Stadt reagiert jetzt

Corona-Spitzenreiter in NRW: Was ist mit den Infektionen in Herne los?

Die Corona-Fallzahlen in NRW steigen insgesamt an. Regional sind die Unterschiede mit Blick auf den Inzidenzwert allerdings enorm. Herne bereitet die größten Sorgen.

Herne – 2.299 Corona-Neuinfektionen und einen um 3,0 auf 78,9 gestiegenen Inzidenzwert meldete das Landeszentrum Gesundheit am Sonntagmorgen (14. März) für Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Herne im Ruhrgebiet liegt weit über dem Schnitt. Hier stieg die Sieben-Tage-Inzidenz im Vergleich zum Samstag um 12,8 auf 165,5, berichtet RUHR24.de*.

StadtHerne
BundeslandNordrhein-Westfalen
RegierungsbezirkArnsberg
OberbürgermeisterFrank Dudda (SPD)

Herne ist Corona-Hotspot Nummer eins in NRW: Sieben-Tage-Inzidenz deutlich über 150

Damit ist und bleibt Herne der Corona-Hotspot Nummer eins in NRW. Für keinen anderen Kreis und keine andere kreisfreie Stadt im bevölkerungsreichsten Bundesland wies das LZG einen höheren Inzidenzwert aus. Einzig der Märkische Kreis befand sich am Sonntagmorgen mit einem Wert von 156,7 auf einem ähnlich hohen Niveau (alle Entwicklungen zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker*).

Deutschlandweit standen am Sonntagmorgen nur noch 25 Kreise schlechter als Herne da. Allzu zeitnah scheint sich dieser Trend nicht zu verbessern. Denn auch am Sonntag erklärte die Stadt in einer offiziellen Mitteilung, dass sie 39 weitere bestätigte Corona-Fälle an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt hätte. Tags zuvor waren es 49.

Herne: Krisenstab reagiert auf Corona-Ausbrüche – Personengruppe wird seit Freitag geimpft

Um die Lage in den Griff zu bekommen, tagte am Freitag (12. März) der Krisenstab der Stadt. Bei der Sitzung einigte man sich in der Ruhrgebietsstadt auf mehrere Gegenmaßnahmen, die bereits umgesetzt werden. Im Fokus stehen dabei besonders die Orte, an denen es zuletzt vermehrt Ausbrüche in Herne gab – Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen.

Gemeinsam mit den Trägern der Einrichtungen habe man sich beraten, wo genau es in den vergangenen Tagen zu Infektionen mit dem Coronavirus gekommen sei. Die Konsequenz aus den Beratungen: Bereits am Freitag wurden die ersten Personen aus den Einrichtungen im Impfzentrum am Revierpark Gysenberg geimpft (mehr News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24.de).

Dass es dazu erst jetzt kommt, kritisierte die Geschäftsführerin einer von einem Corona-Ausbruch betroffenen Einrichtung gegenüber der WAZ. In Herne hätte man die entsprechenden Einrichtungen anders als etwa in Bochum und Gelsenkirchen nicht mit höchster Priorität durchgeimpft. Der Krisenstab weist die Kritik zurück und erklärt, sich bei der Reihenfolge der Impfungen an die gesetzlichen Vorgaben gehalten zu haben.

Corona-Hotspot Herne ändert Impfstrategie – weiterführende Schulen öffnen wieder

Bei den Impfungen in den Einrichtungen der Eingliederungshilfe will die Stadt Herne jetzt jedenfalls Tempo machen. Bis zum 28. März stünden planmäßig rund 1000 Impfdosen für die 15 Einrichtungen zur Verfügung, erklärte eine Stadtsprecherin gegenüber der WAZ. Das hänge allerdings auch davon ab, wie zuverlässig die Impfstoff-Lieferungen von der Landesregierung eintreffen.

Da die Corona-Ausbrüche in der Ruhrgebietsstadt gut abgrenzbar seien, werde man ansonsten kaum von dem landesweiten Vorgehen bei den Lockerungen der Corona-Maßnahmen abweichen – trotz der hohen Sieben-Tage-Inzidenz. Neben der Öffnung von Musikschulen und Sportanlagen für Freizeitsportler werden die Schüler an weiterführenden Schulen am Montag (15. März) in den Präsenzunterricht zurückkehren.

An den Schulen sollen dann die vom Land NRW zur Verfügung gestellten Selbsttests* eingesetzt werden. Fallen Tests positiv aus, werden die betroffenen Schüler umgehend nach Hause geschickt. Die jeweilige Klasse geht dann zurück in den Distanzunterricht.

Herne: Corona-Sorgenkind will Luca-App von Smudo so schnell wie möglich zur Nachverfolgung einsetzen

Auf den umfangreichen Einsatz von Schnelltests setzt man in Herne gemäß der von Bund und Ländern beschlossenen neuen Teststrategie* auch jenseits der Schulen. 16 Arztpraxen und vier Apotheken bieten in Herne bereits Schnelltests an. Mit vier weiteren Anbietern befinde sich die Stadt im Gespräch. Eine Auflistung aller Teststellen finden Bürger hier.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie plant der Corona-Hotspot zudem den Einsatz der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung. Die App, hinter der unter anderem der Rapper Smudo (53) von den Fantastischen Vier steht, ermöglicht die Dokumentation von Besuchen in Restaurants oder kulturellen Einrichtungen mithilfe eines QR-Codes.

Fanta-4-Rapper Smudo ist eines der Gesichter hinter der App „Luca“.

Sollte anschließend eine Corona-Infektion diagnostiziert werden, können Betroffene das über die Luca-App melden. Das Gesundheitsamt wird dann automatisch informiert und bekommt Daten zur Kontaktnachverfolgung zur Verfügung gestellt.

Ein Starttermin stehe aber noch nicht fest – auch wegen offener technischer Fragen zwischen Anbieter, Land und den Gesundheitsämtern. „Die Stadt Herne strebt an, auf Anregung der Anbieter, die App so schnell wie möglich einzubeziehen“, heißt es dazu aus dem Krisenstab. *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa, LZG NRW; Collage: RUHR24

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