Wieder nicht berücksichtigt

Corona-Frust an den Unis im Ruhrgebiet: Bei Lockerungen vergessen?

Leerer Seminarraum
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Nicht nur den Hochschulen im Ruhrgebiet fehlt eine Corona-Perspektive.

Aufgrund der Corona-Pandemie läuft an den Universitäten bereits das dritte digitale Semester. Nur wenige Studierende dürfen auf den Campus. Das soll sich ändern.

Ruhrgebiet – Ob an der Technischen Universität in Dortmund, der Ruhr-Universität in Bochum oder der Universität Duisburg-Essen: Aufgrund der Corona-Pandemie ist an den Hochschulen an Präsenzveranstaltungen kaum zu denken. Trotz weiterer Corona-Lockerungen in Nordrhein-Westfalen wird auch das laufende Sommersemester überwiegend digital stattfinden.

BallungsraumRuhrgebiet
LandNordrhein-Westfalen
Fläche4.435 Quadratkilometer
Gliederung4 Kreise, 11 kreisfreie Städte

Unis im Ruhrgebiet im dritten digitalen Semester: Corona erlaubt kaum Präsenzveranstaltungen

„Wieder muss ich Sie auf ein Semester einstimmen, in dem Sie wenig auf dem Bochumer Campus studieren werden“, hieß es Ende März in einem Brief von Kornelia Freitag, Prorektorin an der Ruhr-Universität Bochum, an die Studierenden. Ausnahmen gibt es nur in wenigen Bereichen, etwa bei Laborpraktika und anderen praktischen Veranstaltungen.

An den anderen Universitäten im Ruhrgebiet sieht es ähnlich aus. „So wenig Präsenz wie möglich – und nur so viel Anwesenheit vor Ort wie unbedingt nötig“, lautet etwa das Motto an der Universität Duisburg-Essen. Die Technische Universität in Dortmund bietet im Sommersemester derweil Coronatests für alle Studierende und Beschäftigte an, die auf dem Campus präsent sein müssen. Das Ziel: „Der Campus soll eine grüne Zone wer­den – ganz im Sinne der Initiative No-Covid.“

NRW lockert Corona-Regeln: Hochschulen gucken erneut in die Röhre

Ändern wird sich daran wohl vorerst nichts. Die neue Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen bietet Hochschulen keine wirkliche Perspektive. An Präsenzveranstaltungen dürfen gemäß der aktuellen Bestimmungen nicht mehr als 50 Personen teilnehmen. An Vorlesungen im Hörsaal ist somit nicht zu denken (mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24).

Die weitgehende Umstellung auf digitale Angebote sei zwar gut gelungen, doch diese Art des Studiums sei für Studierende wie Lehrende „belastend“, erklärte Prof. Dr. Peter André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, am Freitag (28. Mai) in Berlin. Weil die Lehre an den Universitäten anders als in Schulen nicht in Klassenverbänden, sondern in wechselnden Konstellationen und an verschiedenen Standorten stattfinde, gebe aus der momentanen Situation nur einen Ausweg.

Mit Ausnahme der Prüfungen, wie hier in den Dortmunder Westfalenhallen, gibt es kaum Präsenzveranstaltungen an den Unis.

„Die Hochschulen können nur mit einer entsprechend hohen Impfquote bei Studierenden und Lehrenden in den Regelbetrieb zurückkehren; allein durch Testungen ist dies nicht machbar“, so Alt. Doch der Impfgipfel mit den Länderchefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag (27. Mai) drehte sich überwiegend um Kinder und Jugendliche, nicht um Studierende.

Hochschulrektoren fordern: Studierende müssen bei Impfungen zügig unterstützt werden

Es sei dringend erforderlich, dass Studierende bei der Impfkampagne besonders unterstützt werden, fordert die Hochschulrektorenkonferenz. Ein flächendeckendes Impfangebot erst Ende September würde bedeuten, dass „eine Immunisierung einer ausreichend großen Zahl von Studierenden für das kommende Wintersemester nicht gewährleistet wäre“.

Um das zu verhindern, fordern die Rektoren etwa die Offenhaltung von Impfzentren besonders für Studierende, die Einbindung der Hochschulen und insbesondere der Universitätsmedizin in die Impfkampagne und die Nutzung der Betriebsärzte an den Hochschulen auch für Studierende.

„Die Länder sollten sich nun mit Unterstützung des Bundes unverzüglich mit ihren Hochschulen über entsprechende Maßnahmen und die notwendigen Ressourcen verständigen“, forderte Alt. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach sich erst kürzlich für eine baldige Impfung von Studierenden aus.

Video: Studenten: Lasst uns wieder in die Hörsäle

Unter Studierenden seien die psychischen Belastungen sehr hoch, sagte die CDU-Politikerin bei einer Pressekonferenz. Es könne eine Priorität darauf gesetzt werden, „dass auch die jungen Leute jetzt zügig geimpft werden, sodass sie dann auch die Hochschulen wieder bevölkern können“.

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) hatte den Universitäten in NRW und dem Ruhrgebiet zuletzt Hoffnung gemacht. Bleibt die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz positiv, seien Anfang Juni weitere Öffnungsschritte an den Hochschulen vorgesehen. Diese würden nicht nur Prüfungen, sondern auch Lehrveranstaltungen in Präsenz betreffen.

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