In neuer Biografie

„Gefährlicher Schwachsinn“: Bill Kaulitz schießt gegen Bochumer Legende Herbert Grönemeyer

Bill Kaulitz, Frontmann der deutschen Band „Tokio Hotel“, hat sich in einer Biografie einen Song der Bochumer Musiklegende Herbert Grönemeyer vorgeknöpft. Den Text hält er für „gefährlich“.

Bochum – Die ganz großen Erfolge von „Tokio Hotel“ liegen schon eine Weile zurück. Leadsänger Bill Kaulitz ist mittlerweile 31 Jahre alt und hat diesen Umstand zum Anlass genommen, seine ersten 30 Lebensjahre in einer Biografie zusammenzufassen. Sie trägt den Namen „Career Suicide“ und erscheint Anfang Februar.

SängerBill Kaulitz
Geboren1. September 1989 (Alter 31 Jahre), Leipzig
GeschwisterTom Kaulitz
MusikgruppeTokio Hotel

Bill Kaulitz („Tokio Hotel“) rechnet mit Song von Musiklegende Herbert Grönemeyer ab

Für reichlich Zündstoff sorgt das elfte Kapitel, welches den Titel „Heavy is the head that wears a crown“ trägt – ein abgewandeltes Zitat aus dem Historiendrama Henry IV von William Shakespeare. Hinter dem mystischen Titel verbirgt sich gleich zu Beginn des Kapitels eine deftige Abrechnung mit dem Song „Kinder an die Macht“ des Bochumer Kultmusikers Herbert Grönemeyer (64).

„Was für ein gefährlicher Schwachsinn“, beginnt Bill Kaulitz seine Ausführungen über den Liedtext. Würde man das Gedankenspiel weiterspinnen, gelange man laut Bill Kaulitz an einen gefährlichen Punkt. Kinder an die Macht? „Dann gäbe es ja noch mehr Mord und Totschlag.“

Tatsächlich gibt es zu dem berühmten Song von Herbert Grönemeyer mehr als eine Interpretation. Die am meisten verbreitete: Die Welt sollte wieder mehr mit Kinderaugen gesehen werden – ohne Vorurteile und ohne Hintergedanken. Zeilen wie „Statt zu unterdrücken, gibt‘s Erdbeereis auf Lebenszeit“ oder „Dem Trübsinn ein Ende, wir werden in Grund und Boden gelacht“ sprechen für diese Grönemeyer-Exegese.

Kritik an Song von Herbert Grönemeyer – Bill Kaulitz erlebte keine einfache Jugend

Dass „Tokio Hotel“-Frontmann Bill Kaulitz die Welt in Kinderhänden hingegen als eine derartige Bedrohung betrachtet, begründet der 31-Jährige mit seinem eigenen Aufwachsen in Leipzig und in der Nähe von Magdeburg. „Gummibären und Erdbeereis auf Lebenszeit? Wo ich aufgewachsen bin, gab es die erste Kippe mit sechs, Alkoholvergiftungen mit zwölf und Mädchen, die mit dreizehn Jahren durchaus mal die zweite Abtreibung hinter sich hatten, weil sie wieder schwanger von ihrem Cousin waren.“

„Tokio Hotel“-Frontmann Bill Kaulitz hat eine Biografie geschrieben.

Auch sich selbst hätte Bill Kaulitz im Kindesalter offenbar nicht gerne in einer von Herbert Grönemeyer besungenen verantwortungsvollen Position gesehen. „Ich war oft ein Arschloch als Kind. Viele Kinder sind Arschlöcher. Seien wir ehrlich: Kinder können oft skrupellos sein, haben keine Moral und keine Empathie.“

Nach eigenen Angaben seien dem Sänger die Gedanken für den Einstieg in das elfte Kapitel seiner Biografie „Career Suicide“ bei einer Reise mit „Tokio Hotel“ nach Jerusalem gekommen. Im Auto sitzend hätte er am Straßenrand kleine Kinder mit Spielzeugwaffen spielen sehen.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser, Jan Woitas/dpa; Collage: RUHR24