Anwohner werden per Post aufgeklärt

Stadt Bochum macht schreckliche Entdeckung im Park: "Hochgiftig, krebserregend und erbgutverändernd"

Im Park "Am Ehrenmal" in Wattenscheid hat die Stadt Bochum mit Dioxin belastetes Kieselrot gefunden. 
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Im Park "Am Ehrenmal" in Wattenscheid hat die Stadt Bochum mit Dioxin belastetes Kieselrot gefunden. 

In einem Park in Bochum-Wattenscheid wurde gesundheitsgefährdendes Dioxin in den Gehwegen gefunden. Die Anwohner werden informiert. Besteht eine akute Gefahr?

  • Dioxin ist Bestandteil des Füllmaterials "Kieselrot", das früher zum Beispiel für Sportplätze verwendet wurde.
  • In den 1990er-Jahren fand man heraus, wie schädlich der Stoff ist.
  • In Folge wurden in Bochum etliche Gehwege, Sportanlagen und Spielplätze saniert.

Bochum - Bei der Umgestaltung des Parks "Am Ehrenmal" in Wattenscheid gibt es eine Wendung. Die Stadt Bochum ist dort unerwartet auf mit Dioxin belastetes Kieselrot gestoßen - einem Füll- und Streumaterial, das in den 50er- und 60er-Jahren für den Bau von Gehwegen genutzt wurde und vielerorts auch als Belag auf Sportplätzen zu finden war. Es gilt als gesundheitsgefährdend.

Stadt Bochum: Schädliches Dioxin bei Umgestaltung im Park gefunden

Aufmerksam wurde die Stadt Bochum auf die Schadstoffe, weil ein Garten- und Landschaftsunternehmen derzeit die Wege in dem Park "Am Ehrenmal" erneuern soll. Im Rahmen der Arbeiten wurde die ausgehobene Erde untersucht, um anschließend eine korrekte Entsorgung zu gewährleisten. 

Das erste Probenergebnis lag bereits am Mittwoch (4. März) vor, allerdings unterschritten die gemessenen Werte deutlich die Grenzwerte. Das Umwelt- und Grünflächenamt entschied daher, einen erneuten Test durchführen zu lassen. Diesmal im gesamten Park - und tatsächlich: Die gemessenen Werte für Dioxin lagen deutlich über den Grenzwerten. Doch die Stadt Bochum gibt Entwarnung.

Stadt Bochum: Entwarnung wegen Dioxin im Park in Wattenscheid

„Richtig ist, dass Dioxin an sich hochgiftig, krebserregend und erbgutverändernd ist, hier liegt der Schadstoff aber gebunden in Kupferschlacke vor – es ist also kein Kontaktgift“, erläutert Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke. Eine Gefährdung für Besucher des Parks oder für Anwohner bestünde daher nicht. 

Zudem sei das Dioxin nicht wasserlöslich und würde, wenn es regnet, nicht ausgeschwemmt werden. Spaziergänger können dadurch gar nicht erst in Kontakt mit dem Schadstoff kommen. Sorgen bereite der Stadt Bochum, welche aktuell auch seine Innenstadt verschönern will, demnach nicht die Gesundheitsgefährdung seiner Bürger, sondern vielmehr die Entsorgung des Dioxins. 

Dioxin in Kieselrot: Problem seit den 1990er-Jahren bekannt

Wie die Behörden in einem Schreiben vom 9. März (Montag) mitteilen, ist bereits seit 1991 bekannt, dass Kieselrot mit Dioxin belastet ist. Das Problem: Etliche Spazierwege sowie Sport- und Spielplätze wurden mit dem Material gebaut. Das Land NRW veranlasste daraufhin entsprechende Untersuchungen.

„Anlass war die Kupferschlacke, die ein Unternehmen aus Marsberg seinerzeit unter dem Produktnamen Kieselrot vertrieben hatte und das sich im Gegensatz zu Kupferschlacke anderer Hersteller als dioxinbelastet erwiesen hatte“, schildert Dr. Jürgen Schneider, Leiter der Abteilung für Technischen Umweltschutz im Umwelt- und Grünflächenamt.

Stadt Bochum: Verdachtsflächen wegen Kieselrot getestet

Die Stadt Bochum hatte daraufhin städtische Verdachtsflächen, darunter vor allem Aschesportplätze, auf Kieselrot untersuchen lassen und nach und nach saniert. Denn: „Die langfristige Entsorgung, spätestens bei einer Instandsetzung von Flächen, hielt das Land für notwendig“, erklärt Dieter W. Hartwig, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamts. „Genau dies werden wir nun im Park Am Ehrenmal in Wattenscheid tun.“

Aufgrund der speziellen Entsorgung des belasteten Altmaterials rechnet die Stadt Bochum nun mit höheren Kosten für die Neugestaltung der Anlage. Ob es auch zu einer längeren Bauzeit kommen kann, ist aktuell noch nicht absehbar. Mit der Sanierung von Kieselrot hat die Stadt Bochum langjährige Erfahrung, auch mit vergleichbar belasteten Flächen. So hat sie die letzte Kieselrot-Sanierung 2014 abgeschlossen.

Ehrenmal Wattenscheid

Stadt Bochum: Grünflächen im Park in Wattenscheid belastet?

Bevor die Sanierung der Wege des Parks "Am Ehrenmal" überhaupt beginnen kann, möchte die Stadt Bochum auch die Grünflächen der Anlage testen. Sie möchte sichergehen, "dass beim bisherigen Wegebau kein Kieselrot auf die Grünflächen und die geplante Spielzone getragen wurde."

„Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass sie belastet sind, da Kieselrot üblicherweise damals für den Platz- und Wegebau benutzt wurde“, so Markus Bradtke. Für Grünflächen gelten im Gegensatz zu Plätzen und Wegen, Gewerbe- und Industrieflächen sensiblere Grenzwerte.

Stadt Bochum informiert Anwohner über Stand im Park "Am Ehrenmal"

Anwohner sollen über die geplanten Änderungen und den aktuellen Stand der Sanierungen per Post informiert werden. „Wir wollen selber erklären, was im Park Am Ehrenmal passiert, und nicht andere von außen deuten lassen“, so Markus Bradtke.

Weitere Informationen sowie die bisherigen Ergebnisse zu den Sanierungen in Wattenscheid können alle Interessierten auf der offiziellen Website der Stadt Bochum bekommen.

Ebenfalls für Aufsehen gesorgt hat eine Aktion der autonomen Linken. Sie hatten in Bochum eine lebensgroße Puppe an einen Kran gehängt. Polizei und Rettungsdienst mussten anrücken.

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