Corona-Pandemie

Corona-Mutation nicht die größte Gefahr: Experte mit drastischer Forderung

Ein Virologe der Uniklinik Essen ist sicher, dass Kinder das Corona-Virus kaum verbreiten – gefährdet seien sie trotzdem. Allerdings aus ganz anderen Gründen.

Essen - Sorge hat der Chefvirologe der Uniklinik Essen, Professor Ulf Dittmer, in der Corona-Pandemie vor allem um Kinder aus sozial schwachen Familien. Allerdings nicht wegen der besonderen Gefahr, die von der mutierten Virusvariante aus England ausgehen könnte. Vielmehr würden diese Kinder in der Corona-Pandemie unter dem Lockdown und den geschlossenen Schulen und Kitas leiden.

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Trotz Corona-Mutation: Virologe aus Essen befürwortet die Öffnung von Schulen und Kitas

Der Virologe der Uniklinik Essen fordert deshalb die schnelle Öffnung von Kitas und Grundschulen. Zumal kleine Kinder aus seiner Sicht und mit Blick auf aktuelle Studien keine „effizienten Verbreiter“ des Coronavirus seien. Gegenüber dem DUB-Unternehmer-Magazin führt der Mediziner weiter aus, das Kinder aus sozial schwachen Familien hingegen aber sehr unter den Schließungen leiden würden. Weiterführenden Schule, auf die die älteren Kinder gehen, rät der Virologe zu Hygienekonzepten.

Auch die neu aufgetretene Virus-Mutation aus England ändere nichts an seiner Empfehlung, Kinder wieder in Schulen und Kitas gehen zu lassen. Gegenüber dem Magazin erklärt Dittmer, dass das mutierte Virus keine besondere Gefahr für Kinder darstelle (alle News zu Corona in NRW im Live-Ticker von RUHR24.de).

Auch, wenn dieses rund 70 Prozent ansteckender sein soll als bisher bekannte Coronavirus-Varianten und bereits in Deutschland nachgewiesen wurde. Wie weit sich die Mutante bereits in Deutschland verbreitet hat, ist noch nicht klar.

Essen: Virologe sieht Schulschließungen trotz der Corona-Pandemie kritisch

Dittmer: „Komplette Schließung sehe ich eher kritisch.“ Bildung und auch die damit zusammenhängenden gesundheitlichen Fragen bei Kindern seien ein hohes Gut, das unbedingt mitbedacht werden müsse. Der Virologe denkt dabei vor allem an Kinder aus sozialen Brennpunkten. So furchtbar es sei, was sich im Zuge der Corona-Pandemie auf den Intensivstationen abspiele (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de)

Dennoch gelte nicht für alle Schulformen das Gleiche: So sieht der Arzt am Uniklinikum Essen eindeutige Unterschiede zwischen Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen. Erstere seien seiner Ansicht nach keine Hotspots. Doch das ändere sich, wenn die Kinder älter würden.

Allerdings hätten Virologen zu dem Thema durchaus unterschiedliche Meinungen, erkennt Dittmer an. Besonders Christian Drosten sei ein starker Vertreter von der Forderung, Schulen zum Schutz vor Corona zu geschlossen zu halten. Ulf Dittmer selbst sei von den Studien aus dem vergangenen Jahr allerdings nicht überzeugt worden, dass Kinder große Gefährder seien.

Virologe aus Essen zum Coronavirus: Keine Sicherheit im Freien

Auch, schränkt der Virologe ein, wenn viele Studien zur Verbreitung des Coronavirus im Sommer durchgeführt worden seien als das Infektionsgeschehen noch ein anderes war. Dennoch gäbe es kaum Hinweise dafür, dass es unter kleineren Kindern zu großen Infektionsketten gekommen sei.

Eine weitere Empfehlung hat der Virologe auch für Frauen mit Kinderwunsch. Die sollten sich so schnell wie möglich gegen Corona impfen lassen. Denn gerade für Schwangere sei eine Covid-19-Erkrankung „sehr, sehr gefährlich“, wie mehrere Fälle im Essener Klinikum gezeigt hätten. Zudem gäbe es keine biologischen Gründe gegen eine Impfung.

Besonders hinsichtlich der neuen, möglicherweise infektiöseren Virusmutation rät der Mediziner auch, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen, wenn man sich im Freien aufhält. Gerade im Winter herrschten optimale Temperaturen für das Virus.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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