Schwerer Verlauf

Corona-Immunität: Studie aus Essen und Bochum überrascht

Prof. Dr. Nina Babel, Leiterin des Centrums für translationale Medizin am RUB-Klinikum Marien-Hospital Herne
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Prof. Dr. Nina Babel, Leiterin des Centrums für translationale Medizin am RUB-Klinikum Marien-Hospital Herne

Wie wirkt sich die Immunreaktion auf das Coronavirus (SARS-CoV-2) aus? Eine Studie aus Essen und Bochum liefert überraschende Erkenntnisse.

Bochum – Wer ist immun gegen das Coronavirus und wie lange dauert die Immunität nach einer Infektion mit Covid-19? An Fragen wie dieser forschen derzeit Wissenschaftler aus Bochum und Essen.

In einer nun erschienenen Studie konnten die Forscher feststellen, dass Corona-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf keine schwächere Immunantwort auf das Virus haben, als solche, die glimpflich davon gekommen sind, berichtet RUHR24.de*.

Name

COVID-19-Virus

Häufigste Symptome

Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Prävention

Aha-Regeln einhalten (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske)

Bochum und Essen: Forscher mit überraschender Studie zur Immunreaktion auf das Coronavirus

Im Gegenteil: Eine sehr starke Immunantwort scheint sogar ein Grund für einen schweren Verlauf von Covid-19 zu sein, teilt das Team unter Leitung von Prof. Dr. Nina Babel, Leiterin des Centrums für translationale Medizin am RUB-Klinikum Marien-Hospital Herne, mit. Damit liefert Forschung aus dem Ruhrgebiet einmal mehr ein weiteres Puzzleteil in der Erforschung des Coronavirus. Erst kürzlich hatten Forscher aus Essen eine Studie über die Dauer einer Immunität gegen das Coronavirus* veröffentlicht.

Prof. Dr. Nina Babel, Leiterin des Centrums für translationale Medizin am RUB-Klinikum Marien-Hospital Herne

Experten aus der Virologie, der Infektiologie und der Anästhesie aus Essen und Bochum fanden dieses Mal heraus, dass die Immunreaktion bei leichten, mittleren und schweren Covid-19-Verläufen vergleichbar war: Demnach werden schwere Verläufe nicht immer durch eine fehlende oder schwache Immunreaktion hervorgerufen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Cell Reports Medicine vom 29. August 2020 veröffentlicht.

Coronavirus: Studie aus Essen und Bochum zu Antikörper

Zum Hintergrund: Antikörper und T-Lymphozyten (T-Zellen) gehören zu den wichtigsten Elementen der Immunabwehr gegen Viren wie das Coronavirus. Zuletzt waren laut der Forscher aus Essen und Bochum Studien erschienen, die nahelegten, dass eine sehr starke Immunantwort auf das Coronavirus den Krankheitsverlauf sogar verschlimmern könnte.

Die Wissenschaftler aus dem Ruhrgebiet* unterstrichen diese Annahme nun in ihrer Studie. Sie fanden heraus, dass eine stark ausgeprägte Immunantwort nicht nur bei Patienten mit leichtem Covid-19-Verlauf beziehungsweise nach besiegter Virusinfektion nachweisbar war, sondern auch bei Patienten, die sehr schwer erkrankt waren. 

Studie aus NRW: Antikörper-Reaktion kann sich negativ auswirken

Sogar Patienten mit akutem Lungenversagen aufgrund von Covid-19 zeigten eine vergleichbare oder sogar noch stärkere Immunantwort als Menschen, die die Krankheit schnell überstanden haben. 

Laborleiter Dr. Ulrik Stervbo in einer Mitteilung: "Die Anzahl der spezifischen Immunzellen sowie deren Funktionalität waren im Verlauf der Erkrankung bei Patienten, die Covid-19 überlebt haben, nicht besser als bei den daran Verstorbenen."

Video: Studie: Antikörper bieten vermutlich längerfristig Immunität

Das (vorläufige) Fazit der Studie: Eine überschießende, also sehr starke Immunantwort auf Covid-19, kann zur Entstehung lebensbedrohlicher Verläufe führen. 

Im Umkehrschluss, so das Resümee anderer Studien, müssten betroffene Patienten so behandelt werden, dass eine zu starke Immunantwort unterdrückt wird - etwa durch Immunsuppressiva.*RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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