Schauspielerin im Interview

„Niemand soll sterben“: Ronja Forcher spricht über das Ende von „Der Bergdoktor“

Zum Jahresabschluss geht es für Ronja Forcher, Hans Sigl und Co. in die 16. Staffel von „Der Bergdoktor“. Im Interview mit tz.de spricht die Schauspielerin über die ZDF-Serie.

Nachdem „Der Bergdoktor“ zuletzt in einem nervenaufreibenden Finale mündete, geht es für die Familie um Dr. Martin Gruber (Hans Sigl; 53) zum Jahresausklang endlich weiter. Zum Auftakt der 16. Staffel sprach Ronja Forcher (26), die in der ZDF-Serie seit 2008 die Tochter des Titelhelden verkörpert, mit tz.de und merkur.de über ihr Schaffen zwischen Schauspielerei und Schlager.

Ronja Forcher dreht mit 12 Jahren „Der Bergdoktor“: „War einfach nur ich“

Schon als Kind standen Sie vor der Kamera; im Alter von 12 Jahren ging es dann mit „Der Bergdoktor“ so richtig los. Was haben Sie, rückblickend betrachtet, richtig gemacht, damit Ihnen der Ruhm in jungen Jahren nicht entglitten ist?
Ich hatte einfach das große Glück, eine tolle Familie zu haben. Meine Umgebung, meine Freunde, meine Familie und meine Heimat Tirol haben mich immer sehr am Boden gehalten – und das war auch wichtig: Ich habe zwar viel gedreht, viel gearbeitet und war viel unterwegs, aber trotzdem konnte ich am Ende immer irgendwann nach Hause kommen und war dort einfach nur ein ganz normales Kind. Das ist der springende Punkt: Man hat seinen Frieden, wenn man in dem ganzen Trubel auch einfach mal Kind sein darf.
Gelang es Ihnen denn, diese beiden Welten – also Berufliches und Privates – schon so früh zu trennen?
Ja, auf jeden Fall. Vor ein paar Jahren wurde das Ganze sowieso durch die Schule stark getrennt. Da hatte man seine eigenen Geschichten, seine eigenen Freunde, seine eigene Welt. Wenn ich vom Set kam, konnte ich alles ablegen und war einfach nur ich. Es war nur dann ein Thema, wenn ich wegen eines Drehs mal bei Ausflügen gefehlt habe oder nicht zu einer Geburtstagsparty kommen konnte.
Ronja Forcher spricht im Interview über das Ende von „Der Bergdoktor“

„Niemand soll sterben“: Ronja Forcher spricht über das Ende von ZDF-Serie „Der Bergdoktor“

Sie haben schon ihre Jugendjahre mit „Der Bergdoktor“ verbracht, sind parallel zu den ersten Staffeln erwachsen geworden und immer noch Teil des Casts. Werden die Kollegen in so einem Fall dann eine Art zweite Familie?
 Ja, es ist auf jeden Fall so, dass das die Menschen, die schon von Anfang an dabei sind, mehr als nur irgendwelche Arbeitskollegen sind – egal, ob vor oder hinter der Kamera. Unsere Beziehung ist da auf jeden Fall persönlicher und ich habe am Set viele Freunde gefunden. Es zeugt auch von einem schönen Arbeitsklima, wenn wirklich so viele Leute seit 16 Jahren immer noch dabei sind und nicht gegangen sind.
 „Der Bergdoktor“ geht bald in die 16. Staffel und obwohl noch lange kein Serienabschluss in Sicht ist, muss alles irgendwann einmal enden. Wie sollte die Serie enden, wenn es nach Ihnen ginge?
 Ich würde mir wünschen, dass es gut ausgeht! Ich glaube, das ist auch irgendwo die Aufgabe der Serie: dass sie den Menschen Freude macht! Wie eine kleine Auszeit vom Alltag. Und ich hoffe, dass – wenn es irgendwann, in vielen Jahren, mal vorbei ist – die Serie positiv ausgeht. Niemand soll sterben oder so etwas Schreckliches. Der Zuschauer soll sagen können: „Gut, man hat die Familie Gruber jetzt so viele Jahre begleitet und wir wissen, denen geht es gut. Die machen weiter ihr Ding, aber wir schauen eben nicht mehr zu.“
Werden Sie bei derartigen Entscheidungen auch mal miteinbezogen?
 Wir haben schon eine gewisse Freiheit, was manche Szenen und Dialoge angeht. Vor allem der feste Cast, der ja wirklich schon seit so vielen Jahren seine Rollen spielt und die Figuren einfach am besten kennt. Aber inhaltlich gesehen und wie es jetzt längerfristig weitergeht... – das ist nicht unsere Aufgabe! Und da vertrauen wir auch wirklich den Menschen, die sich dem schon seit so langer Zeit widmen. Wenn ich mal eine Idee habe, dann hat sich darüber ein anderer wahrscheinlich schon dreimal den Kopf zerbrochen.

