Für den Bundestag kommt ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen nicht in Frage. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag (28. Januar). Zuvor hatte sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sich gegen das Tempolimit ausgesprochen.

Update, 28. Januar, 18.57 Uhr: Es gebe intelligentere Steuerungsmöglichkeiten, sagte Seibert zum Thema Tempolimit am Montag in Berlin. Nun will die Regierung die Debatte auf wissenschaftliche Weise klären. Man warte auf die Ergebnisse der Experten-Arbeitsgruppe zum Thema Klimaschutz im Verkehr.

Umweltverbände wie der BUND kritisierten das als „klares Foul“ der Regierung.

Tempolimit ist faktisch Realität

Ursprungsmeldung: Der Politiker wird in seiner Absage an den Vorschlag mehr als deutlich und bezeichnet den Vorstoß als „gegen jeglichen Menschenverstand“.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hält ein gesetzliches Tempolimit von 130 Stundenkilometern in Deutschland für überflüssig. Eine solche Begrenzung sei faktisch längst Realität: „Unsere vollen Straßen hat diese Diskussion nicht nur eingeholt, sondern überholt.“

Im Ruhrgebiet, zwischen dem Kreis Wesel im Westen und dem Kreis Unna im Osten, liegen 617 Kilometer Autobahn. Auf etwa der Hälfte der Autobahnkilometern besteht in beiden Fahrtrichtungen bereits ein Tempolimit. Den Rest erledigen Staus und zäh fließender Verkehr.

„Unkreative Lösung“

So bezeichnet auch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst das Thema Tempolimit als unkreativ. Zumindest in Hinsicht auf den Klimaschutz. Viel wichtiger seien seiner Ansicht nach „Investitionen in die Zukunft und neue Technologien wie E-Mobilität, synthetische Kraftstoffe und elektrisch startende Flugzeuge.“

Auch ein besserer öffentlicher Nahverkehr und der Ausbau der Radwege seien für ihn von größerer Bedeutung.

Bremsmanöver verursachen Staus

Fakt ist außerdem, auch mit Tempolimit ist man in etwa genauso lange unterwegs, wie ohne. Verkehrsexpertin Maria Limbourg, die als Professorin an der Universität Duisburg-Essen lehrte, erklärt: „Wer schneller als 130 fährt, muss ständig bremsen, weil die anderen langsamer fahren.“

Durch die Bremsmanöver, das Wechseln der Spuren in Verbindung mit den unterschiedlichen Geschwindigkeiten mit denen Autofahrer unterwegs sind, entstehen viele Staus. Wirklich lange braucht aber, wer lange im Stau steht – und das weiß nicht nur die Expertin.

Komission setzt Arbeit fort

Trotz des Ärgers um die Forderung nach einem Tempolimit, will die Regierungskomission ihre Arbeit fortsetzen. Ende März sollen erste Ergebnisse vorgelegt werden.

Aktuelle Top-Themen:

Die Komission soll Vorschläge ausarbeiten, wie der Verkehrssektor zum Erreichen der deutschen Klimaschutz-Ziele beitragen kann. Gleichmäßiges Fahren, ohne häufig zu beschleunigen und abzubremsen, wäre dem Ziel jedenfalls zuträglich. Mit dpa-Material