Krach im Ausgehviertel

Kult-Kneipe im Bochumer Bermudadreieck erntet heftige Kritik - Wirt wert sich

Das Bermudadreieck in Bochum in Zeiten des Coronavirus.
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Das Bermudadreieck in Bochum in Zeiten des Coronavirus.

Eine der beliebtesten Bars im Bermudadreieck von Bochum hat seit der Corona-Krise nicht mehr geöffnet. Jetzt wird der Wirt dafür heftig kritisiert.

Bochum – In Bochums größter Kneipenmeile, dem Bermudadreieck, bahnt sich aktuell ein handfester Corona-Streit an. Offenbar gibt es Kritik vonseiten mancher Wirte für Bars, die während der Corona-Krise ihre Läden nicht mehr geöffnet haben. Eine solche Kneipe ist das „Freibeuter“, das entsetzt über die Anfeindungen ist.

NameBermudadreieck Bochum
AdresseKortumstraße, Konrad-Adenauer-Platz (u.a.)
GastrobetriebeCirca 80

Bochum: „Freibeuter“ erntet für Corona-Verhalten Kritik aus der Gastronomie

Seit Monaten hat die besonders im studentisch-linken Milieu beliebte Kneipe als eine der wenigen im „Dreieck“ geschlossen. Sie sieht sich nicht im Stande, ihr Konzept als verruchte und eher unkonventionelle Kneipe unter Corona-Regeln fortzuführen. Und so klafft an prominenter Stelle im Bermudadreieck seit Monaten ein unangenehmes Loch in der Feiermeile.

Von einem Gastronomen des Bermudadreiecks kommt dafür nun Kritik. Der Betreiber einer Diskothek unterstellt dem „Freibeuter“, es könnte rein taktisch handeln und sich auf den Corona-Hilfen der Bundesregierung ausruhen. Im Podcast namens „Sperrstunde“ des WDR-Moderatoren Alexander Bauer kritisiert er: „Ich befürworte diese Abgrenzung hier im Bermudadreieck nicht.“

Das Bermudadreieck sei ein stark frequentierter Ort. Würden durch geschlossene Bars die Kapazitäten für die Besucher fehlen, dann sei es verantwortungslos, eine Gastronomie nicht zu öffnen. Die Gäste müssten sonst zu dicht aneinandergedrängt in den übrig gebliebenen Bars und Kneipen sitzen.

Das „Freibeuter“ zeigt sich entsetzt über die Anschuldigungen und nimmt in einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite Stellung dazu. „Ob wir öffnen oder nicht, ist vor allen Dingen erst einmal eines: Unsere Sache“, heißt es dort etwa.

Video: Sperrstunde in Hotspots und weniger Gäste bei Feiern

Die Betreiber des „Freibeuters“ seien den ganzen Sommer über vor Ort gewesen, hätten Eindrücke gesammelt und ständig neu bewertet, ob es unter diesen Umständen Sinn ergebe, vielleicht doch zu öffnen. Das Fazit des „Freibeuters“: „Wir fanden aber nein.“

Bermudadreieck Bochum: „Freibeuter“ hätte sich statt „Corona“-Kritik mehr Respekt gewünscht

Von Seiten der übrigen Gastronomen hätten sich die Betreiber der Kult-Kneipe mehr Respekt gewünscht für diese Entscheidung. Stattdessen fühl sich das „Freibeuter“ nun als „Nestbeschmutzer“, wie es in dem Facebook-Beitrag heißt.

Mit der Unterstützung von Stadt und Land, sowie dem Support treuer Freunde durch Soli-Käufe in einem Pop-up-Kiosk und vereinzelt auch durch Spenden, konnte sich das „Freibeuter“ bisher über Wasser halten und wolle das auch weiterhin so tun.

Unterdessen besteht im „Dreieck“ Hoffnung, dass bald die Sperrstunde um 23 Uhr gekippt werden könnte. Mehrere Gastronomen, darunter der Besitzer des „Tucholsky“ sowie des „Tapas“, haben beim Oberverwaltungsgericht Münster Klage gegen das Land NRW eingereicht.

Christian Bickelbacher gehört zu den Klägern und sagte gegenüber dem WDR: „Die Sperrstunde um 23 Uhr ist nicht gerechtfertigt und ergibt keinen Sinn. Es gibt keine nachvollziehbaren Infektionsherde in der Gastronomie.“ Zudem kritisierte er, dass sich die Menschen nach der Sperrstunde im privaten Umfeld treffen würden, wo eine Kontrolle der Hygienemaßnahmen nicht mehr möglich sei. Ende Oktober könnte das Gericht über die Klage der Bochumer Gastronomen entscheiden.

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