Corona-Pandemie in NRW

RKI warnt vor Delta-Variante – erste Stadt im Ruhrgebiet reagiert

Die Delta-Variante des Coronavirus könnte schon bald für viele Neuinfektionen sorgen. Laut RKI breitet sie sich auch im Ruhrgebiet stark aus.

Dortmund – Nach Alpha kommt Delta: Das gilt zumindest für den Verlauf der Corona-Pandemie in Deutschland und dem Ruhrgebiet. Denn nachdem sich die sogenannte britische Variante (B.1.1.7, Alpha) im Frühjahr bei den Neuinfektionen durchgesetzt hat, könnte sie schon bald abgelöst werden. Denn die neue Variante Delta (B.1.617.2, Indien) sorgt derzeit für viele Neuinfektionen, auch in Nordrhein-Westfalen.

NameBezeichnungLand
AlphaB.1.1.7Großbritannien
BetaB.1.351Südafrika
GammaP.1Brasilien
DeltaB.1.617.2Indien

Coronavirus in NRW: Delta-Variante breitet sich aus – Jens Spahn und RKI besorgt

Die von der WHO als „besorgniserregend“ eingestufte Delta-Variante des Coronavirus wurde Ende März 2021 erstmals in Deutschland nachgewiesen. Seitdem breitet sich die offenbar aus Indien stammende Variante des Virus in Deutschland aus. Anfang Juni sorgt es bereits für 6 Prozent der Neuinfektionen (siehe Grafik), auch wenn es insgesamt natürlich weniger Ansteckungen gibt.

Das klingt zunächst nach wenig, die Zunahme ist jedoch besorgniserregend. Zur Erinnerung: Auch die nun dominierende Alpha-Variante (B.1.1.7) hatte einmal so klein angefangen.

Auch Delta-Variante verbreite sich schnell, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag (18. Juni) in Berlin. Die Frage sei nicht ob, sondern wann sie die dominierende sei, sagte er. RKI-Chef Lothar Wieler rechnet gar damit, dass dieses Virus sich bereits im Herbst durchgesetzt haben wird.

Corona in NRW: Über 100 Infektionen mit Delta-Variante nachgewiesen

In NRW wurden laut RKI bislang 110 Delta-Infektionen nachgewiesen. Es gibt weitere 157 Verdachtsfälle. Neben Baden-Württemberg und Berlin darf das Bundesland damit als Hotspot für diese Variante gelten. Während sich in Dortmund nach Angaben der Stadt erst eine Person mit der Delta-Variante angesteckt hat, nennen andere Kommunen bereits ganz andere Zahlen. Laut RKI kommen mehrere Meldungen etwa aus Bochum und dem Kreis Unna.

RKI-Präsident Lothar Wieler warnt vor der Coronavirus-Variante Delta.

In Hagen wurden am 8. Juni gleich 16 Infektionen mit der als ansteckender geltenden Delta-Variante nachgewiesen. Die Stadt reagierte daraufhin laut der Westfalen-Post und verlängerte die Maskenpflicht an belebten Orten bis Donnerstag (24. Juni). Nach Angaben der Stadt Hagen ist erst etwas mehr als ein Drittel der Bürger vollständig geimpft (35,6 Prozent).

Auch der Kreis Wesel hat bislang zwölf Infektionen mit der aus Indien stammenden Corona-Variante gemeldet. Am Donnerstag meldete der Kreis Viersen die ersten Delta-Fälle. Landrat Andreas Coenen (CDU) mahnte in der Rheinischen Post: „Dass sie unseren Kreis jetzt erreicht hat, zeigt, dass wir alle weiter sehr vorsichtig sein müssen – trotz der aktuell sehr niedrigen Fallzahlen.“

Coronavirus: Großbritannien und Portugal reagieren auf Delta-Ausbrüche

Wie dramatisch die Lage sich recht schnell entwickeln kann, zeigen zwei Beispiele aus anderen europäischen Ländern:

  • Großbritannien: Hat seine geplanten Öffnungen im Juni verschoben, weil dort die Delta-Variante des Coronavirus zugeschlagen hatte. Zuvor waren innerhalb einer Woche 33.000 Infektionen mit der Variante B.1.617.2 erfasst worden.
  • Portugal: Riegelt seine Hauptstadt Lissabon für zweieinhalb Tage ab, nachdem die Delta-Variante dort in kürzester Zeit für viele Infizierte gesorgt hatte.

Coronavirus: Delta-Variante gilt als ansteckender – Städte in NRW lockern

Problematisch könnte dabei auch in Deutschland und NRW werden, dass diese Variante im Vergleich zu Alpha als noch leichter übertragbar gilt, wie das RKI berichtet. Die gängigen Impfstoffe von Biontech, Moderna oder Astrazeneca sollen dagegen jedoch weiterhin einen hohen Schutz bieten, wenn auch etwas geringer als gegen B.1.1.7.

Parallel schaffen zudem aktuell viele Städte und Kreise in NRW etwa die Maskenpflicht im Freien ab, in Bus und Bahn reicht künftig vielerorts wieder ein OP-Mundschutz. Grund für diese Entscheidung des Landes sind die niedrigen Inzidenzwerte (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Zugleich sind jedoch noch zu wenige Menschen geimpft, als dass Herdenimmunität herrschen könnte. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte daher am Freitag auf Twitter bereits vor der „rasanten Ausbreitung“ der Delta-Variante: „Wir müssen aktiv daran arbeiten, eine sehr hohe Impfquote zu erreichen.“

Rubriklistenbild: © HANNIBAL HANSCHKE

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