Clankriminalität: Mehr als 400 Tatverdächtige in Dortmund

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Mit groß angelegten Razzien will die Polizei die Clankriminalität in NRW bekämpfen. Innenminister Herbert Reul (CDU) stellt am Mittwoch ein Lagebild vor. Foto: dpa

Bei einer Tagung in Essen haben hunderte Vertreter aus Politik und Polizei am 30. Januar über Clankriminalität diskutiert. Die Zahlen sind erschreckend.

Clankriminalität ist ein großes Problem im Ruhrgebiet. Auf einer Expertentagung in Essen haben Vertreter von Politik und Polizei über das Thema diskutiert. Die Zahlen sind erschreckend.

Sie betreiben Drogenhandel, sind im illegalen Glücksspiel und im Rotlichtmilieu tätig und erpressen Schutzgelder: Mitglieder von kriminellen Clans haben oft mehrere Straftaten auf dem Buckel.

Auch in Dortmund ist Clankriminalität kein Fremdwort. Egal ob mit groß angelegten Razzien oder kleineren Einsätzen - das Thema sorgt immer wieder für Schlagzeilen.

Expertenkonferenz in Essen: "360° Maßnahmen gegen Clankriminalität"

Um diese Art der Kriminalität weiter einzudämmen, fand am Mittwoch (30. Januar) die bundesweit erste Tagung speziell zum Thema statt. Unter dem Motto "360° Maßnahmen gegen Clankriminalität" diskutierten rund 560 Experten von Polizei, Politik, Justiz und Religion über das Thema.

"Bei der Bekämpfung der Clankriminalität setzen wir in Nordrhein-Westfalen auf einen Dreiklang", sagte Innenminister Herbert Reul. Razzien sollen dabei immer wieder Nadelstiche setzen, während die Polizei mit intensiver Ermittlungsarbeit die organisierte Kriminalität bekämpfen will. Als dritten Punkt nannte Reul die Hilfe für Aussteiger.

157 Strafanzeigen und mehr als 170 Platzverweise: Dass diese Maßnahmen notwendig sind, zeigen die Zahlen aus dem Jahr 2018 in Dortmund. Einer der großen Erfolge der Polizei: Im Unionviertel fanden sie bei einem 23-Jährigen über 300.000 Euro Bargeld und Kokain. Wie die Polizei jetzt mitteilt "ein empfindlicher Schlag in die Szene".

Essen als "Hotspot" für kriminelle Clans

Wenn es um Clankriminalität geht, dann ist Essen ein wahrer "Hotspot". Etwa 1270 von den 6500 Tatverdächtigen der letzten drei Jahre kamen aus der Ruhrgebietsstadt. Das berichtet Thomas Jungbluth, ein Experte beim LKA. Aus Dortmund kamen demnach etwa 400 der Tatverdächtigen.

Die meisten Straftaten sind dabei Gewalttaten mit Körperverletzung: 5606 Fälle haben die Beamten hier in den vergangenen drei Jahren gezählt. Dazu kommen je 2600 Eigentums- und Betrugstaten.

Wie Radio 91.2 berichtet, kommen die meisten Tatverdächtigen aus dem Libanon oder der Türkei. Rund 35 Prozent hätten die Deutsche Staatsangehörigkeit.

Aktuelle Top-Themen:

Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange will aber nicht aufgeben: "Ich kann versprechen: Der Dortmunder Polizei wird die Puste nicht ausgehen! Am Ende werden wir den kriminellen Clanstrukturen das Handwerk legen."

In NRW werden demnächst zwei Luxus-Autos versteigert, die im Rahmen einer Razzia gegen Clankriminalität beschlagnahmt wurden.