Wegen des Coronavirus

Bochum: "Irrsinn" - Stadt verlängert Gratis-Parken in der City und erntet heftige Kritik

Die Stadt Bochum und ihr Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) stehen in der Kritik, weil in der Coronakrise im Zentrum das Parken gratis ist.
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Die Stadt Bochum und ihr Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) stehen in der Kritik, weil in der Coronakrise im Zentrum das Parken gratis ist.

Wer derzeit mit dem Auto in die City fährt, wird in Bochum finanziell belohnt. Damit geht die Stadt einen unkonventionellen Weg - und erntet Kritik.

  • In Bochum können Besucher des Zentrums derzeit gratis parken.
  • Die Aktion stößt allerdings auf Kritik aus der Radfahrer-Lobby
  • Die Stadt bezeichnet das Gratis-Parken als Maßnahme für eine bessere Hygiene in Zeiten des Coronavirus.

Bochum - "Hier wo das WiR noch zählt" lautet eine Kampagne der Stadt Bochum, mit der die Stadt derzeit im ganzen Stadtgebiet für ein besseres Gemeinschaftsgefühl wirbt.

Stadt

Bochum

Einwohner

372.193

Oberbürgermeister

Thomas Eiskirch (SPD)

Bochum: Gratis-Parken im Zentrum stößt auf Kritik

Unter anderem wirbt Bochum in dieser Kampagne für eine Autofahrt in die Innenstadt. Seit dem 11. Mai können Autofahrer in Bochums City für bis zu drei Stunden gratis parken, wenn sie in der Innenstadt für über zehn Euro einkaufen.

Seit dem 1. Juli bis zum 31. August wird die Aktion fortgeführt, allerdings dann nur noch mit einer Gratis-Stunde Parken bei einem Zehn-Euro-Einkauf.

Während andere Städte Autos aus den Innenstädten verbannen, will Bochum derzeit also mehr Autos in die City locken. Das wiederum bringt die Fahrrad-Bewegung "Radwende-Bochum" in Rage.

"Irrsinn": Radfahrer kritisieren Gratis-Parken in Bochum

Sie bezeichnet die von den Oberbürgermeisterkandidaten von SPD/Grünen und CDU, Thomas Eiskirch und Christian Haardt, durchgesetzte Aktion als "Irrsinn", kritisiert, dass das 500.000-Euro-Projekt bis zum 31. August verlängert wurde.

Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister von Bochum.

Die Stadt unterdessen verweist in ihrem Dringlichkeitsentscheid zur Verlängerung der Wir-Kampagne auf die aktuell "erhöhten Hygieneanforderungen", sprich etwa auf das Abstandsgebot, das durch die Corona-Pandemie nötig ist. Logisch, in Autos lässt sich dieses besser einhalten, als in einer vollen Straßenbahn.

Stadtsprecher Thomas Sprenger sagt zudem gegenüber RUHR24: "Es ist ausdrücklich keine Aktion zur Stärkung des Autoverkehrs, sondern vielmehr zur Stärkung der Wirtschaft."

Video: Autoindustrie brechen Käufer weg

Bei der "Radwende-Bochum" kommentiert man die Aktion für den Autoverkehr inzwischen sarkastisch: "Klar, denn mit dem Fahrrad ist es ja bekanntlich nicht so einfach in die Innenstadt zu fahren. Auf den meisten Radialen und dem Ring fehlen die sicheren Radwege und in der Innenstadt fehlen die Abstellanlagen."

Die in den Autoverkehr investierten 500.000 Euro, so die Rad-Lobby, hätte die Stadt Bochum eher in den Radverkehr stecken können.

Ganz untätig ist die Stadt da allerdings nicht geblieben. Radfahrer, die mindestens zehn Euro in der Stadt ausgeben, können ihr Fahrrad derzeit auf dem zentralen Husemannplatz gratis waschen lassen. Die Aktion läuft noch bis August.

Bochum: Neben Autoverkehr unterstützt die Stadt auch Radler und den ÖPNV

Und auch in Sachen ÖPNV ist die Stadt nicht ganz untätig. Zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember sollen 240.000 Euro in die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs fließen - allerdings nur an vier Samstagen in diesem Zeitraum.

"In Zeiten von Klimakrise und Umweltschutz ist die Förderung des Autoverkehrs in dieser Form unangemessen. Das investierte Geld hätte besser den Ausbau des ÖPNVs und die Verbesserung der Radinfrastruktur - etwa durch Pop-up-Bike-Lanes - investiert werden sollen", meint RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi

Kritik gibt es nicht nur von der Radwende-Bochum, sondern auch aus der Politik. Die Linken etwa kritisieren, die Kampagne sei "sozial unausgewogen", da sie nur die Interessen der Arbeitgeber berücksichtige. 

Auch interessant: In Bochum ist es am 12. Juli zu einer dramatischen und schweren Rettungsaktion der Feuerwehr und Polizei gekommen. Eine Frau ist an einem "Lost Place" am Westpark zusammengebrochen. Nach einer zweistündigen Rettung verstarb sie schließlich im Krankenhaus. 

VCD übt Kritik an Stadt Bochum wegen Gratis-Parken

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Bochum (alle Texte auf RUHR24.de aus der Stadt) ist nicht begeistert von der Gratis-Parken-Aktion der Stadt. "Die neue Normalität nach der Krise darf nicht heißen, alte Rezepte aus der Mottenkiste zu holen, sondern muss erst recht auf Umwelt- und Klimaschutz setzen - gerade im Verkehr", so der ökologisch orientierte VCD in einer Stellungnahme.

Bei der Stadt zeigt man sich wenig empfänglich für die Kritik. Der 10-Punkte-Plan zur Stärkung der Wirtschaft in Zeiten von Corona widerspreche "in keinster Weise dem Engagement für den Klimaschutz", so Stadtsprecher Sprenger. Weitere Aktionen für den Klimaschutz liefen wie gewohnt weiter.

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