Trainer wegen Corona-Maßnahmen verzweifelt

NRW-Sportverein berichtet: Corona-Lockdown hat schockierende Folgen

Sascha Dziggas ist Großmeister in einem Kampfkunstzentrum in Unna.
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Sascha Dziggas ist Großmeister in einem Kampfkunstzentrum in Unna.

Der Corona-Lockdown zeigt seine Auswirkungen in allen Ebenen unserer Gesellschaft. Nun berichtet ein Sportverein aus dem Ruhrgebiet über die schockierenden Folgen.

Unna / NRW - Der Corona-Lockdown legt in NRW immer mehr Abgründe offen. Besonders hart trifft es offenbar immer wieder die ganz Kleinen in unserer Gesellschaft. Nicht nur die Belastung durch das Homeschooling ist hoch - auch Sportvereine berichten von fatalen Folgen. Gegenüber RUHR24 hat sich nun der Betreiber einer Kampfkunstschule in Unna über die Auswirkungen des Lockdowns geäußert.

SchuleKuk Mu Kwan Unna - Kampfkunstzentrum
AdresseHammer Strasse 60, 59425 Unna
LeiterSascha Dziggas

Corona-Lockdown in NRW: Sportvereine leiden unter den Maßnahmen

Sascha Dziggas betreibt seit seinem fünften Lebensjahr Kampfsport. Er ist Chef des „Kuk Mu Kwan Unna - Kampfkunstzentrum“ und Großmeister. Seine Kampfschule ist europäische Zentrale einer Sportart, die in Südkorea äußerst populär ist.

Und sie ist nicht nur ein Ort, an dem Sport getrieben wird: So sagt Dziggas über sich selbst: „Ich bin für meine Schüler nicht nur der Meister, sondern auch der Onkel.“ Womit Dziggas bereits das Problem auf den Punkt bringt.

Kampfsportschule in Unna: Zentrum in NRW war vor Corona Rettungsinsel für Kinder

Denn Dziggas Kampfsportzentrum ist nicht nur Anlaufstelle für sportbegeisterte Kinder, sondern auch für solche, für die die Kampfkunst eine „Rettungsinsel“ sei, wie der Großmeister selbst sagt.

Video: Corona und die Psyche: Was der Lockdown in uns anrichten kann

Will heißen: Beim Training lernen seine Schüler nicht nur den Sport auszuüben, sondern auch andere soziale Fähigkeiten. So bietet Dziggas etwa eine Ausbildung in „Charakter und innerer Ordnung“ oder ein „Anti-Mobbing-Training“ an. Doch durch den Lockdown fehle es nun am menschlichen Miteinader, sagt der Großmeister. „Das ist sehr schmerzhaft für uns alle.“

Corona-Lockdown in NRW hat Folgen für Charakter vieler Kinder

Der Corona-Lockdown hat also nicht nur Folgen für die sportliche Ausbildung seiner Schüler, sondern auch für deren Charakter und Psyche. „Nicht jeder meiner Schüler hat ein behütetes Zuhause“, sagt der 46-Jährige gegenüber RUHR24. Dass seine Kampfsportschule also seit Monaten geschlossen ist, ist nicht einfach nur eine Lappalie. Sie betrifft die persönliche Entwicklung von Kindern. Ähnliches dürften viele weitere Vereine im Ruhrgebiet berichten.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem lieben Geld. Denn die Kampfsportschule ist nicht nur Ort der sportlichen und charakterlichen Weiterbildung, sondern auch der Ort, mit dem Sascha Dziggas sein Geld verdient.

Corona-Lockdown in NRW: Großmeister macht finanzielle Verluste

Hatte der Großmeister im Juli 2020 in seiner Schule noch 130 zahlende Mitglieder, sind es inzwischen nur noch knapp 90 Sportler, die eine Monatsgebühr von 40 Euro überweisen. Die Einnahmen brechen also nach und nach weg. Sascha Dziggas bezeichnet das als „Sterben auf Raten“ - auch wenn es Hilfsgelder aus öffentlicher Hand gebe. Doch damit seien keine großen Sprünge machbar. Und die Überweisungen liefen schleppend. „Und so verlieren wir Monat für Monat immer mehr Geld“, sagt Sascha Dziggas (mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24.de).

Von der Politik fordert der Unneraner nun, dass seine Probleme gehört werden - auch wenn die finanziellen Mittel nicht reichen, um vor Gericht zu ziehen. Flexible Lösungen wären ein erster Schritt. So könnte sich der Großmeister vorstellen, Kampfsporttraining ohne Körperkontakt und mit Abstand anzubieten. „Wir müssen nur dürfen können.“

NRW: Corona-Lockdown könnte bald vorbei sein

Indes könnten die Stoßgebete des Kampfsport-Trainers bald erhört werden. Schon jetzt gibt es im Sportbereich in NRW erste Corona-Lockerungen. Sie betreffen Sport an der frischen Luft und unter Einhaltung von Abständen. Und überhaupt: Die Zeichen in NRW zeigen so langsam aber sicher auf eine Rückkehr zur Normalität hin - aber sie wird wohl zunächst eine andere sein, als wir es aus der Zeit vor Corona kennen.

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