„Wichtig und richtig“: Ronja Forcher über Kritik an ZDF-Serie „Der Bergdoktor“

16 Staffeln von „Der Bergdoktor“ sprechen eine deutliche Sprache – wie erklären Sie sich den langfristigen Erfolg der Serie?
 Ich denke, dass wir mit den Zutaten der Serie großes Glück haben! Einerseits gibt es eine so schöne Landschaft, die dort gezeigt wird: Tirol fasziniert viele Menschen mit seinen Bergen und seiner einzigartigen Natur. Dann haben wir von Anfang an wirklich spannende Geschichten. Und ja, wahrscheinlich sind es auch die Figuren, die man mögen und ins Herz schließen kann und bei denen man sich fragt, wie es für sie weitergeht. Ich glaube, es ist mittlerweile so, dass die Familie Gruber sich für viele Zuschauer wie gute Freunde anfühlt. Und die lädst du jede Woche in dein Wohnzimmer ein und du bist daran interessiert, was in ihrem Leben geschieht.
Setzen Sie sich auch damit auseinander, was diese „guten Freunde“ von den Geschehnissen in der Serie selbst halten?
Ja, schon. Ich versuche mich da aber auch ein bisschen zurückzuhalten, weil ich merke, dass ich nicht mehr so frei in meinem Spiel bin, wenn ich mir zu viele Gedanken darüber mache, was die Zuschauer davon halten. Trotzdem kann man das natürlich nie hundertprozentig abschalten. Und ich bin auch immer auf die Reaktionen gespannt, wenn ich weiß, dass in einer Folge etwas Dramatisches oder Unvorhersehbares geschieht, so wie es am Ende der letzten Staffel der Fall war.
Das sitzt man schon da und denkt sich: Boah, schauen wir mal, wie es den Leuten gefällt... Wie zuvor erwähnt: Für mich ist diese Serie etwas sehr Positives und soll dementsprechend auch etwas sehr Positives bei den Zuschauern auslösen. Und da mache ich mir schon manchmal Gedanken: Wie geht es denen, nachdem eine bestimmte Folge gelaufen ist? Was für ein Gefühl bleibt bei den Menschen zurück?
Und wie wird Ihnen das widergespiegelt? Lesen Sie bewusst Kommentare, etwa in den sozialen Netzwerken?
Ich bin ein Mensch, der sich da sehr zurückhält und deswegen versucht, auch möglichst wenig Nachrichten und Kommentare zu lesen. Die sozialen Netzwerke sind ein Ort, wo du sehr schnell in etwas hineingezogen wirst, das dir ganz und gar nicht guttut. Davor muss man sich schützen.
Ich weiß, dass wir viele liebevolle Fans haben, die richtig tolle Sachen schreiben. Aber es geht auch anders. Wenn du dann einen Kommentar liest, der unhöflich hoch zehn ist, trägst du das lange mit dir herum. Das ist der Punkt, an dem ich merke: Damit ich meinen Job gut machen kann, daran weiterhin Spaß habe und für die Menschen eine gute Energie habe, um sie zu unterhalten, darf ich mich damit nicht allzu sehr befassen.
Trotz allem gibt es auch fachliche Kritik an „Der Bergdoktor“: Das Deutsche Ärzteblatt kritisierte die Serie als klischeehaft und unrealistisch; die Darstellung des Mediziners entspreche dem „klassischen Arztbild aus alten Heimatfilmen“. Wie geht es Ihnen mit einer derartigen Darstellung?
 Ich kann verstehen, wie medizinisches Fachpersonal so etwas denken und auch schreiben kann. Und ich finde auch wichtig und richtig, dass man in der heutigen Zeit seine Meinung kundtun darf. Mir fällt aber auf, dass oft vergessen wird, was für eine Funktion diese Serie hat: „Der Bergdoktor“ ist um Himmels willen keine Dokumentation, sondern dient zur Unterhaltung – und das sollte den Menschen eigentlich bewusst sein. Über unsere Serie sollte sich niemand medizinisch aufklären lassen. Dafür geht man zu seinem Hausarzt und schaut nicht fern...
„Niemand soll sterben“: Ronja Forcher über das Finale von „Der Bergdoktor“

