Nach Kritik

ARD und ZDF reden bei Kosten für Queen-Beerdigung um den heißen Brei

Es hagelt Kritik für das ZDF und der ARD nach der TV-Übertragung zur Beerdigung der Queen. Über die Kosten schweigen sich die Sender aus.

Deutschland – Die Kritik für ARD und ZDF nach der Doppel-Berichterstattung über das Queen-Begräbnis lässt nicht nach. Jetzt kommt die Frage über die Kosten auf – immerhin durch Gebühren der Deutschen bezahlt. Doch die Sender geben sich schmallippig.

EreignisBeerdigung von Queen Elizabeth II.
ÜbertragungARD und ZDF

ARD und ZDF verzichten auf gemeinsame Produktion zur Beerdigung von Queen Elizabeth II.

Als am Montag (19. September) die Beerdigung der Queen von Millionen Menschen weltweit live im TV verfolgt wurde, haben auch viele Zuschauer aus Deutschland den Fernseher eingeschaltet – und könnten sich dann gewundert haben. Denn die beiden öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben jeweils eigene Übertragungen angeboten (alle News zu Promis und TV bei RUHR24).

Auf Twitter kam das gar nicht gut an – immerhin wird die TV-Übertragung von Steuergeldern finanziert. Wie auch schon beim „ARD MoMa“ hätte man die Beerdigung auch einfach auf beiden Sendern parallel zeigen können, so die Kritik. Nun könnte es jedoch noch zu weiterer Kritik kommen.

Neun Stunden Queen-Beerdigung am Stück: Christian Lindner kritisiert ARD- und ZDF-Übertragung

Denn die ARD und das ZDF haben nun die Kosten für die einzelnen Live-Übertragungen veröffentlicht. Über neun Stunden am Stück wurde live gesendet. Das war sogar Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) zu viel. „Dass ARD, ZDF und Phoenix live und parallel vom Begräbnis der Queen aus London senden und mit jeweils eigenem Personal in London sind, belegt anschaulich, dass es erhebliches Einsparpotenzial gibt“, so der Politiker gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

FDP-Politiker und Bundesfinanzminister Christian Lindner kritisiert die hohen Übertragungskosten der ARD und ZDF.

Auf Nachfrage von t-online zu den Kosten der Live-Übertragungen antwortet das ZDF: „Der Tod von Queen Elizabeth II. war ein Ereignis von öffentlicher, auch historischer und politischer Bedeutung. Andere Royal-Ereignisse haben ARD und ZDF nach Absprache seit vielen Jahren im Wechsel übertragen“, so Sendersprecher Thomas Hagedorn. „Der Tod von Queen Elizabeth II. war aufgrund der historischen und politischen Bedeutung von dieser Absprache ausgenommen. Nach der Trauerfeier für die Queen werden ARD und ZDF zu dieser Praxis zurückkehren.“

Topf mit 94 Millionen Euro: ZDF spricht ungewohnt offen über Übertragung der Queen-Beerdigung

Zumindest in Zukunft soll es also keine doppelten Übertragungen mehr geben – sagt zumindest das ZDF. Weiter heißt es in dem Statement: „Neben dem Team des ZDF-Studios in London kamen insgesamt zehn Moderatoren, Reporter/Reporterinnen, Expertinnen an verschiedenen Orten zum Einsatz, u.a. Schloss Windsor, Buckingham Palace und Westminster Abbey. Dazu kamen rund 20 bis 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Produktion und Technik sowie Kameraleute und Ortskräfte.“

Wie teuer diese Produktion letztendlich war, wollte das ZDF t-online nicht verraten. Leidlich heißt es dazu: „Die Kosten von ‚ZDF spezial‘-Sendungen gehören zum Gesamtaufwand für die täglichen Nachrichten und tagesaktuellen Informationsmagazine im ZDF, der sich jährlich auf rund 94 Millionen Euro beläuft.“ Auch die ARD wollte sich auf Nachfrage zu den genauen Kosten nicht äußern.

ARD spart mit eigenem Auslandsstudio und Produktion beim NDR in Hamburg

Auch der ARD hat diverses Personal eingesetzt, welches sich ohnehin im ARD Studio London befanden. Produziert wurden die Trauersendungen allerdings in Hamburg beim NDR, weil „damit der Personalaufwand des NDR (...) deutlich geringer ist, als ihn eine Produktion vor Ort ausgelöst hätte“, so ARD-Sendersprecherin Iris Bents gegenüber t-online.

Wie viel man tatsächlich bei einer gemeinsamen Produktion an Kosten gespart hätte, ist nicht klar. Fakt ist nur: Den Steuerzahler hätte es bestimmt gefreut. Schließlich konnte man ohnehin nicht zwei Trauerfeiern gleichzeitig im TV verfolgen.

Rubriklistenbild: © I. Schulz/blickwinkel/McPHOTO/Imago