Bilanz eindeutig

Corona-Gefahr: Ärzte aus Bochum warnen vor Lähmungen nach Freizeitkick

Ein querschnittsgelähmter Patient am Uniklinikum Bergmannsheil steuert seinen Rollstuhl mit Gedankenkraft.
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Ein querschnittgelähmter Patient am Uniklinikum Bergmannsheil steuert seinen Rollstuhl mit Gedankenkraft.

Ärzte in Bochum warnen: Während der Corona-Zeit kamen im Sommer bereits sechs Patienten ins Bergmannsheil, die jetzt querschnittsgelähmt sind.

  • Ärzte am Bergmannsheil in Bochum behandelten vermehrt Patienten, die nun querschnittgelähmt sind.
  • Ein Kopfsprung in unbekanntes Gewässer birgt höchste Gefahr.
  • Die Ärzte vermuten: Wegen der Corona-Pandemie badeten viele an ungeeigneten Badestellen.

Bochum - Ärzte am Bochumer Bergmannsheil sind alarmiert: Bereits sechs Patienten wurden in diesem Sommer von der Abteilung für Rückenmarksverletzungen aufgenommen, die nach einem Kopfsprung ins Wasser nun querschnittgelähmt sind. 

Ihre Warnung ist eindringlich: Ein einziger Sprung ins Wasser kann Leben kosten oder eine lebenslange Lähmung bedeuten. Doch nicht nur der Sprung in wilde Gewässer ist gefährlich – in diesem Jahr rücken auch Pools in den Fokus.

Klinik

Bergmannsheil, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Betten

729

Beschäftigte

1.943

Bochum: Ärzte am Bergmannsheil warnen vor Sprüngen ins Wasser

Sommerzeit ist Badezeit. Doch immer wieder findet der Spaß im kühlen Nass ein jähes und tragisches Ende: Tödliche Badeunfälle überschatten die Sommer immer wieder. Dabei ist zumindest die Warnung, nicht Kopf voran in unbekannte Gewässer zu springen, nicht neu. 

Eigentlich sollte sie jeder kennen. Trotzdem müssen Ärzte immer wieder Verletzungen behandeln, die durch einen solchen Kopfsprung zustande kommen. Und nicht immer können die behandelnden Ärzte den Patienten anschließend gesund und munter wieder entlassen.

"Vor allem Jugendliche springen immer wieder kopfüber in Kanäle, Seen oder Flüsse, ohne sich über die Gefahren bewusst zu sein", so Dr. Mirko Aach, leitender Arzt der Abteilung für Rückenmarkverletzte im Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum. Aber auch der Sprung in den heimischen Pool kann gefährlich sein – nämlich dann, wenn dieser viel zu flach ist. Und das sind kleine Gartenpools häufig (mehr Nachrichten aus Bochum und dem Ruhrgebiet auf RUHR24.de).

Sechs Patienten in Bochum: Querschnittgelähmt nach Sprung in flaches Wasser

Denn: Wer kopfüber in zu flaches Wasser springt, kann ungebremst mit dem Kopf auf den Grund aufschlagen. Einen Bruch der Halswirbel und eine Verletzung des Rückenmarks können die verheerende Folge sein. "Solche Verletzungsmuster sind oft sehr gravierend und irreparabel, sie gehen dann leider mit einer dauerhaften Querschnittlähmung einher", warnt Dr. Aach.

Auch der DLRG warnte in den vergangenen Jahren immer wieder vor dem "Sprung in den Rollstuhl". Laut der Rettungsgemeinschaft ereignen sich die meisten Badeunfälle mit Querschnittlähmungen im August. Nahezu 100 Prozent der Unfallopfer sind in den letzten Jahren nach einer Mitteilung des DLRG junge Männer im Alter zwischen 16 und 25 Jahren gewesen. 

Ärzte in Bochum: Vor allem junge Männer sind gefährdet

Das bestätigen auch die Ärzte des Bergmannsheil Bochum: Junge Männer, die aus Leichtsinn, Übermut oder unter Alkoholeinfluss gefährliche Kopfsprünge wagen. Doch auch ältere Menschen seien von solch' übermütigen Aktionen nicht ausgenommen. 

Mit Kopfsprung ins Wasser: gefährliche Mutprobe oder harmloser Spaß? Vor allem junge Männer sind oft leichtsinnig

Eine Langzeitstudie der Deutschen Querschnittzentren seit 1976 zeigt zudem, dass die Zahl der durch Badeunfälle verursachten Querschnittlähmungen über mehrere Jahrzehnte nahezu gleich geblieben ist. 

Corona-Sommer: Sechs Patienten allein in Bochum

So mussten die Ärzte des Bergmannsheils auch in diesem Sommer wieder mehrere tragische Fälle von Menschen behandeln, die nach einem Kopfsprung einen Halswirbelbruch erlitten und seitdem querschnittgelähmt sind. Für diese Menschen folgt häufig ein Leben im Rollstuhl oder sogar an der Beatmungsmaschine – und das ein Leben lang, warnen die Ärzte.

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Unsere Ärzte im Bergmannsheil warnen vor dem Kopfsprung in Gewässer und Heim-Pools! Sommerzeit ist Badezeit, doch der Freizeitspaß hat immer wieder tragische Folgen: Wer den Kopfsprung in unbekanntes und zu flaches Gewässer probt, bringt sich und seine Gesundheit in höchste Gefahr. In diesem Jahr nahm unsere Abteilung bereits sechs Patienten auf, die wegen eines Kopfsprungs jetzt querschnittgelähmt sind. Die Folgen sind dann oftmals ein Leben im Rollstuhl oder sogar an der Beatmungsmaschine – und das lebenslang. Möglicherweise suchen Menschen in diesem Jahr vermehrt gefährliche und ungeeignete Badestellen auf, weil öffentliche Bäder und offizielle Badestellen wegen der aktuellen Corona-Situation nur eingeschränkt geöffnet sind. „Wir mahnen dringend: Kopfsprünge in unbekannte, ungeeignete, flache oder trübe Gewässer sollten unbedingt unterlassen werden! Denn ein einziger Sprung kann Leben kosten oder eine lebenslange Lähmung bedeuten“, appelliert PD Dr. Mirko Aach, Leitender Arzt der Abteilung für Rückenmarkverletzte im Bergmannsheil. #badeunfälle #badezeit #sommer #gartenpools #gewässer #gefahr #rückenmarksverletzung #querschnittslähmung #bergmannsheilbochum #teambergmannsheil #bgklinik #bergmannsheil

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Warum bereits jetzt so viele Fälle in dem Klinikum zu verzeichnen sind, erklären sich die Ärzte mit den veränderten Bedingungen im Corona-Sommer: Da aufgrund der Corona-Pandemie viele öffentliche Bäder und offizielle Badestellen nur eingeschränkt geöffnet haben, suchten sich die Menschen möglicherweise vermehrt gefährliche und ungeeignete Badestellen. Schließlich war der Sommer heiß und lockte die Menschen ins Wasser.

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