Auflagen schwer umsetzbar

Jago in Bochum muss kurz nach Wiedereröffnung schließen: Corona-Regeln zwingen Besitzer zur Aufgabe

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Das Jago in Bochum hat es mit Corona-Regeln probiert - und ist gescheitert.

In Bochum muss das "Jago" nur zwei Tage nach der Wiedereröffnung wieder schließen. Gegen die Corona-Regeln ist der Besitzer chancenlos.

  • Seit dem 11. Mai dürfen Gastronomen in NRW wieder ihre Ladenlokale trotz Coronavirus öffnen.
  • Der Besitzer einer Gaststätte in Bochum hat es zwei Tage lang versucht.
  • Danach ist er zum Entschluss gekommen, dass es einfach nicht funktioniert.

Bochum - Er hat es versucht und damit bewiesen, dass die Corona-Regeln für die Gastronomie kaum umsetzbar sind: Guido Kauhaus (53), Geschäftsführer des "Jago" in Bochum ist entnervt. Zwei Tage lang hatte er seine Kneipe im Schatten des Schauspielhauses geöffnet, bis er feststellen musste, dass sein Vorhaben weder personell noch wirtschaftlich ansatzweise zu stemmen ist.

Jago

Art

Gaststätte

Ort

Saladin-Schmitt-Straße 1, Bochum

Eröffnung

17. Oktober 1981

Geschäftsführer

Guido Kauhaus

Namensherkunft "Jago"

Benannt nach dem Leutnant Othellos

Rückblick: Seit dem 11. Mai darf in NRW die Gastronomie innen und außen wieder öffnen. Zwei Tage später, an einem Mittwoch, will Kauhaus sein "Jago" wieder öffnen, stellt Konzepte auf, versucht Hygiene- und Infektionsschutzstandards im Sinne der Coronaschutzverordnung umzusetzen.

Bochum: Gastronom bereitet sich auf Corona-Schutzmaßnahmen vor

Er besorgt Desinfektionsmittel, sorgt für ausreichend Platz zwischen den Tischen im Innen- und Außenbereich, instruiert sein Personal. Ganz so schnell wie er dachte, klappt es mit der Wiedereröffnung dann doch nicht. Erst am Freitag, also fünf Tage nach Eintreten der neuen Verordnung, macht das "Jago" erstmals wieder auf.

Ein Mitarbeiter nimmt die Personalien der Gäste am Eingang auf, ein weiterer führt die Gäste zum Platz. Passten vorher 60 Menschen in seine Kneipe, sind es jetzt nur 16. Einchecken, auschecken, Daten notieren. So geht es den ganzen Abend, erinnert sich Kauhaus. Geht einer raus zum Rauchen, muss er sich erst ab- und dann wieder anmelden.

Kneipe in Bochum: Gastronomie im Schatten des Schauspielhauses kämpft mit Corona-Regeln

Draußen, auf dem Vorplatz des Schauspielhauses hat der Gastronom normalerweise weitere 40 Tische stehen. Durch die Corona-Regeln sind es nur noch 20. Nur Mitglieder maximal zweier Haushalte dürfen an einem Tisch sitzen, auch das muss das "Jago" kontrollieren. Das Ordnungsamt sitzt im Nacken, es fährt vor der Kneipe Streife.

Die Gäste haben Fragen über Fragen, müssen Masken aufsetzen, wenn sie zur Toilette wollen. Um 23 Uhr wird es plötzlich verdammt leer im "Jago" - ungewöhnlich für einen Freitagabend, findet Guido Kauhaus. Ob die Gäste von dem Corona-Theater die Schnauze voll haben?

Coronavirus: Weniger Gäste am Abend der Wiedereröffnung des Jago in Bochum

Einen Tag später, am Samstag (16. Mai) geht das Schauspiel in den zweiten Akt. Um 13 Uhr spielt der VfL Bochum, das Spiel wird im "Jago" übertragen. Die Gaststätte macht sich auf einen Ansturm bereit, zumal am Nachmittag das Revierderby ansteht. "Am Ende hatten wir Besucherzahlen von nur einem Viertel von dem, was machbar gewesen wäre", erzählt Kauhaus.

Am Abend steigt der Alkoholpegel, die ersten Gäste haben höhere Promillewerte erreicht, sind nicht mehr ganz nüchtern. Die ersten vergessen, ihre Maske aufzusetzen, um zur Toilette zu gehen. Andere, so schildert es Guido Kauhaus, wechseln auf der Außenterrasse von Tisch A zu Tisch B - was verboten ist. Der Gastronom beginnt zu zweifeln, ob die Corona-Maßnahmen unter Alkoholeinfluss noch für ihn und seine Mitarbeiter zu kontrollieren sind.

Nur 16 Personen dürfen wegen Corona-Gefahr in Gaststätte

Für die Nacht ist schließlich ein Unwetter angesagt, soll Kauhaus die Gäste in die Kneipe bringen, in der aber nur 16 Leute hineindürfen?

"Das alles hat mich am Ende zum Entschluss gebracht, die Gaststätte zu schließen", resümiert Kauhaus, der die Lage auch wirtschaftlich nicht verkraftet. "Was ist denn, wenn ein Gast in die Kneipe kommt und nur einen grünen Tee trinkt?", fragt sich der Gastronom, der bei schlechtem Wetter auf lediglich 16 Plätze im Inneren zurückgreifen kann. Will sagen: Bei 16 Plätzen müsste jeder Gast schon mindestens zehn Bier trinken, damit sich der Aufwand lohnt.

Coronavirus: Mitarbeiter der Kneipe in Bochum müssen durchgehend Maske tragen

Hinzu kommt die Belastung für die Mitarbeiter, die selbst bei Hitze die gesamte Schicht über eine Mund-Nase-Bedeckung tragen müssten. Kauhaus: "Da fallen mir meine Mitarbeiter doch um wie die Fliegen."

Das Jago in Bochum hat es mit Corona-Regeln probiert - und ist gescheitert.

Sauer ist der 53-Jährige, dass die Politik "vollkommen weltfremde Regeln am grünen Tisch" aufgestellt habe, die kaum umsetzbar seien. Schwammige Formulierungen erschwerten zudem die Arbeit. "So lange die Voraussetzungen so bleiben, ergibt es keinen Sinn, aufzumachen", sagt Kauhaus, der die 1981 eröffnete Gaststätte seit 1993 leitet.

Jago in Bochum: Gaststätte muss wegen Corona Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken

Festangestellte Mitarbeiter hat der Bochumer wieder in Kurzarbeit geschickt, die studentischen Hilfskräfte stehen dagegen mit leeren Händen da. Immerhin: Die Soforthilfen des Landes seien schnell geflossen, das hat Kauhaus zugeben.

Video: Schwieriger Startschuss für Gastronomie

Wie lange er damit über die Runden kommt und im Gegensatz zu anderen Gastronomen überlebt, scheint ungewiss. Gut möglich, das mehr Soforthilfen fließen müssen, damit das "Jago" bald nicht komplett dicht ist.

Die Hoffnung auf einen Impfstoff ist nach wie vor groß, auch bei Guido Kauhaus. Bis es so weit ist, hofft der Gastronom auf ein Wunder - oder darauf, dass die Politik doch noch einen Schwenk zu noch mehr Lockerungen macht.

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