Reisen trotz Corona

Corona-Experte aus NRW enthüllt: Lediglich ein Land ist für Oster-Urlaub sicher

Trotz Corona wollen viele ihren Urlaub an Ostern durchziehen. NRW-Virologe Ulf Dittmer rät davon ab. Nur in einem Land sei die Corona-Lage stabil.

Essen - Der 26. März ist in Nordrhein-Westfalen offiziell der letzte Schultag vor den Osterferien. Corona-Pandemie hin oder her – viele möchten die Zeit rund um die Feiertage nutzen und Urlaub machen. Besonders der Ansturm auf Mallorca scheint groß zu sein, auch wenn die Touristen an Ostern dort strenge Regeln erwarten.

VirologeProf. Dr. Ulf Dittmer
Institut für VirologieUniklinik Essen
ForschungUntersuchungen zur Diagnostik viraler Infektionen

Corona-Lage ist instabil: NRW-Virologe rät von Urlaub an Ostern ab

An diese Regeln halten sich auch die Einheimischen der Baleareninsel bereits seit Wochen. So gilt unter anderem eine Maskenpflicht im Freien sowie eine Ausgangssperre zwischen 22 und 6 Uhr. Nur so konnte die Inzidenz auf Mallorca zuletzt stabil weit unter einem Wert von 35 landen.

Doch die Gefahr durch das Coronavirus bleibt, wie auch Ulf Dittmer (55), Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Essen, warnt. Der Virologe rät davon ab, Urlaubsreisen rund um Ostern anzutreten. „Die Lage auf den Balearen halte ich nicht für stabil“, so Dittmer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es könne auch dort schnell wieder in die andere Richtung gehen. Das klare Statement des Virologen aus dem Ruhrgebiet lautet deshalb: „Ich würde es jetzt nicht tun über Ostern.“

Risiken bei Osterurlaub auf Mallorca – Corona-Lage ist nur in einem einem Land „stabil“

So sehe er gleich mehrere Risiken, die gegen einen Urlaub auf Mallorca und im weiteren Ausland sprechen. Zum einen könne es passieren, dass man sich mit Corona infiziert und vor Ort ins Krankenhaus muss. Weiter sei es möglich, dass man plötzlich von „Gegenmaßnahmen wie Quarantäne betroffen ist oder wieder Flüge ausfallen“.

Die Prognose des 55-Jährigen fällt jedoch nicht nur für den Osterurlaub auf Mallorca schlecht aus. Über Ostern gebe es „in den allermeisten Ländern“ keine stabile Lage. Als Ausnahme nennt der Virologie lediglich Israel. Das Land im Nahen Osten hat seine Impfkampagne in den vergangenen Monaten vorbildlich umgesetzt. Denn in Israel ist bereits etwa die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft, in Deutschland sind es etwa 3,5 Prozent. Auch die Infektionszahlen im Land sinken weiter.

Wieder mehr Corona-Infektionen in Deutschland: Nur noch zwei NRW-Kreise unter 50er-Inzidenz

Die aktuelle Entwicklung des Infektionsgeschehens in Deutschland zeigt hingegen, dass die Lage hierzulande nach wie vor instabil ist (aktuelle Corona-News aus NRW im Live-Ticker auf RUHR24.de). Allein in NRW liegen derzeit nur noch zwei Kreise unter eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 (Stand 19. März).

Jeder solle sich deshalb genau überlegen, was er im Urlaub verantworten könne, so der Essener Virologe. Auch bei einem Urlaub in Deutschland, etwa in einer Ferienwohnung, gibt Dittmer zu bedenken: „Virusverbreitung und Infektionszahlen haben etwas mit Mobilität zu tun. Und natürlich würde das die Mobilität erhöhen.“

Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Essen, warnt vor einem Urlaub an Ostern.

Urlaub an Ostern: Wocheninzidenz allein ist nicht ausschlaggebend

Bei der Betrachtung der Corona-Lage regt Dittmer an, neben der Wocheninzidenz stärker die Altersstruktur der Infizierten sowie die Zahl der Krankenhaus-Neuaufnahmen und die Impfquote der über 70-Jährigen einzubeziehen. Die Gesamtlage habe sich „klar geändert durch die Impfungen“, sagte der Virologe und verwies auf die Situation in Essen. So seien dort nach dem Impfstart mittlerweile deutlich weniger über 80-Jährige infiziert als in den ersten beiden Wellen der Pandemie.

„Es hat sich verschoben hin zu jüngeren Leuten, die häufig nicht schwer erkranken.“ Der Inzidenzwert würde sich langsam aber sicher von der Situation im Krankenhaus entkoppeln. Auch in der Uniklinik Essen sei die Zahl der Covid-19-Patienten zuletzt gesunken. Anfang des Jahres lag sie noch bei über 130. Mittlerweile liege sie bei 50 – aktuell stagniere die Zahl jedoch. mit dpa-Material

Rubriklistenbild: © Clara Margais, Bernd Thissen/dpa; Collage: RUHR24

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