Auch Kräuter sind betroffen

Gesundheitsgefahr durch Gift: Behörden warnen vor Verzehr von Gemüse in Ruhrgebietsstadt

In Bergkamen im Kreis Unna (Ruhrgebiet) wurden erhöhte Werte von giftigem PCB gefunden. Bürger und vor allem Selbstversorger sind gewarnt, selbst angebautes Gemüse zu essen.
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In Bergkamen im Kreis Unna (Ruhrgebiet) wurden erhöhte Werte von giftigem PCB gefunden. Bürger und vor allem Selbstversorger sind gewarnt, selbst angebautes Gemüse zu essen.

Das LANUV hat verschiedene Bereiche in Bergkamen (Kreis Unna) auf PCB untersucht. Das Gift könnte in selbst angebautem Gemüse und Kräutern stecken.

  • Eigentlich sollte man jeden Tag ausreichend Gemüse essen, weil es so gesund ist.
  • Vom Verzehr wird jedoch in einer Stadt im Ruhrgebiet derzeit abgeraten.
  • Der Grund dafür ist eine deutlich zu hohe PCB-Belastung im Boden.

Ruhrgebiet/Kreis Unna - Selbstversorger und Bürger aufgepasst - aufgrund von erhöhten Werten einer giftigen und krebserregenden Substanz warnen Experten derzeit vor dem Anbau und Verzehr von bestimmtem Blattgemüse. Die Warnung gilt für eine Region im Ruhrgebiet.

Stoff

Polychlorierte Biphenyle (PCB)

Gefahr

Krebserregend und giftig

Verwendung

Industrie bis in die 1980er

Fundort

Bergkamen (Ruhrgebiet/Kreis Unna)

Betroffen

Blattgemüse wie Salat und Kräuter

Giftiges PCB im Boden gefunden: Gefahr für Selbstversorger im Kreis Unna (Ruhrgebiet) droht 

Wie die Bezirksregierung Arnsberg mitteilt, wurden im Bereich der Industriegebiete nördlich der Erich-Ollenhauer-Straße in Bergkamen (Kreis Unna), wo auch die neue Freundin von Hollywood-Star Brad Pitt herkommen soll, mehrere Löwenzahn-Pflanzen untersucht und darin erhöhte PCB-Werte gemessen. 

Bei PCB (Polychlorierte Biphenyle) handelt es sich um giftige und krebsauslösende Chlorverbindungen, die bis in die 1980er-Jahre in der Industrie verwendet wurden, mittlerweile aber weltweit verboten sind. 

Warnung für Bürger in Bergkamen: Selbst angebautes Blattgemüse auf keinen Fall verzehren

Die Bezirksregierung Arnsberg hat deshalb in Abstimmung mit der Stadt Bergkamen eine Warnung herausgegeben, dass auf den Verzehr von selbst angebautem Blattgemüse bis auf Weiteres verzichtet werden soll. 

Zu dem belasteten Blattgemüse zählen:

  • Grünkohl, Mangold, Spinat, Pflücksalat, Feldsalat, Rucola, Rübstiel, Staudensellerie
  • Kräuter
  • Alle Gemüsesorten, von denen die Blätter verzehrt werden können
Selbst angebauter Grünkohl sollte in Bergkamen (Kreis Unna) aktuell auf gar keinen Fall gegessen werden. Grund dafür sind erhöhte PCB-Werte im Boden.

Nicht betroffen sind laut Angaben der Behörden:

  • Kopfsalat
  • Weiß- und Rotkohl, Blumenkohl, Rosenkohl und weitere "kopfbildende" Kohlsorten
  • Wurzel- und Knollengemüse wie Möhren, Radieschen und Kartoffeln
  • Tomaten, Salatgurken, Erbsen und Bohnen

Grundsätzlich rät die Bezirksregierung Arnsberg aber dazu, dass jegliches Obst und Gemüse, das aus dem eigenen Anbau stammt, vor dem Verzehr oder der Weiterverarbeitung gründlich gewaschen werden sollte.

Diese Stadtgebiete in Bergkamen sind von der erhöhten PCB-Konzentration betroffen

Von der PCB-Belastung betroffen sind in Bergkamen (Kreis Unna) die Stadtgebiete nördlich der Fritz-Husemann-Straße im Bereich Buchenweg, Nußbaumweg, Zum Großen Holz und die  Körnerstraße. Außerdem ein Teilabschnitt der Gartensiedlung sowie Bereiche nördlich und südlich der Erich-Ollenhauer-Straße östlich der Einmündung Binsenheide.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat bereits im vergangenen Jahr erste Hinweise auf mögliche PCB-Belastungen in besagtem Industriegebiet in Bergkamen erhalten. Die Untersuchungen am Löwenzahn sollten nun weitere Bereiche aufdecken, in denen ebenfalls zu viel PCB im Boden steckt. (alle Nachrichten aus dem Kreis Unna bei RUHR24)

LANUV untersuchte vier Bereiche in Bergkamen und fand erschreckende Ergebnisse 

Die entsprechenden Untersuchungen fanden im Frühjahr 2020 an insgesamt vier Bereichen statt. An zwei von ihnen wurde der für PCB geltende EU-Auslösewert überschritten. 

Der EU-Auslösewert ist ein Wert, der angibt, wann ein "proaktives Vorgehen" zur Reduzierung des Anteils von PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln stattfinden sollte.

Das LANUV empfiehlt nach Vorlage der Messergebnisse, dass vorsorglich in den betroffenen zwei Stadtbereichen auf den Verzehr von selbst angebautem Blattgemüse verzichtet werden sollte, bis Untersuchungen von Nahrungspflanzen erfolgt sind.

Dazu sät das LANUV im Laufe des Jahres 2020 Grünkohlpflanzen im Bereich der betroffenen Stadtgebiete aus und überprüft sie regelmäßig auf ihren Schadstoffgehalt. 

Der "hängende Garten" für zu Hause - Gemüse zum selbst anbauen

Deshalb untersucht das LANUV in Bergkamen Grünkohlpflanzen auf PCB

Grünkohlpflanzen nehmen als Blattgemüse stärker als andere Pflanzen Schadstoffe aus der Luft auf und erreichen dadurch höhere Belastungen. Sie werden im Rahmen des Wirkungsdauermessprogramms des LANUV daher regelmäßig als Indikatorpflanzen verwendet.

Ziel der Untersuchung in Bergkamen ist es, die tatsächliche Belastung von PCB festzustellen und daraus konkrete Verzehrempfehlungen abzuleiten. (alle Nachrichten aus dem Ruhrgebiet bei RUHR24).

Anwohnern in diesen zwei Stadtteilen wird dringend geraten, bis auf Weiteres kein selbst angebautes Gemüse oder Kräuter mehr zu essen. 

PCB-Belastungen im Ruhrgebiet keine Seltenheit - auch in Dortmund gab es einen ähnlichen Fall

Die Bezirksregierung Arnsberg ermittelt derweil, wo das Gift herkommen könnte. Ein möglicher Verursacher könnte ein ansässiger Industriebetrieb sein. Maßnahmen zur Minderung der PCB-Freisetzung wurden bereits eingeleitet.

Auch in Dortmund, der Nachbarstadt von Bergkamen, wurden bereits erhöhte PCB-Werte im Boden gefunden. Auch dort riet die Stadt dazu auf, bis auf Weiteres auf selbst angebautes Gemüse zu verzichten.

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