Armutsbericht 2019

Rund 1000 Euro im Monat und schon arm - Ruhrgebiet bleibt "Problemregion Nummer 1"

In Deutschland sind weniger Menschen arm. Das ist gut! Doch: Das Ruhrgebiet schneidet schlecht ab, besonders hart trifft es die Region um Dortmund

  • Weniger Menschen in Deutschland gelten als Arm.
  • Doch das Ruhrgebiet schneidet in der Erhebung nicht gut ab.
  • Bei Migranten sinkt die Zahl der Armen.

Ruhrgebiet/Dortmund - Die Armut in Deutschland geht insgesamt zurück. Das geht aus dem Bericht des Paritätischen Gesamtverbands hervor, der heute (12. Dezember) veröffentlicht wurde. Doch im Ruhrgebiet leben weiter viele Menschen in Armut.

Armut in Deutschland sinkt - Ruhrgebiet schneidet schlecht ab

Demnach lag die Armutsquote 2018 in Deutschland bei 15,5 Prozent. Das bedeutet: Fast jeder sechste lebt in Armut, hat also nicht genug Geld zur Verfügung. Besser schneiden Bayern (11,7) und Baden-Württemberg (11,9) ab.

Insgesamt ist die Zahl der Armen leicht gesunken. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Das Ruhrgebiet kommt in der Erhebung überhaupt nicht gut weg. 

Hier liegt die Armutsquote laut dem Bericht bei 21,1 Prozent. Das bedeutet: Knapp 900.000 Menschen leben in Armut. Zum Vergleich: In NRW sind es insgesamt nur 18,1 Prozent.

Armut: Wann gilt man als arm?

Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Nettohaushaltseinkommens zur Verfügung hat. Für einen Single ohne Kinder lag dieser Wert 2018 bei 1035 Euro, für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2174 Euro (Boeckler Stiftung). 

Berechnet wird das gesamte Nettoeinkommen des Haushalts. Auch Wohngeld, Kindergeld und andere Zuschüsse müssen miteinbezogen werden.

Armut: So schneiden die Regionen im Ruhrgebiet ab:

So hoch ist die Armut im Ruhrgebiet aufgeschlüsselt nach den Raumordnungen des Berichts:

  • Dortmund: 21,1 Prozent
  • Bochum/Hagen: 20,7 Prozent
  • Duisburg/Essen: 20,9 Prozent
  • Emscher-Lippe: 22,0 Prozent

Damit bleibt die Zahl der armen Menschen im Westen hoch, obwohl sie im Vergleich zum Vorjahr bereits gesunken ist. In einer früheren Studie kam besonders Gelsenkirchen bei der Armut schlecht weg.

Ruhrgebiet ist bei Armut "Problemregion Nummer 1"

Insbesondere das Ruhrgebiet bleibe mit einer Armutsquote von 21,1 Prozent bei 5,8 Millionen Einwohnern "Problemregion Nummer 1", heißt es in dem Bericht. Im Osten liegt der Wert zum Vergleich bei nur 17,5 Prozent.

Zudem sind auch weniger Menschen mit Migrationshintergrund sowie mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit erstmals weniger von Armut betroffen. Armut in Deutschland sei demnach nicht mehr hauptsächlich ein Problem von Migranten, sagt der Verband.

Um der Armut gegenzusteuern, fordert der Verband neben einem armutsfesten Mindestlohn und einer deutlichen Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV auch Reformen der Altersgrundsicherung und die Einführung einer Kindergrundsicherung. Voraussetzung zur Realisierung sei dabei ein mutiges Umsteuern in der Steuerpolitik.

Rubriklistenbild: © dpa

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