Hilfe im Corona-Winter

Obdachlosenhilfe in Bochum: Harte Kritik von „bodo“ – „30 Schlafsäcke sind kein Konzept“

Schnelle und einfache Hilfe für Obdachlose im Corona-Winter hatte die Stadt Bochum angekündigt. Doch der Verein „bodo“ kritisiert das Kältekonzept als völlig unzureichend.

Bochum – 30 Schlafsäcke, mehr Schlafplätze in Notschlafstellen und die Übernachtungsmöglichkeit in einem Bogestra-Bahnhof – das sind die Eckpfeiler eines neu vorgestellten Kältekonzepts der Stadt Bochum, um Obdachlose sicher und wohlbehalten durch den Corona-Winter zu bringen. Doch das Kältekonzept sei nicht ausreichend und nicht durchdacht, kritisiert der Verein bodo.

StadtBochum
Obdachloseca. 900
Vereinbodo (Gemeinnütziger Verein der Menschen in sozialen Notlagen hilft)

Bochum: Bahnhof als städtisches Übernachtungsangebot für Obdachlose im Corona-Winter

Einen Bahnhof als städtisches Übernachtungsangebot zu bezeichnen – das sei fast schon zynisch, erklärt Bastian Pütter, Redaktionsleiter des Straßenmagazins bodo. Doch genau das hatte die Stadt Bochum gemacht, als sie ihr neues Kältekonzept vorgestellt und schnelle und unkomplizierte Hilfe für Wohnungs- und Obdachlose ankündigte.

„Seit Monaten mahnen wir, dass der Corona-Winter für Wohnungslose gefährlicher werden könnte als ohnehin“, so Pütter weiter. An das städtische Konzept zur Wohnungs- und Obdachlosenhilfe waren deshalb offenbar auch größerer Erwartungen geknüpft, als die Stadt Bochum nun erfüllen könnte (mehr News zur Corona-Pandemie in NRW auf RUHR24).

Dabei ist allen Beteiligten offensichtlich klar, dass sich die Lage der Obdachlosen durch die Pandemie noch einmal deutlich zugespitzt hat. Auch die Stadt Bochum hatte in ihrem Konzept auf die Problematik hingewiesen. Das vorliegende Kältekonzept der Stadt gehe über die „kommunalen Pflichtaufgaben“ jedoch kaum hinaus, so Pütter.

Kältekonzept für Obdachlose in Bochum ist für den Corona-Winter unzureichend

Konkret kritisiert der Verein bodo, das das Kältekonzept in Bochum Übernachtungsplätze erst ab Temperaturen von null Grad oder – wie im Falle der Notschlafstelle im Bahnhof – erst ab extremer Kälte von weniger als zehn Grad minus vorsieht. Doch „Menschen haben ein Recht auf Unterbringung, auch bei Plusgeraden“, erklärt Pütter.

Zudem sei es an kalten Tagen auch notwendig, sich tagsüber aufzuwärmen, um wieder zu Kräften zu kommen. Im Tagesaufenthalt an der Henriettenstraße könnten sich Wohnungslose jedoch gerade einmal 45 Minuten aufhalten – zu wenig, um sich richtig aufzuwärmen, weiß der Redaktionsleiter.

Bochum: Der gestiegenen Not der Obdachlosen im Corona-Winter wird das Kältekonzept nicht gerecht

Weitere Wärmestuben seien deshalb dringend notwendig, um die „gestiegene Not und den gestiegenen Platzbedarf aufzufangen und letztendlich Kältetote zu verhindern“, so Pütter.

Besonders ärgere den Verein aber, dass die Stadt in ihrem Kältekonzept 30 Schlafsäcke als Notfallhilfe vorsieht. „Schlafsäcke halten im Winter auf der Straße nur ein paar Tage. Allein wir verteilen jeden Winter eine dreistellige Zahl als Nothilfe. 30 Schlafsäcke sind kein Konzept“, gibt sich Pütter von bodo enttäuscht.

Doch trotz der Warnungen des Vereins seit dem Sommer, dass der Winter unter Corona-Bedingungen besonders gefährlich für Wohnungs- und Obdachlose werden könnte, sei nicht viel passiert so der Verein. Stattdessen verweise die Stadt weiter auf bestehende, aber unzureichende, Angebote.

„Wir hätten uns gewünscht, dass auch Bochum den Sommer nutzt, um wirksame Maßnahmen zum Schutz derer zu ergreifen, die schutzlos sind“, erklärt Bastian Pütter. Das sei aber nicht passiert.

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/dpa

Mehr zum Thema