Mitarbeiter hatten Angst

Wilde Corona-Szenen im Ruhrgebiet: 40 aggressive Vordrängler erpöbeln sich Biontech-Impfung

Der Mangel an Corona-Impfstoffen hat zu wilden Szenen im Ruhrgebiet geführt. Aus Angst vor Randale wurden 40 dreiste Vordrängler geimpft.

Ennepetal – Die Politik wird nicht müde zu betonen, dass die Impfkampagne gegen das Coronavirus in NRW schon bald an Fahrt aufnehmen wird. Gegenwärtig ist aber noch nicht genug Impfstoff vorhanden, um die Impfpriorisierung aufzuheben und allen Bürgern ein Angebot zu machen. Im Ennepe-Ruhr-Kreis hat das für mächtig Ärger gesorgt.

LandkreisEnnepe-Ruhr-Kreis
BundeslandNordrhein-Westfalen
RegierungsbezirkArnsberg
LandratOlaf Schade (SPD)

Corona: Impfzentrum und „Drive-in“ im Ruhrgebiet überrannt – Vordrängler werden geimpft

Denn bei 40 Personen aus dem Kreis war die Geduld offenbar aufgebraucht. Am frühen Mittwochabend (21. April) seien gegen 17.30 Uhr 15 Personen am Impfzentrum in Ennepetal und 25 weitere am „Drive-in“ in Schwelm aufgetaucht. Sie hätten im Radio gehört, dass aufgrund übrig gebliebener Dosen für den Rest des Tages ohne Termin und ohne Blick auf die Priorisierungsstufen geimpft würde.

Allerdings sei eine solche Nachricht überhaupt nicht über das Programm verbreitet worden, teilte eine Sprecherin des Lokalradios gegenüber Bild mit. Auf Nachfrage des Impfzentrums entschied die Krisenstabsleitung dennoch, die 40 Personen an den zwei Standorten mit dem Corona-Impfstoff von Biontech zu impfen (mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24).

Ruhrgebiet: Dreiste Vordrängler werden gegen Corona geimpft – zum Schutz der Mitarbeiter

Die dreisten Vordrängler traten offenbar aggressiv auf, der Krisenstab wollte durch die außerplanmäßigen Impfungen die Mitarbeiter vor Ort schützen. „Insbesondere in den letzten Tagen hatten wir am Impfzentrum verstärkt mit aggressiv auftretenden und nicht impfberechtigten Bürgern zu tun“, erklärt Krisenstabsleiter Michael Schäfer das Vorgehen.

Zudem seien am Mittwoch aufgrund von nicht wahrgenommenen Terminen ausreichend Impfdosen übrig gewesen, um die 40 Vordrängler neben den Impfberechtigten mit Termin und denjenigen auf der Reserveliste zu impfen. Trotzdem würde der Krisenstab die Entscheidung so nicht noch einmal treffen. Sie sei zwar gut gemeint, aber falsch gewesen.

Das Drive-In-Impfzentrum im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Ennepe-Ruhr-Kreis macht deutlich: Corona-Impfung von rund 40 Vordränglern eine Ausnahme

Man hätte die Priorisierung nicht außer Acht lassen dürfen, teilt der Kreis mit. „Damit verbundener Unmut ist verständlich. In der heutigen Krisenstabssitzung haben wir daher für die Zukunft unmissverständlich geklärt, dass sich ein solcher Fall unabhängig von der jeweiligen Situation nicht wiederholen wird.“

Der Ennepe-Ruhr-Kreis könne den Wunsch der Bürger zwar nachvollziehen, sich zeitnah und wirkungsvoll gegen das Coronavirus schützen zu wollen. Es sei aber im Augenblick noch wichtig, die von Bund und Land festgelegte Impfreihenfolge einzuhalten. „Für diese gab und gibt es gute Gründe.“

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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