Staatsanwaltschaft ermittelt

Riesen-Betrug mit Corona-Tests: Razzia bei Testfirma aus Bochum

Eine Testfirma aus Bochum steht im Verdacht, sich an den Corona-Tests bereichert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat bei Durchsuchungen Unterlagen beschlagnahmt.

Bochum – Hat eine Testfirma aus Bochum mehr kostenlose Bürgertests abrechnen lassen, als sie tatsächlich durchgeführt hat? Diesem Verdacht geht die Bochumer Staatsanwaltschaft nach. Dem gingen Recherchen der Süddeutschen Zeitung, NDR und WDR voraus.

StadtBochum
BundeslandNordrhein-Westfalen
RegierungsbezirkArnsberg
OberbürgermeisterThomas Eiskirch (SPD)

Bochum: Testfirma steht im Verdacht des Corona-Betrugs

Demnach soll das Unternehmen an verschiedenen Standorten in Nordrhein-Westfalen über Tage höhere Testzahlen an das Gesundheitsministerium in Düsseldorf gemeldet haben, als tatsächlich durchgeführt wurden. Die Bochumer Firma betreibt aufgrund der Corona-Pandemie deutschlandweit 54 Testzentren in 36 Städten. Bestätigen sich die Recherchen, hat der Betrug in großem Stil stattgefunden.

So sollen etwa an einem Tag in einem Testzentrum in Köln-Marsdorf statt der durchgeführten rund 70 Tests satte 977 Tests gemeldet worden sein. In Essen seien an einem Samstag 550 kostenlose Corona-Tests durchgeführt worden. Dem Gesundheitsamt wurden laut Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR aber 1743 Testungen übermittelt.

Betrugt mit Corona-Tests in Bochum? Staatsanwalt beschlagnahmt Unterlagen

Das System der kostenlosen Schnelltests ist durchaus anfällig für Manipulationen. Der Bund zahlt dem Bericht zufolge 18 Euro pro Test. Allerdings fehle es in der vom Bundesgesundheitsministerium erlassenen Testverordnung an einer Kontrollfunktion. Diese hätten weder die Kassenärztliche Vereinigung, über die abgerechnet wird, noch die Gesundheitsämter (mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24).

In Nordrhein-Westfalen hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die Testzentren zumindest dazu verpflichtet, täglich die Anzahl der durchgeführten Tests online in einer Datenbank zu melden. Aus dieser hätten die drei Redaktionen Informationen zugespielt bekommen und anschließend an mehreren Tagen Teststellen der Firma beobachtet.

Eine Bochumer Testfirma soll zu viele Schnelltests abgerechnet haben.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat sich dem Fall inzwischen angenommen. Am Freitagabend (28. Mai) seien Geschäftsräume und Privatwohnungen im Ruhrgebiet durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt worden, wie eine Sprecherin gegenüber mehreren Medien mitteilte. Ermittelt werde gegen zwei Verantwortliche eines in Bochum ansässigen Unternehmens wegen des Verdachts des Betrugs im Zusammenhang mit der Abrechnung der Corona-Tests. Nähere Informationen gibt es noch nicht.

Verdacht des Test-Betrugs in Bochum: Inhaber beteuern korrekte Zahlen

Der Inhaber der Testfirma erklärte gegenüber der WAZ, dass man nichts zu verbergen habe und sich in schriftlicher Form äußern werde. Die Zahlen seien in der Summe korrekt gemeldet worden. Es könne lediglich vorkommen, dass die Zahlen einzelner Standorte von den insgesamt gemeldeten Zahlen abweichen.

Die Stadt Münster hat bereits auf die Vorwürfe reagiert und der Firma die Beauftragung zur Durchführung der Bürgertests entzogen. Die Stadt Essen prüfe diese Maßnahme laut Süddeutscher Zeitung derzeit ebenfalls. In Köln habe das Gesundheitsamt die Teststelle in Marsdorf am Freitag unangekündigt kontrolliert.

Dass mit unlauteren Mitteln versucht wird, sich an der Corona-Krise einen Reibach zu machen, kam in der Vergangenheit bereits öfter vor. So waren etwa gefälschte Corona-Impfstoffe von Biontech im Umlauf. Einige Personen wurden damit sogar geimpft.

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/AFP, Sina Schuldt/dpa; Collage: RUHR24

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