Ronja Forcher auch im Schlager angekommen: „Der Bergdoktor“-Star bekam Tipps von Beatrice Egli

Neben der Schauspielerei betätigen Sie sich auch als Schlagersängerin. Von der Branche heißt es oft, sie sei sehr exklusiv und in sich gekehrt – wie haben Sie den Einstieg wahrgenommen?
Ich habe mir in den letzten anderthalb Jahren viele Gedanken über die Schlagerwelt gemacht – das gebe ich auch ganz offen zu! Einerseits mag ich die Musik einfach sehr gerne, sowohl dank der Leute, die sie machen als auch derer, die sie hören. Schlagerfans sind total ehrlich und genau das gefällt mir: Wenn sich im „ZDF-Fernsehgarten“ jemand hinstellt und zu den Liedern mitklatscht, dann mag der die wirklich und steht auch dazu. Das finde ich cool, gerade in der heutigen Zeit.
Aber natürlich kann ich auch die Punkte verstehen, dass in der Branche noch eine gewisse Entwicklung stattfinden muss, dass in der Musik teilweise veraltete Klischees reproduziert werden oder dass die Schlagerwelt noch nicht divers genug ist. Und das stimmt auch – so, wie unsere Gesellschaft oft nicht offen und nicht divers genug ist, in vielen Bereichen.
Ich tue mich aber damit schwer, dass es viele Menschen, die sich sehr mit Kultur und Bildung auseinandersetzen, auf den Schlager abgesehen haben. Oftmals wird die Branche einfach nur gebasht, weil man damit viel Anklang bei den Leuten findet. Dementsprechend wünsche ich mir mehr Offenheit von beiden Seiten.
Gab es Anfeindungen, weil Sie als Schauspielerin jetzt auch in der Schlagerwelt mitmischen wollen?
 Ich persönlich habe davon nichts mitbekommen. Im Gegenteil. Ich meine, wenn du selber etwas sehr gerne magst, dann trifft dich das gar nicht so sehr, wenn jemand etwas sagt. Ich weiß, was mir Spaß macht: dass ich Menschen unterhalten will, dass ich ihnen eine gute Zeit bescheren will. Das sehe ich als eine Art Berufung und deswegen fühle ich mich da sehr wohl auch mit der Entscheidung, Musik zu machen und in dieses Genre einzutauchen.
Bekamen Sie anfangs Tipps von Schlagerkollegen?
 Ja, als ich am Anfang ganz aufgeregt war. Ich bin jetzt immer noch aufgeregt, aber am Anfang war es wirklich schlimm. Da habe ich mich mit Beatrice Egli unterhalten, die eine ganze inspirierende Frau ist, wie ich finde. Sie hat mir gesagt: „Ronja, genieße jede Minute, genieße auch die Aufregung, das gehört alles dazu! Es ist wie so eine Achterbahnfahrt, wo du dich reinsetzt und einfach nur schaust, wohin die Reise geht.“ Und das habe ich dann auch gemacht – bis heute.
Zum Abschluss: Das Jahr neigt sich dem Ende – verfolgen Sie irgendwelche Vorsätze für 2023?
 Ja, ich habe schon Vorsätze: Nächstes Jahr werde ich die Gebärdensprache lernen und darauf freue ich mich schon. Das jetzt seit ein paar Wochen mein Plan und es ist sozusagen meine kleine, interne Aufgabe, die ich mir gesetzt habe. Hoffentlich kann ich Ende 2023 dann mit all meinen Fans kommunizieren.

Verwendete Quellen: Interview mit Ronja Forcher für tz.de und merkur.de (Ippen.Media); geführt von Jonas Erbas

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