Mitten in der Pandemie

Duisburg: Reisebüro plant Reisen zu Corona-Impfungen – Moral-Debatte entfacht

Wenn der Corona-Impfstoff nicht ins Ruhrgebiet kommt, dann kommt das Ruhrgebiet halt zum Impfstoff. Ein Reisebüro bietet entsprechende Reisen an. Ist das moralisch ok?

Duisburg - „Wenn es in Deutschland keinen Impfstoff gibt - dann gehts auf Impfreise!“ - mit diesen Worten wirbt eine Niederlassung des Reisebüros „Sonnenklar.TV“ in Duisburg aktuell für Reisen in Regionen, in denen Corona-Impfungen verfügbar sind.

UnternehmenSonnenklar.TV
SitzMünchen
GeschäftsführerAndreas Lambeck, Andreas Eickelkamp

Impf-Urlaub in vier Ländern: Reisebüro aus Duisburg bietet Corona-Reisen an

Konkret geht es um Reisen in vier Staaten:

  • Israel,
  • Vereinigte Arabische Emirate,
  • Seychellen,
  • Großbritannien.

Der Duisburger Reisebüro-Inhaber Uwe Gerste wirbt um Verständnis und will Missverständnisse direkt ausräumen. Auf der Facebook-Seite seines Unternehmens schreibt er: „Um es ganz klar und deutlich zu formulieren: Es geht natürlich nicht darum, anderen den Impfstoff wegzunehmen o.ä. So können solche Reisen natürlich erst nach vollständiger Durchimpfung der jeweiligen Bevölkerung angeboten werden.“

Es handle sich folglich nur um den Überschuss an Corona-Impfstoff, der dann Reisenden aus Deutschland angeboten werde, versichert der Unternehmer aus Duisburg.

Das Duisburger Reisebüro selbst vermittelt die Reisen des Frankfurter Reiseveranstalters Fitreisen. Der wiederum verkauft seine Reise als Wohltat für die besuchten Urlaubsregionen. „Ihre Reise hilft den vielen Angestellten in Hotels, den Kur- und Heileinrichtungen sowie der allgemeinen Wirtschaft des Landes.“

Corona-Impfstoff: Reisebüro aus Duisburg nutzt „restriktive Verträge“ der Pharmaindustrie aus

Gleichzeitig klärt das Unternehmen darüber auf, warum übergebliebene Impfstoffe nicht einfach an andere Länder weiterverkauft würden. Das, so Fitreisen, liege an den „restriktiven Verträgen“ der Pharmaindustrie mit den Abnehmerländern.

Zudem seien die Anforderungen an Transport, Lagerung und Kühlung „oftmals extrem“. Damit verweist das Unternehmen etwa auf die problematische Lagerung des Biontech-Impfstoffs, der bei hohen zweistelligen Minusgraden aufbewahrt werden muss.

Reise zu Corona-Impfungen richtet sich an spezielle Zielgruppe

Eine Zielgruppe haben die Reiseanbieter auch schon ausgemacht: Personen mit Risikofaktoren und ältere Bürger. Man wolle mit dem Angebot dafür sorgen, dass „möglichst wenige Menschen an Corona sterben oder mit Langzeitfolgen zu kämpfen haben.“

Wer die Impf-Reise antritt, muss mit Kosten zwischen 2000 und 3000 Euro rechnen. Drei bis vier Wochen dauert der Urlaub dann. Die erste Impfdosis gibt es zu Beginn, die zweite zum Ende der Reise. Die Impfung selbst muss separat bezahlt werden. Reisende müssen mit Kosten für den Arztbesuch plus 24 bis 40 Euro für die Impfung rechnen.

Krankenkassen dürften den Urlaub zu Corona-Impfungen nicht bezahlen

Wer auf die Idee kommt, sich die Reise durch die Krankenkasse bezahlen zu lassen, sollte die Pläne schnell streichen. Die Reisekosten seien selbst zu tragen, so der Reiseveranstalter. Die Arzt- und Impfkosten dagegen könnten durchaus durch Krankenkassen übernommen werden - je nach Kasse (hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen).

Die ersten Impf-Reisen sollen bereits Ende März 2021 stattfinden - nach Israel. Im April 2021 geht es dann in die Vereinigten Arabischen Emirate und auf die Seychellen. Ab circa Mai 2021 plant das Reisebüro aus Duisburg mit Corona-Urlauben in Großbritannien.

Fragezeichen hinter Reisen zu Corona-Impfungen: Urlaube nur nach Absprache möglich

Ob die Reisen am Ende wirklich so stattfinden können, ist aber noch nicht ganz klar. Gegenüber dem WDR sagte eine Sprecherin von Fitreisen, das Angebot hänge davon ab, wie schnell die Bevölkerung in den Zielländern durchgeimpft sei. Auch die Bundesregierung habe ein Wörtchen mitzusprechen, so die Sprecherin.

Ganz ohne Kritik bleiben Corona-Urlaube samt Impfung logischerweise nicht. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) findet das Angebot „sehr problematisch“, heißt es beim WDR. Übriggebliebener Impfstoff müsse dort ausgegeben werden, wo er am nötigsten gebraucht werde - und nicht an Urlauber, die sich eine solche Reise leisten können.

Rubriklistenbild: © Sabrina Hentschel/dpa, Uwe Zucchi/dpa, Collage: RUHR24

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