmers.

UV-Licht kommt in China zur Desinfektion von Bussen schon zum Einsatz

Tatsächlich kann UV-Licht Viren, Bakterien und Parasiten unschädlich machen. So wird unter anderem in Argentinien oder China laut einem Bericht der FAZ UV-Licht seit Ausbruch der Pandemie eingesetzt, um Busse zu desinfizieren: Dort werden die Busse von außen und innen UV-Leuchten bestrahlt. 

Auch in Argentinien wird ultraviolettes Licht zur Desinfektion von Bussen verwendet

Auch das Frauenhofer Institut hat eine innovative Lösung zum Desinfizieren von Smartphones entwickelt, die mit dem besonderen Licht arbeitet. Innerhalb weniger Sekunden können Oberflächen dadurch von Bakterien und Viren wie SARS-CoV-2 befreit werden. Dabei setzen die Entwickler auf die besonders energiereiche UVC-Strahlung.

Auch in Bussen im Nahverkehr besteht die Sorge, dass es ein erhöhtes Infektionsrisiko vorliegt. Die Ruhrbahn testete deshalb schon im Juni eine Spezialbeschichtung die helfen soll, dass Risiko einer Infektion zu verringern. 

DSW21 in Dortmund: Einsatz von UV-Licht gegen Coronavirus in Bus und Bahn "nicht möglich"

Auch in Dortmund ist diese Technologie bekannt, sagt Britta Heydenbluth von der DSW21. Ob das UV-Gerät auch etwas für den öffentlichen Nahverkehr in Städten ist, bleibt hingegen fraglich.

Denn Stadtbahnen und vor allem Busse seien fast rund um die Uhr im Einsatz. Weil UV-Strahlen Keime aber erst bei einem stundenlangen Einsatz abtöten können, sei das wegen der "relativ kurzen Standzeiten nicht möglich", sagt sie.

Stattdessen setzt die Verkehrsbetriebe in Dortmund auf eine herkömmliche Reinigung und teilweise Desinfektion der Oberflächen. "Das gilt besonders auch für Haltestangen, Bedienelemente sowie den Fahrerraum", sagt Heydenbluth. Die Übertragungswahrscheinlichkeit bei Kontaktflächen sei nach bisherigen Erkenntnissen jedoch ohnehin eher gering.

Dortmund: DSW21 lässt Oberflächen reinigen und Bahnen wegen Covid-19 durchlüften

Gegen Aerosole in der Luft würden Busse und Bahnen durch die Klimaanlage von außen mit frischer Luft versorgt. An den Haltestellen werde alle 90 Sekunden stoßgelüftet. Damit sei die Gefahr einer Ansteckung nicht höher als etwa beim Einkaufen, sagt die Sprecherin.

Dennoch appelliert das Unternehmen an die Fahrgäste, weiter auf Hygiene zu achten. Die meisten würden das auch tun. Trotzdem gilt: "Die Mund-Nasen-Bedeckung ist weiter Pflicht."

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