Brandbrief an Essens Bürgermeister

NRW: Kinderärzte schlagen Alarm wegen Corona-Lockdown - „blutige Hände und Panikattacken“

Mehrere Kinderärzte aus Essen schlagen Corona-Alarm. Sie beobachten fatale Auswirkungen bei Kindern im Lockdown und haben einen Brief an Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) geschrieben.

Essen - Der Corona-Lockdown ist noch einmal verlängert worden. Bis zum 7. März. Das scheint zunächst einmal positive Auswirkungen auf die Infektionen in der Coronavirus-Krise zu haben. Doch einige Kinderärzte aus der NRW-Stadt Essen schlagen jetzt Alarm.

StadtEssen
Einwohner582.760 Einwohner
Bürgermeister Thomas Kufen (CDU)

Kinderärzte aus Essen schlagen wegen Corona Alarm: Brandbrief an OB Thomas Kufen

Wie die WAZ berichtet, haben fünf Kinderärzte in Essen einen Brief an Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) gesendet. Sie sprechen aber stellvertretend für insgesamt 44 Kinderärzte. „Kinder und Jugendliche leiden“, heißt es in diesem Brief. Sie schildern fatale Erfahrungen und Auswirkungen des Corona-Lockdowns.

So hätten Kinderärzte diverse Krankheitsbilder beobachtet, die erschrecken. Es würde bei einigen zu einem Hände-Waschzwang kommen. Aus Angst vor dem Coronavirus. Das ginge so weit, dass sich Kinder die Hände blutig waschen würden (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

Auch käme es, wie die Kinderärzte aus Essen in dem Brief berichten, zu Angstzuständen und Panikattacken. Kinder hätten die Sorge, Eltern und Großeltern mit Corona anzustecken oder litten unter der Angst, die Corona-Pandemie würde nie wieder enden. Zudem würden einige viel zu spät bei anderen Krankheiten zum Arzt gehen.

Kinder im Corona-Lockdown: Auswirkungen auf Entwicklungen und fatale Krankheitsbilder

Der Corona-Lockdown habe auch Auswirkungen auf die Freizeitaktivitäten und das Sozialverhalten. Exzessives Computerspielen und mangelnde Bewegung würden zu Konzentrationsproblemen, Rhythmusstörungen sowie Schlafproblemen im Alltag führen.

Ebenfalls fatal seien die Störungen in Entwicklung und Psyche. Am Donnerstag (18. Februar) berichtete der WDR in der Aktuellen Stunde über Familien, die exemplarisch für zahlreiche Eltern und Kinder im Corona-Lockdown stehen. In dem TV-Beitrag geht es um den 2-jährigen Max, der den zweiten Lockdown nicht mehr so gut wegsteckt wie den ersten.

Kinderärzte aus Essen schlagen Alarm im Corona-Lockdown und schreiben Brandbrief an Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU).

Das Kind würde sein Verhalten spürbar verändern. Max würde sich draußen hinter den Eltern verstecken und nicht auf andere Kinder zugehen wollen. Zudem verspüre er teilweise auch nicht mehr die Lust, nach draußen zu gehen. Mutter Nicole ist sich sicher. Ihrem Sohn würden die sozialen Kontakte fehlen.

Das könne, wie Kinderärztin Daniela Augst aus Essen in dem WDR-Beitrag sagt, Auswirkungen auf die Entwicklung des Sozialverhaltens und der motorischen Fähigkeiten haben - gerade bei Kindern im Kita- und Grundschulalter.

Kinderärzte wollen mit Corona-Brandbrief auf Kinder und Jugendliche im Lockdown aufmerksam machen

Letztendlich würde auch, wie es Ludwig Kleine-Seuken, ebenfalls Kinderarzt aus Essen, gegenüber dem WDR sagt, die Entwicklung der Sprache massiv leiden. Besonders bei Kindern mit Migrationshintergrund, aber auch bei Familien mit deutscher Muttersprache. Kinder würden den sprachlichen Austausch benötigen.

Eltern können zwar Kindern Bücher vorlesen oder mit ihnen Sport machen. Dennoch würde aktuell im Corona-Lockdown der Kontakt zu Gleichaltrigen fehlen.

Die Kinderärzte hoffen mit dem Brief an Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), Aufmerksamkeit für Jugendliche und Kinder generieren zu können. Man würde, so Ludwig Kleine-Seuken, sich bei hohen Inzidenzzahlen kreativere Lösungen wünschen - weniger Verbote, mehr Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Das Problem könnten die Corona-Mutationen sein, die sich in NRW weiter ausbreiten und Öffnungen erschweren könnten.

Wie die WAZ berichtet, würde es Signale von der Essener Politik geben, sich mit den Kinderärzten austauschen zu wollen.

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/dpa, Fabian Strauch/dpa ; Collage: RUHR24

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