Vertrauen zurückgewinnen

Rassismus bei der Polizei: Kriminologe aus Bochum hält Studie für "absolut notwendig"

Auch in Düsseldorf demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt.
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Auch in Düsseldorf demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Eine Studie soll aufdecken, wie groß das Problem des strukturellen Rassismus in der Polizei ist. Eine Diskreditierung der Polizei sei nicht das Ziel.

  • Ein Bochumer Kriminologe fordert, dass der strukturelle Rassismus bei der Polizei genau untersucht wird.
  • Im Fokus stehen Probleme wie das "Racial Profiling" und der Umgang mit den NSU-Morden.
  • In Teilen der Bevölkerung erlitt die Polizei durch die Rassismus-Vorwürfe bereits einen erkennbaren Vertrauensverlust.
  • Bochum - Nicht immer und nicht von jedem wird die Polizei als "Freund und Helfer" empfunden. In manchen Teilen der Bevölkerung haben "Racial Profiling" oder auch der Umgang mit den NSU-Morden dazu geführt, dass das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden zerstört ist. Eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema soll helfen, einen Weg zu finden mit dem Problem des Rassismus bei der Polizei umzugehen.  

    Universität

    Ruhr Universität Bochum

    Lehrstuhl

    Lehrstuhl für Kriminologie an der juristischen Fakultät

    Lehrstuhlinhaber

    Prof. Dr. Tobias Singelnstein

    Rassismus bei der Polizei: Bochumer Kriminologe spricht von strukturellem Problem

    Es sind längst keine Einzelfälle mehr, keine einzelnen Personen im Kreis der Polizei, die durch Rassismus auffallen. Stattdessen scheint sich das Problem durch alle Reihen der Sicherheitsbehörde zu ziehen. Wenngleich natürlich nicht jeder Beamte als Rassist deklariert werden darf, spricht der Bochumer Kriminologe Tobias Singelnstein von einem "strukturellen Problem" (mehr Nachrichten aus Bochum und dem Ruhrgebiet auf RUHR24.de).

    Struktureller Rassismus heißt: Es ist normal und erlaubt, einen gewissen Rassismus zu zeigen. Racial Profiling, ungeklärte Todesfälle in Haft und enge Verbindungen von Beamten zu rechtsextremen Strukturen - es sind genau diese Themen, die in der Vergangenheit für Schlagzeilen sorgten und zu dem von Singelnstein erwähnten Vertrauensverlust in die Polizei führten.

    Große Aufmerksamkeit erfuhr das Thema zuletzt durch die internationale Bewegung "Black Lives Matter", die auch in Dortmund zu Demonstrationen geführt hat. Die Bewegung entstand in den USA und setzt sich gegen (Polizei-)Gewalt gegen Schwarze oder "People of Color" ein. Dabei wurde erkannt, dass das Problem ist kein amerikanisches ist: Auch gegen Polizisten in NRW wurden erst vor kurzem wieder Rassimus-Vorwürfe erhoben.

    Studie zum Rassismus bei der Polizei: Umgang mit dem Problem finden

    Doch anstatt das Problem kleinzureden mahnt der Professor an der Juristischen Fakultät der Ruhr Universität Bochum an, dass dem Thema innerhalb einer Studie auf den Grund gegangen werden sollte.

    Es sei "absolut notwendig" eine Studie über strukturellen Rassismus bei der Polizei durchzuführen. Nur so könne erkannt werden, wie groß das Problem tatsächlich sei, und wie ein Umgang damit gefunden werden kann, erklärt der Professor gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

    Die internationale Bewegung "Black Lives Matter" führte auch in Deutschland an vielen Orten zu Demonstrationen gegen Rassismus.

    Gleichzeitig betont der Kriminologe, dass es keineswegs darum gehe, Polizeiarbeit zu diskreditieren. Stattdessen ginge es darum "sich mit einem tatsächlich bestehenden Problem auseinanderzusetzen." Das sei nicht zuletzt auch im Interesse der Polizei selbst, denn nur so könne das in Teilen der Gesellschaft verloren gegangene Vertrauen zurückgewonnen werden.

    Ein Kommentar zur Rassismus-Debatte rund um die Mohren-Apotheke in Dortmund - den schwachsinnigen Argumenten fehlt es vor allen Dingen an einem. 

    Video: Merkel fordert Studie zu Rassismus in der Polizei

    Bochumer Kriminologe: Polizei muss sich mit Rassismus-Problem selbstkritisch auseinandersetzen

    "Ich würde mir wünschen, dass sich die Polizei mit diesem Problem offen und selbstkritisch auseinandersetzt und die Kritik nicht als Frontalangriff begreift, wie sie das häufig tut", betont Singelnstein.

    Tatsächlich scheint eine Aufarbeitung des Themas nicht in jedermanns Sinne zu sein. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte einer derartigen Studie auf Bundesebene bislang eine Absage erteilt. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte jedoch angekündigt, eine Studie zu Polizeiarbeit und Rassismus im Verbund mehrerer Bundesländer organisieren zu wollen.