Uniklinik Essen an Studie beteiligt

Coronavirus: Blutwerte warnen früh vor schwerem Covid-19-Verlauf - Virologe erkennt Frühwarnsystem

Wann wird eine Covid-19-Erkrankung lebensbedrohlich? Wann nicht? Das scheint von bestimmten Abwehrzellen im Blut abzuhängen. Blutwerte erlauben frühe Prognose.

  • Wie schwer der Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus verläuft, lässt sich vorhersagen.
  • Bestimmte Abwehrzellen im Blut geben Aufschluss darüber, wie hoch das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ist.
  • Virologen der Uniklinik Essen bestätigen Ergebnisse einer Studie aus Wuhan.

Essen/Dortmund - Wann eine Infektion mit dem Coronavirus* einen schweren Krankheitsverlauf nach sich zieht, blieb lange unklar. Während manche Patienten mit leichten oder gar keinen Symptomen davonkommen, kämpfen andere um ihr Leben. Wie RUHR24.de* berichtet, bestätigen Virologen der Uniklinik Essen, was auch eine Studie aus Wuhan besagt: Zwei Typen von Abwehrzellen im Blut bestimmen darüber, ob einem Patienten ein schwerer Covid-19-Verlauf bevorsteht.

Klinik:

Universitätsklinikum Essen

Adresse:

Hufelandstraße 55, 45147 Essen

Mitarbeiter:

7950

Betten:

1700

Bei dem einem der beiden Immunzell-Typen handelt es sich um sogenannte Killer-T-Zellen, erklärt Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und Ko-Autor der Studie aus Wuhan gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Die Killerzellen töten virusinfizierte Körperzellen ab und unterbrechen damit die Vermehrung des Coronavirus

Coronavirus: Blutwerte erlauben frühe Prognose wie Covid-19-Erkrankung verläuft

Für die Studie wurden Blutwerte von 40 Covid-19-Patienten aus der chinesischen Stadt untersucht. Laut Dittmer konnten die Befunde aus der Studie in Deutschland bei mehreren Patienten bestätigt werden.

"Wenn Patienten nur wenige von diesen Zellen haben, haben sie ein hohes Risiko, schwere Symptome wie etwa eine Lungenentzündung oder Gerinnungsstörungen zu entwickeln", erläutert Dittmer die Erkenntnisse. Doch auch ein anderer Zelltyp im Blut der Patienten spiele eine wichtige Rolle für den Krankheitsverlauf.

Coronavirus: Anzahl bestimmter Abwehrzellen beeinflussen Krankheitsverlauf

Der andere Zelltyp, die sogenannten Neutrophile, seien eigentlich dazu da, Bakterien abzuwehren. "Sie können aber auch T-Zellen in ihrer Funktion unterdrücken", so Dittmer. Wurden in den Blutproben der Patienten mit vielen Neutrophilen nur wenige T-Zellen gefunden, war das mit einem schwereren Krankheitsverlauf verbunden.

Die Ergebnisse der Virologen bestätigen demnach auch, was Mediziner bereits zu einem früheren Zeitpunkt der Pandemie erkannten: Das Risiko schwer zu erkranken, ist bei Patienten mit Vorerkrankungen* oder älteren Menschen größer als bei anderen Patienten. Inzwischen ist zudem klar: Auch Fettleibigkeit erhöht das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Coronavirus: Wenige T-Zellen führen zu schwerem Covid-19-Verlauf

Besonders betroffen sind Patienten, bei denen eine Vorerkrankungen, oder die Therapie der Erkrankung dazu führen, dass die Anzahl der T-Zellen abnimmt. Das ist zum Beispiel bei Patienten nach Transplantationen der Fall, wenn Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen eingenommen werden müssten, so Dittmer. Ebenso betroffen seien auch Krebspatienten unter einer Chemotherapie. Aber eben auch ältere Patienten, denn die Zahl der T-Zellen nehme altersbedingt ab.

Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie der Universitätsklinik, untersucht Patientenabstriche auf Viren.

Daher überrascht auch das höhere Risiko für übergewichtige Personen nicht. Denn: Übergewichtige Personen hätten schwächere und weniger T-Zellen, so der Virologe. An der Uniklinik Essen habe es sich so bei mehr als 70 Prozent der schweren Covid-19-Verläufe auch um übergewichtige Männer gehandelt.

Neben dem Alter und Vorerkrankungen bringen Wissenschaftler auch immer wieder neue Risikofaktoren ins Spiel. Unabhängig von der Studie, an der der Essener Virologe beteiligt ist, haben Forscher der Universität Kiel und der Universität Oslo herausgefunden, dass auch die Blutgruppe das Risiko für einen schweren Verlauf bestimmen könne. Demnach hätten laut einem Bericht des Spiegel Menschen mit der Blutgruppe A ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf, als jene mit der Blutgruppe 0.

Coronavirus: Therapie sollte T-Zellen stimulieren

Doch was bedeuten die Erkenntnisse der Studie aus Wuhan und Essen nun für eine Therapie einer Covid-19-Erkrankung? So könnte man versuchen, zu Anfang einer Infektion die Killer-T-Zellen zu stimulieren. Zum Beispiel durch bestimmte Impfstoffe oder durch die Gabe von Vitamine A und C, welche ebenfalls die Funktion der T-Zellen verbessern könnten. 

Bei Transplantations- und Krebspatienten könne die Dosis der Medikamente zur Abwehrunterdrückung gesenkt werden, bei Krebspatienten müssten Ärzte die Chemotherapie unterbrechen.

Das Klinikum Dortmund geht aktuell ganz neue Wege und hat einen Escape Room eingerichtet - den können User allerdings nicht vor Ort, sondern via Instagram nutzen. 

Coronavirus: Nicht genug Patienten mit Covid-19 in Deutschland

Auch der - an der Studie nicht beteiligte - Immunologe Michael Lohoff von der Universität Marburg sieht die Ergebnisse der Studie als hilfreich an. Allerdings sei die untersuchte Patientenzahl sehr gering. Der Befund sollte unbedingt an weiteren Patienten bestätigt werden, so Lohoff. 

Doch genau hier gibt es ein Problem, das eigentlich aus sehr glücklichen Umständen entsteht: In Deutschland gebe es nicht mehr genügend Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung. In der ersten Juniwoche habe es an der Uniklinik in Essen nur eine Neuaufnahme eines Patienten mit Covid-19 gegeben, so Dittmer. 

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