Vor dem Mini-Lockdown in NRW

Kneipen-Wirt aus Bochum poltert gegen Kollegen wegen Corona-Kritik: „Hört auf zu jammern“

Das Bermudadreieck in Bochum.
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Das Bermudadreieck in Bochum muss (mindestens) vier Wochen in den Lockdown.

Kneipen, Bars und Restaurants in Bochum sind ab Montag (2. November) dicht. Ein Wirt findet das besser, als unter den Corona-Umständen weiterzuarbeiten.

Bochum - Vier Wochen lang müssen Kneipen-Wirte und Restaurant-Besitzer auf die Zähne beißen. Ab dem 2. November dürfen sie nicht mehr öffnen. Die Corona-Maßnahmen treffen die Gastronomie in Bochum hart - oder etwa doch nicht? Ein Kneipen-Wirt aus Bochum scheint da anderer Meinung zu sein.

StadtBochum
Corona-Fälle seit Pandemie Beginn2598 (Stand 30. Oktober)
7-Tage-Inzidenz160.8 (Stand 30. Oktober)

Coronavirus in Bochum: Wirt kritisiert Kollegen aus der Gastronomie

„Liebe Kolleg/innen, liebe DEHOGA! Hört auf zu jammern, ich kann euer Geheule über die letzten beschlossenen Maßnahmen nicht mehr ertragen“, schreibt die Kneipe „Zur Postkutsche“ auf ihrem Facebook-Auftritt. Stattdessen setzen die Betreiber der Innenstadt-Kneipe auf die Hilfe des Staats.

„Geht auf die Knie, dass die Regierung euch/uns 75% aus 11.19 erstattet! Egal, was ihr in Hygienekonzepte investiert habt, ihr hättet mit keinem Konzept der Welt wirtschaftlich erreicht, was die Regierung uns jetzt schenkt! Etwas Demut täte gut!“, heißt es in dem Beitrag des Wirtes aus Bochum weiter.

Coronavirus in Bochum: Wirt nimmt lieber Hilfen, statt unter Corona zu öffnen

Heißt konkret: Dicht machen und auf bessere Zeiten warten würde so manch einem Gastronomen besser tun, als unter den aktuellen Corona-Bedingungen geöffnet zu haben.

Laut der neuen Coronaschutzverordnung von NRW, die ab dem 2. November bis zum Ende des Monats greift, sind alle gastronomischen Tätigkeiten in NRW im Grundsatz untersagt. Es gibt drei Ausnahmen:

  • Betriebskantinen zur Versorgung der Beschäftigten bzw. der Nutzer der Bildungseinrichtung,
  • Abhol- und Lieferdienste von Speisen (in Klärung, ob auch Getränke umfasst sind),
  • Bewirtung von zulässigen Veranstaltungen.

Wer also nicht zu den oben genannten Ausnahmen gehört, der muss Wohl oder Übel schließen. Für diese Einrichtungen hat die Bundesregierung Hilfen auf den Weg gebracht. Dafür stehen insgesamt bis zu 10 Milliarden Euro bereit, teilte das Bundesministerium für Finanzen am Donnerstag (29. Oktober) mit.

Coronavirus in Bochum: Gastronomie bekommt Hilfe vom Staat

Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten etwa können eine einmalige Kostenpauschale in Höhe von bis zu 75 Prozent ihres Umsatzes von November 2019 erhalten. Bei jungen Unternehmen, die nach November 2019 gegründet wurden, gelten die Umsätze von Oktober 2020 als Maßstab. Soloselbständige haben das Wahlrecht, als Bezugsrahmen für den Umsatz auch den durchschnittlichen Vorjahresumsatz 2019 zugrunde zu legen. Darüber hinaus gibt es viele weitere Hilfsgelder - auch für große Betriebe.

Video: Corona-Maßnahmen: Scholz betont „massive“ staatliche Hilfen

Es sind Maßnahmen, die zumindest den Betreibern der „Postkutsche“ in Bochum die bessere Alternative zu sein scheinen, als ein Betrieb zwischen Desinfektionsspray, weit auseinanderstehenden Tischen und Zugluft durch offene Fenster.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband e. V. (DEHOGA) als Branchenverband des deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes kritisiert den Mini-Lockdown dagegen und warnt vor einem Kollaps des Gastgewerbes. „Das Gastgewerbe ist kein Pandemietreiber“, wird DEHOGA-Präsident Guido Zöllick in einer Stellungnahme des Verbands zitiert.

Coronavirus in Bochum: DEHOGA kritisiert Mini-Lockdown

Es könne zudem nicht sein, dass die Betriebe wieder über Nacht mit neuen Maßnahmen überrumpelt würden, warnt Zöllick vor einem neuen Regelungschaos. Die Corona-Pandemie habe kaum eine Branche so hart getroffen wie Gastronomie und Hotellerie. „Statt immer neuer unbegründeter Verbote braucht die Branche endlich wirksame Hilfe“, sagt Zöllick und appelliert an die Ministerpräsidenten, ihre Entscheidungen sorgfältig abzuwägen.

Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA

Auch in der Bochumer Gastronomie scheint man enttäuscht von den neuerlichen Beschränkungen für Bars, Kneipen und Restaurants. Viele Wirte verweisen auf ihre unermüdliche Arbeit für den Infektionsschutz. Es sei viel Geld geflossen in Belüftungssysteme, Hygieneprodukte oder weitere Umbauten. Vorerst offenbar vergebens.

Coronavirus in Bochum: Bermudadreieck will noch ein Wochenende „feiern“

Auch deshalb will das Bermudadreieck in Bochum - in dem es zuletzt Kritik an einer seit Pandemie-Beginn geschlossenen Kult-Kneipe gab - an diesem Wochenende, kurz vor Beginn des Mini-Lockdowns, noch einmal mit seinen Fans eine Art Abschied feiern: „Das gesamte Bermuda würde sich freuen, wenn ihr an diesem Wochenende die Restaurants, Bars und Cafés besucht. Kommt also gerne vorbei und unterstützt die regionale Gastronomie.“

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