8-Punkte-Plan

Baustellen im Ruhrgebiet: So soll es auf A45, A43 und Co. schneller vorangehen - bis zu 40 Prozent! 

Die A43 wird in den kommenden Jahren von vier auf sechs Spuren ausgebaut - etwa hier in Recklinghausen.
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Die A43 wird in den kommenden Jahren von vier auf sechs Spuren ausgebaut - etwa hier in Recklinghausen.

Wer auf den Autobahnen rund um das Ruhrgebiet unterwegs ist, braucht aufgrund der vielen Baustellen Geduld. Straßen.NRW will jetzt schneller zum Ende kommen.

  • Viele große Baustellen im Ruhrgebiet behindern aktuell und in den kommenden Jahren den Verkehr.
  • Straßen.NRW hat Maßnahmen entwickelt, wie die schneller fertig werden können.
  • Es gibt einen 8-Punkte-Plan, der auch schon zum Einsatz kommt.

Dortmund - Wer derzeit auf der A43 unterwegs ist, der fühlt sich manchmal wie bei einem Russisch Roulette - ein möglicher Stau in der Baustelle kann einen jederzeit treffen. Die Baustelle im Raum Recklinghausen und Herne ist allerdings nur eine von 130 Großbaustellen, die in den kommenden Jahren auf den Autobahnen in NRW Autofahrer nervt, bevor etwa auf der A43 hoffentlich freie Fahrt bei sechs statt vorher vier Spuren herrscht, berichtet RUHR24.de*.

Baustellen im Ruhrgebiet: Datenbank soll für schnelles Ende sorgen

Damit die vielen Baustellen mit allen beteiligten Akteuren gut koordiniert werden, gibt es inzwischen eine Datenbank, die Baustellen verkehrsträgerübergreifend erfasst. So soll verhindert werden, dass Maßnahmen sich in die Quere kommen - etwa wenn zwei örtlich nah liegende Sperrungen erfolgen könnten. Sogar die Deutsche Bahn vermerkt hier ihre Bauvorhaben. Diese Daten werden auch Anbietern von Navigationssystemen zur Verfügung gestellt. So wird verhindert, dass der Verkehr bei Stau auf eine Strecke mit einer Baustelle umgeleitet wird.

Baustellen im Ruhrgebiet: Viele bekommen 8-Punkte-Plan

Damit die Baustellen im Ruhrgebiet nicht zur Dauernervensäge werden, haben die verantwortlichen Planer von Straßen.NRW unterdessen einen 8-Punkte-Plan erstellt. Er soll dafür sorgen, dass Baustellen schneller ein Ende finden. Das sind die acht Punkte:

  • Aufbau eines Bauzeitencontrollings: Damit wird kontrolliert, dass die geplanten Bauzeiten richtig eingehalten werden.
  • Mischlose: Verschiedene Gewerke werden in einem Auftrag vergeben.
  • Vereinbarung von Einzelfristen: Verträge mit Baufirmen werden so geschlossen, dass bestimmte Bauabschnitte zu bestimmten Fristen abgearbeitet sein sollen.
  • Mehr Ausschreibungen nach 24/7: Es sollen mehr Baustellen rund um die Uhr an allen Wochentagen bearbeitet werden.
  • Bonus-/Malus-Regelung: Bei Nachteilen für den Auftraggeber können Vertragsstrafen an ausführende Baufirmen ausgesprochen werden. 
  • Sammelausschreibungen: Mehrere kleinere Projekte gleicher Bauleistungen werden ausgeschrieben, um unter anderem den Aufwand für den Auftraggeber zu reduzieren.
  • Funktionalausschreibungen: Bei Ausschreibungen werden keine detaillierten Vorgaben benannt, sondern zu erreichende Ziele. Die entsprechende Baufirma wird dadurch mehr in die Verantwortung genommen.
  • Aufrechterhaltung der Anzahl der Fahrstreifen: Nur in Ausnahmen werden Fahrstreifen auf Baustellen gesperrt. Ziel ist eher, alle Fahrstreifen zu erhalten, wenn auch eingeengt.

Zu den genannten Maßnahmen setzt Straßen.NRW auf bessere Technik. Beispiel A46 bei Hagen: Hier wurde die erste sogenannte Bausteinbrücke mit Fertigteilen in nur 100 Tagen gebaut. Hätte man in konventioneller Weise gebaut, wären mehr als 200 Tage Sperrung notwendig geworden. Auch auf der A1 bei Unna soll die Technik, bei der große Betonbauteile verwendet werden, bald angewandt werden. Die Kernbauzeit soll so um 40 Prozent verkürzt werden. Das ist auch bei anderen Projekten solcher Art künftig zu erwarten.

A3: Brücke in NRW wurde in nur 80 Tagen gebaut

Auf der A3 bei Emmerich unterdessen schafften es Baufirmen, eine Brücke mit Pfeilern aus sogenannter bewehrter Erde an nur einem Wochenende zu platzieren. Auf einem Parkplatz in der Nähe montierten Bauarbeiter unterdessen den Brückenüberbau. Die Bauzeit hier: 80 Tage.

Ebenfalls an der A3 hat Straßen.NRW den Bau der Fahrbahn mit Segment-Platten getestet, der nicht nur die Bauzeit verkürzt, sondern auch eine spätere Sanierung einfacher machen soll. Und nicht zuletzt wird derzeit in Hagen ein in Deutschland einzigartiges Verfahren vorbereitet, bei dem eine komplette A45-Brücke samt Pfeiler an ihren endgültigen Platz verschoben wird.

Nun dürfen die Menschen im Ruhrgebiet hoffen, dass es auf den Autobahnen im Revier schnell voran geht. Das sind die größten Projekte derzeit - und ihre Laufzeit:

A1: 

  • Ersatzbau Bauwerk "Afferder Weg" in Unna (Bauzeit bis November 2020)
  • Neubau Bauwerk "Liedbachtalbrücke" in Unna (Bauzeit 2021 bis 2026)
  • Ersatzneubau Bauwerk "Holzwickeder Straße" in Unna (Mai 2018 bis September 2020)
  • Ersatzneubau Bauwerk "Sölder Straße" in Schwerte (Mai 2017 bis August 2020)
  • Ersatzneubau Bauwerk "Bahnhof Hengstey" in Hagen (Anfang 2019 bis Mitte 2023)

A40:

A43:

  • Sechsstreifiger Ausbau der A43 zwischen Marl und Witten (bis Mitte 2030)
Die A43 wird in den kommenden Jahren von vier auf sechs Spuren ausgebaut - etwa hier in Recklinghausen.

A45:

  • Westhofener Kreuz in Schwerte (Sommer 2021 bis Sommer 2025)
  • Ersatzneubau Lennetalbrücke in Hagen (Herbst 2013 bis Ende 2020)
  • Ersatzneubau Talbrücken Kattenohl und Brunsbecke in Hagen und Lüdenscheid (Frühjahr 2019 bis Ende 2024)

A52:

  • Sanierung zwischen Essen-Rüttenscheid und Autobahndreieck Essen-Ost (Anfang 2021 bis Sommer 2023)

A448:

  • Neubau Querspange in Bochum (bis Mitte 2021)

Neben den genannten Großbaustellen stehen im Ruhrgebiet aktuelle und künftig mehrere "kleinere" Baustellen an. Etwa die Sanierung von Fahrbahnen auf der A42 im Raum Herne-Wanne, Essen-Altenessen oder Gelsenkirchen-Zentrum sowie weitere Fahrbahnsanierungen auf A3 und A52.

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