Impfkampagne in NRW

Corona-Impfungen: Arzt aus dem Ruhrgebiet schmeißt hin – zu viel Chaos und Frust

Die Einbeziehung der Hausärzte in die Impfkampagne gegen das Coronavirus sollte das Tempo ankurbeln. Doch nicht überall läuft es reibungslos.

Gelsenkirchen – Anfang April begannen die Hausärzte in Nordrhein-Westfalen mit den Impfungen gegen das Coronavirus. Der Start verlief holprig, weil die Menge der zur Verfügung gestellten Impfdosen zunächst sehr gering war. Zum Teil fehlte es auch schlicht an klaren Ansagen, verlässlichen Informationen und Rechtssicherheit für die niedergelassenen Ärzte.

StadtGelsenkirchen
BundeslandNordrhein-Westfalen
RegierungsbezirkMünster
OberbürgermeisterinKarin Welge (SPD)

Corona-Impfungen beim Hausarzt: Nicht nur in NRW sind nach wie vor viele Fragen offen

Zwar hieß es zunächst, dass sich die Hausärzte an die Impfreihenfolge halten sollen. Konkrete Vorgaben waren an vielen Stellen dennoch Mangelware. Der Impf-Gipfel zwischen Bund und Ländern Ende April sollte Klarheit schaffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte dabei eine Aufhebung der Impfpriorisierung spätestens für Juni und mehr Freiheiten für vollständig Geimpfte an. Ansonsten ließ der Impfgipfel aber viele Fragen offen.

„Wir hätten zum Beispiel gern die Verlässlichkeit, dass wir in den Hausarztpraxen tatsächlich so viele Impfstoffdosen erhalten, wie wir bestellen“, hatte etwa Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Ärzteverbands, im Anschluss an die Beratungen von Bund und Ländern gegenüber der Rheinischen Post gesagt. Zudem fehle es bis heute an der Rechtssicherheit bei der Verwendung der siebten Biontech-Impfdosis.

Corona im Ruhrgebiet: Arzt aus Gelsenkirchen stoppt Impfungen – „kommen nicht mehr hinterher“

Aus den Ampullen des Herstellers Biontech können sieben statt der zugelassenen sechs Dosen gewonnen werden. Eine siebte Dosis zu verwenden ist zwar nicht verboten, rechtlich aber nicht abgesichert. Es könne nicht sein, „dass Hausärztinnen und Hausärzte, die im Kampf gegen diese Pandemie alles geben und mit dem vorhandenen Impfstoff so viele Menschen so schnell wie möglich impfen, riskieren, mit einem Bein im Gefängnis zu stehen“, kritisierte Weigeldt gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Doch nicht nur die Impfstoffe selbst sorgen für Probleme, auch die Terminvergabe läuft teils chaotisch ab. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) appellierte deshalb jüngst an alle Impfwilligen, Termine rechtzeitig abzusagen, sollten sie diese nicht wahrnehmen können. Viele Menschen würden versuchen, sowohl in den Impfzentren als auch beim Hausarzt einen Impftermin zu ergattern. Sie nehmen dann den wahr, der schneller klappt, vergessen dabei aber oft, die anderen vereinbarten Termine abzusagen.

Die Einbindung der Hausärzte in die Impfkampagne läuft nicht reibungslos.

Ein Arzt aus Gelsenkirchen hat von dem holprigen Verfahren jetzt genug. Er steigt aus der Impfkampagne aus. „Wir kommen nicht nach, den Patienten hinterher zu telefonieren. Wir haben 30 Portionen Impfstoff bestellt, bekommen aber nur 16. Dann müssen wir wieder Patienten abbestellen, die dann fragen, warum ausgerechnet sie denn nicht geimpft werden“, erklärte eine Mitarbeiterin der Praxis auf Anfrage der WAZ.

Gelsenkirchen: Aufwand bei Corona-Impfungen für Arzt zu groß – kein Einzelfall

Der damit verbundene Aufwand und der daraus resultierende Frust seien zu groß. Es würden jetzt noch alle Patienten geimpft, die bereits einen Termin vereinbart hatten. Neue Termine wird die Praxis in Gelsenkirchen aber nicht mehr vergeben. Auch in anderen Arztpraxen der Stadt schwindet laut WAZ allmählich die Geduld (mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24).

Die niedergelassenen Ärzte hätten allmählich große Mühe, sich an die Impfreihenfolge zu halten. Ein Arzt berichtete etwa, dass er zwei Stunden telefoniert habe, um drei Patienten aus der Altersgruppe der 70 und 80-Jährigen zu erreichen. Dieser Zustand sei nicht tragbar. Er starte deshalb jetzt mit den über 60-Jährigen und den Verkäufern, die an der Front stehen.

Trotz aller Widrigkeiten gehen die Impfungen in Nordrhein-Westfalen gut voran: 35,2 Prozent der Bevölkerung haben (Stand 11. Mai) bereits die Erstimpfung erhalten, 8,8 Prozent genießen den vollen Impfschutz. Laumann kündigte bei einer Pressekonferenz für den Monat Mai insgesamt 760.000 Erstimpfungen und 1,25 Millionen Zweitimpfungen in den NRW-Impfzentren an.

Rubriklistenbild: © Lennart Preiss/AFP

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