Entscheidung gefallen

Ruhrgebiet verliert nächstes Wahrzeichen: Enttäuschung über Abriss von historischem Zechenturm

Die Stadt Bergkamen verliert eine Landmarke.
+
Die Stadt Bergkamen verliert eine Landmarke.

Der Rat der Stadt Bergkamen hat den Abriss des Fördergerüsts der Zeche Haus Aden 2 beschlossen. Für den Erhalt wurde hart gekämpft. Die Enttäuschung ist groß.

Bergkamen – Drei Millionen Euro hätte es gekostet, das Fördergerüst der Zeche Haus Aden 2 zu verlegen. Der Rat der Stadt Bergkamen hat sich bei einer Sitzung am Donnerstag (18. Februar) gegen den Erhalt des historischen Ruhrpott-Wahrzeichens entschieden.

StadtBergkamen
BundeslandNordrhein-Westfalen
KreisUnna
BürgermeisterBernd Schäfer (SPD)

Bergkamen: Rat der Stadt beschließt Abriss des Fördergerüsts der Zeche Haus Aden 2

Neben Grüne und FDP hat sich auch die SPD für einen Abriss des Zechenturms ausgesprochen. „Die Entwicklung der Stadt ist durch diese Landmarke nicht so voranzubringen, wie durch andere Dinge, die ich mir für drei Millionen Euro vorstellen kann“, sagte Fraktionschef Rüdiger Weiß dazu.

Es sei keine Entscheidung gegen den Geschichtskreis oder den Bergbau, sondern für die Stadt gewesen. Dem Votum seien zwei Fraktionssitzungen, lange Gespräche in den Familien und „bei vielen auch schlaflose Nächte vorausgegangen“. Der Westfälische Anzeiger berichtete zuerst über den Entschluss zum Abriss des Fördergerüsts in Bergkamen*.

Die CDU hatte zu Beginn der Stadtratssitzung in Bergkamen versucht, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen. Fraktionschef Thomas Heinzel warf SPD und Grüne vor, den „Sack so schnell wie möglich zumachen“ zu wollen. Laut Heinzel sei die Würdigung des Bergbaus nicht ausreichend.

Bergkamen: Zechenturm wird nicht das Tor zur „Wasserstadt Aden“ – Bergleute enttäuscht

Die Linke argumentierte, dass drei Millionen Euro für eine Verlegung des Fördergerüsts zwar viel Geld seien, dieses aber durchaus gut investiert wäre. Der Zechenturm könne als Aussichtspunkt touristisch genutzt und zum Alleinstellungsmerkmal der Stadt Bergkamen werden.

Unter den ehemaligen Bergleuten macht sich derweil Enttäuschung breit. Der Geschichtskreis „Haus Aden 3/4“ kämpfte lange für den Erhalt des Förderturms der Zeche Haus Aden 2. Sie forderten, das Bauwerk als Tor zur neuen „Wasserstadt Aden“ zu nutzen.

Der Förderturm von Schacht 1 der Zeche Haus Aden wurde bereits 2005 gesprengt.

Die „Wasserstadt Aden“ entsteht zurzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Haus Aden in Bergkamen. „Rund um den neuen Adensee entsteht ein modernes und vielseitiges Stadtquartier für verschiedenste Lebens- und Wohnstile“, heißt es von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK).

Video: Tattoos mit Bergbaumotiven sind beliebt

Direkt vom Datteln-Hamm-Kanal aus soll der Adensee mit dem Boot befahrbar sein. So sollen Besucher in die „Wasserstadt Aden“ gelockt werden und das dortige Angebot nutzen. Das Fördergerüst der ehemaligen Zeche Haus Aden 2 wird allerdings nicht dazu gehören.

Die RAG-Stiftung wird laut BILD noch im Februar mit dem Abriss des Zechenturms beginnen. „Das ist bitterlich enttäuschend für uns Bergleute“, sagte Volker Wagner, Sprecher des Geschichtskreises Haus Aden 3/4, der Zeitung. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.