Absurde Situation

Corona-Regel: Oberhausenerin will 24 Stunden am Stück arbeiten – „sind die kleinen Dummen“

Die Corona-Regeln in NRW sorgen aktuell für absurde Situationen. Eine Nagelstudio-Inhaberin aus Oberhausen berichtet nun von ihrem Arbeitsalltag.

Oberhausen – Welche Corona-Regeln aktuell in NRW gelten, darüber haben inzwischen viele Bürger die Übersicht verloren. Fest steht, dass diese Regeln nicht selten zu Unverständnis führen. Die Besitzerin eines Nagelstudios aus Oberhausen berichtet gegenüber RUHR24* nun von ihrem absurden Arbeitsalltag in Zeiten des Coronavirus*.

7-Tages-Inzidenz in Oberhausen131,9 (Stand 12. April 2021)
Bislang gemeldete Corona-Fälle9089
Aktuell infizierte Personen530

Corona-Regel in NRW bringt Frau aus Oberhausen in Rage

Ulrike Loos (53) ist verdammt sauer und nimmt gegenüber unserer Redaktion kein Blatt vor dem Mund: „Ich habe alles richtig gemacht und bin, auf Deutsch gesagt, am Arsch.“ Die aktuellen Corona-Regeln bringen Loos derzeit zur Verzweiflung.

Die Oberhausenerin betreibt zusammen mit ihrer Freundin Gabi Heth (59) das Nagelstudio „Perfect Nails & Beauty“ in der Nähe des Oberhausener Hauptbahnhofs und ist mit den Nerven am Ende.

NRW: Nur mit negativem Corona-Test ins Nagelstudio

Kürzlich musste sie ihren Kunden erklären, dass sie nur noch mit negativem Corona-Test in ihr Nagelstudio kommen dürfen. Der Grund dafür ist die in Oberhausen greifende Corona-Notbremse des Landes, die seit dem 29. März dieses Jahres gilt.

Die Stadt im Herzen des Ruhrgebiets weist seit dem 12. März eine 7-Tages-Inzidenz über 100 auf. Öffnungen von Geschäften sind deshalb aktuell nur noch unter besonders strengen Regeln erlaubt. Doch genau das schreckt die Kunden des Nagelstudios ab. „Ich habe Kunden verloren, denen das zu kompliziert ist“, erklärt Loos gegenüber RUHR24.

Corona-Maßnahme in NRW-Nagelstudio: Maske, Scheibe und jetzt auch negativer Test

Schon vor der Notbremse habe die Nagel-Expertin auf Hygiene geachtet. Sie selbst und auch ihre Kunden tragen inzwischen FFP2- oder medizinische Masken. Zudem gibt es am Arbeitstisch eine Scheibe zwischen ihr und ihren Besuchern. Und dann ist da jetzt auch noch die Pflicht für den negativen Corona-Test.

Das Oberhausener Nagelstudio von Gabi Heth (l.) und Ulrike Loos darf aktuell nur Kunden mit negativem Corona-Test empfangen. Das Foto zeigt eine Szene aus der Vor-Corona-Zeit.

Die Corona-Maßnahmen in ihrem Nagelstudio hält Ulrike Loos bereits ohne Testnachweis für sicherer als jene, die Friseure derzeit einhalten müssen. Für einen Besuch beim Haarschneider benötigt man in NRW aber in der Regel (Ausnahmen für Friseure gibt es etwa in Duisburg*) keinen negativen Corona-Test – egal, wie hoch die Inzidenz ist.

Nagelstudio-Besitzerin aus NRW vermutet private Treffen als Pandemie-Treiber

Warum das so ist, das kann die Nagel-Designerin nicht verstehen. Sie vermutet schlicht die starke Lobby der Friseure dahinter. „Und wir sind nur die kleinen, dummen Nagelstudios“, ärgert sich Loos, die einen Besuch im Nagelstudio für sicherer hält, als jenen beim Friseur. Überhaupt: Als Treiber der Pandemie sieht sie private Treffen und nicht den Besuch von Geschäften und Co.

Die 53-Jährige fürchtet inzwischen sogar, dass demnächst, sollte das bundesweite Infektionsschutzgesetz geändert werden*, selbst eine Öffnung mit negativem Corona-Test nicht mehr möglich sein wird. In diesem Fall könnte die Oberhausenerin dann nur noch ihr Geschäft öffnen, sollte die Inzidenz in Oberhausen an drei Tagen in Folge unter 100 liegen.

Corona-Regel in NRW: Termin-Chaos in Nagelstudio droht

In diesem Fall befürchtet Loos ein Termin-Chaos. Ständig müsste sie ihre Kunden auf Tage vertrösten, an denen die Inzidenz an drei Tagen unter 100 ist. An diesen Tagen würde sie dann 24 Stunden durcharbeiten, um alle ihre Kunden zu bedienen, kündigt sie an (hier weitere Corona-News aus NRW* auf RUHR24 lesen).

Über Wasser hält sich die Oberhausenerin aktuell durch Hilfen vom Staat, die aber nicht einmal die Hälfte ihrer monatlichen Kosten decken würden. Ihr Vater helfe ihr zusätzlich finanziell aus. Aber auch der könne sie nicht ewig unterstützen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.DIGITAL.

Rubriklistenbild: © Privat, Federico Gambarini/dpa; Collage: RUHR24