Digitaler Unterricht

Corona in Bochum: Nachlässigkeit in Schulen - „Nicht eine Minute Distanzunterricht darf ausfallen!“

Um die Digitalisierung an Schulen in Bochum steht es schlecht. Ausbaden müssten das die Schüler. Dabei gab es genug Vorlauf sagen Kritiker.

Bochum - „Corona offenbart, wie schlecht es um die Digitalisierung Bochumer Schulen steht.“ Jetzt räche sich, dass sich die Stadt erst 2019 überhaupt mit dem Thema Digitalisierung in Schulen befasst hätte, erklärt Dr. Volker Steude, Vorsitzender der Fraktion „Die Partei & Stadtgestalter“ in Bochum wütend. Und er wird noch deutlicher: Nicht eine Minute Distanzunterricht dürfe aufgrund der vorangegangenen Versäumnisse ausfallen.

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Bochum: Schulen schlecht für Distanzunterricht in der Corona-Pandemie gerüstet

Der Fraktionsvorsitzende ist sichtlich empört: Erst jetzt schaffe die Stadt Bochum die ersten Geräte für Schulen an. Dabei sei das Thema Digitalisierung schon lange in allen Bereichen diskutiert worden. Genug Vorlaufzeit sich vorzubereiten - vor der Corona-Krise, aber auch im Sommer nach Ausbruch der Pandemie – hat es offenbar also gegeben (alle News zu Corona in NRW im Live-Ticker von RUHR24.de).

Allein aus technischen Gründen würde nun für die Schüler in Bochum viel Unterricht ausfallen. Unterricht, der in anderen Städten möglicherweise erteilt werden könne. In Dortmund stehen Schülern beispielsweise inzwischen fast 20.000 iPads zur Verfügung. Allerdings wurden auch in der Nachbarstadt die Geräte erst kurz vor knapp, im Dezember 2020, angeschafft.

Die Kritik richtet Volker Steude von Der Partei allerdings nicht nur an die Stadt. Auch den Lehrer wirft er weitreichende Versäumnisse vor. „Außer Aufgaben hochladen, haben viele Lehrer wenig zustande gebracht. Das war blamabel.“ Besonders die Woche vor den Weihnachtsferien habe gezeigt, dass viele Schulen und Lehrer die Zeit nicht genutzt hätten, sich auf den Distanzunterricht in der Corona-Pandemie vorzubereiten (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

Bochum: Corona-Pandemie macht Distanzunterricht erforderlich

Er und seine Partei würden gerne wissen wollen, wie Lehrerinnen und Lehrer in der Ferienzeit technisch geschult wurden, um Geräte wie Videokonferenz-Software zum Distanzunterricht nutzen zu können. Seiner Ansicht nach, hätten es viele Schulen und Lehrer versäumt, sich auf den Distanzunterricht vorzubereiten und entsprechende Konzepte zu erarbeiten. Ein Anfragenpaket vom 17. Dezember, den die Fraktion in der Ratssitzung eingebracht hatte, sei jedoch nach wie vor unbeantwortet.

Sitz im Rat der Stadt Bochum: Dr. Volker Steude von Die Partei & Stadtgestalter

Ausbaden müssten diese Versäumnisse vonseiten der Stadt, der Schulen und der Lehrkräfte ausgerechnet die, die es eh schon besonders schwer hätten: Kinder die in schwierigen Familienverhältnissen leben. „Gerade die Zukunftschancen von Kindern aus finanziell schwierigen Verhältnissen werden verspielt“, schimpft der Vorsitzende der Fraktion.

Birgit Güting, die die Schiller-Schule im Bochumer Süden leitet, hält jedoch dagegen. Wie sie gegenüber der WAZ erklärt, sei die Schule gut auf den Distanzunterricht vorbereitet: Beinahe jeder Schüler sei mit einem iPad ausgestattet. Das Schulen jetzt Distanzunterricht geben müssten, sei nicht anders zu erwarten gewesen, ergänzt die Schulleiterin. Ein passendes Konzept würde es daher auch geben.

Corona: Schulen in Bochum im Notfallbetrieb

Dennoch sind einige Schulen doch überrascht davon, jetzt in den Distanzunterricht zu gehen. Das allerdings könnte damit zusammenhängen, dass Yvonne Gebauer lange darauf bestand, den Präsenzunterricht fortzuführen. Dass Schulen nun doch nur im Notfallbetrieb arbeiten, kam Anfang Januar einem überraschenden Strategiewechsel der Schulministerin gleich.

Etwas zynisch und in gewohnt satirischer Manier der Partei ergänzt Vincent Stock, schulpolitischer Sprecher der Fraktion, dass übergangsweise wenigstens alte Overheadprojektoren aus den 1970ern, die noch massenhaft in Schulen im Einsatz sind leicht zweckentfremdet werden könnten. So könnten Aufgabenfolien an die winterliche Wolkendecke projiziert werden. Das könnte bei den Schülern zwar zu Halsstarre führen, doch das sei immer noch gesünder, als auf den üblichen Stühlen im Klassenzimmer oder gar auf dem verdreckten Schulklo sitzen zu müssen.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass die Maria Sibylla Merian-Gesamtschule in Bochum nicht ausreichend auf den Distanzunterricht vorbereitet sei. Ulrich Sauter, Schulleiter der Schule stellt jedoch klar, dass an der Schule seit den letzten Sommerferien 2020 eine voll funktionierende Lernplattform auf Moodle geschaffen worden sei, auf der alle Klassen und Kurse für das Distanzlernen hinterlegt sind. Zudem seien alle Schüler in die Plattform eingebucht und die Lehrkräfte hätten das digitale Lernen mit den Schülern schon seit dem Sommer 2020 geübt und trainiert.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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