Bürgerdialog mit Folgen

Angela Merkel: Frau aus Bochum bricht bei Gespräch in Tränen aus: „tut weh, wenn ich ihr Unglück sehe“

Bundeskanzlerin Merkel stellte sich bei einem Bürgerdialog den Fragen der Familien. Auch eine Mutter aus dem Ruhrgebiet war dabei und hatte der Kanzlerin unter Tränen einiges zu sagen.

Nordrhein-Westfalen – Möglichst bürgernah sein - ein wichtiges Anliegen, wie viele Politiker immer wieder gerne betonen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) möchte in der Corona-Krise - oder gerade dann - den Dialog zu den Bürgern suchen und stellte sich 14 Müttern und Vätern. Auch eine Frau aus dem Ruhrgebiet war dabei.

Deutsche BundeskanzlerinAngela Dorothea Merkel
ParteiChristlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Im AmtBundeskanzlerin seit 2005
Geboren 17. Juli 1954 (Alter 66 Jahre) in Hamburg

Bügerdialog mit Merkel: Kanzlerin stellt sich 14 Müttern und Vätern

Die Corona-Pandemie bringt insbesondere viele Familien an ihre Grenzen. Kommt es doch einer Mammutaufgabe gleich Homeoffice, Homeschooling und Haushalt auf einmal zu wuppen. Grund genug für die Kanzlerin sich beim virutellen Bürgerdialog am Donnerstag (4. Februar) den Fragen der Eltern zu widmen.

Und dabei bekam Merkel viel Frustration zu spüren. Die 14 Mütter und Väter, die zuvor von verschiedenen Verbänden für die Teilnahme ausgesucht wurden, hatten der Kanzlerin einiges zu sagen. So auch Jihan Khodr, Sozialarbeiterin aus Wattenscheid bei Bochum.

Bei Bürgerdialog mit Merkeln bricht Frau aus dem Ruhrgebiet in Tränen aus

Die Frau aus dem Ruhrgebiet, die ursprünglich aus dem Libanon kommt, engagiert sich in der Flüchtlingshilfe und hat selbst vier Kinder. „Es ist eine Ehre“, beginnt die Wattenscheidern – doch kann sie ihren Satz nicht zu Ende bringen. Ihr kommen die Tränen.

Mit weinender Stimme berichtet sie der Kanzlerin ihre Situation. Oder viel mehr derer, mit denen sie täglich zu tun hat. Insbesondere für geflüchtete Frauen und Mütter sei die aktuelle Lage besonders schwer und das Homeschooling kaum zu handhaben. „Es waren immer Probleme da, aber es war nie so sichtbar wie in Corona-Zeiten. Wir wollen unseren Kindern mehr helfen“, aber viele Eltern seien machtlos erzählt die Mutter (alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie bei RUHR24.de).

Bürgerdialog mit Merkel: Emotionaler Bericht einer Frau aus dem Ruhrgebiet

Die Bildung der Kinder bliebe auf der Strecke, so die Frau aus Wattenscheid, die seit 1989 in Deutschland lebt. „Viele Migrationsfamilien in Bochum und Wattenscheid sind einfach Analphabeten. Die Kinder bekommen die Unterstützung nicht.“ Eine Vernetzung zwischen Schulen und Bildungszentren sei daher längst überfällig.

Doch nicht nur die ausbleibende Bildung für die Kinder sei ein Problem, auch die finanzielle Belastung. Ein neuer Drucker fürs Homeschooling, Masken für die Kinder oder zusätzliche Mahlzeiten machen sich bei den monatlichen Kosten bemerkbar. Dem stimmen die anderen Eltern, die an dem Bürgerdialog mit Kanzerlin Merkel teilnehmen, zu.

Tränen bei Bürgerdialog mit Merkel: So reagiert die Kanzlerin

Angela Merkel verweist in dem Zusammenhang auf den Kinderbonus von 150 Euro, der am Mittwoch von der Regierung beschlossen wurde. Doch das sei nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein, entgegnen ihr die Eltern. So müsse der Bonus bei getrennt lebenden Eltern beispielsweise zur Hälfte aufgeteilt werden.

Merkel zeigt Verständnis und teilt die Sorge der Eltern: „Es tut mir natürlich auch weh, wenn ich ihr Unglück sehe“, sagt sie. Aber: „Ich kann Ihnen jetzt auch keine richtig guten Antworten geben.“ Zum Trost verspricht sie Jihan Khodr aus Wattenscheid und auch den anderen Eltern, einige der Anregungen mitzunehmen.

Bürgerdialog mit Merkel: Kanzlerin verspricht Licht am Ende des Tunnels

Auch gibt Merkel vor, dass Schulen und Kitas bei den Lockerungen Priorität haben und hofft, „dass das keine endlose Zeit mehr ist, sondern dass man da auch Licht am Ende des Tunnels sieht“. Nicht nur die Mutter aus dem Ruhrgebiet, sondern auch die anderen Eltern haben dafür konkrete Vorschläge:

Zum Beispiel wurde ein Spucktest für Kinder vorgeschlagen, damit die Kitas wieder öffnen können oder Gutscheine für Nachhilfeunterricht, damit der Schulstoff nach Ende des Lockdowns aufgeholt werden kann. Ob und was am Ende davon umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

Aber es bleibt zu hoffen, dass Merkel nun ein Stück mehr in der Corona-Realität der Familien angekommen ist. So sagte sie zum Schluss: „Eigentlich müsste ich zu jedem von Ihnen nach Hause kommen und mich drei Stunden mit ihren Kindern beschäftigen, damit sie mal durchatmen können und eine Stunde Sport machen können.“ Und räumt umgehend ein: „Zumal ich das wahrscheinlich gar nicht darf, weil sie vermutlich schon eine Kontaktperson haben.“

Rubriklistenbild: © John Macdougall/dpa

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